Batman

Batmans Grab

von Warren Ellis, Bryan Hitch (Illustration)
Rezension von Gabriel Zupcan | 26. November 2020

Batmans Grab

In Sachen „legendäres Autoren/Zeichnerduo“ stehen im Superheldengenre Warren Ellis und Bryan Hitch aktuell kaum jemanden nach. Umso erfreulicher ist es, dass dieses Dreamteam endlich auf Batman losgelassen wird. In „Batmans Grab“ schicken sie Batman auf einen blutigen Crime-Trip in die Straßen von Gotham City.

Warren Ellis und Bryan Hitch haben schon immer gerne ein wenig aus der Box gedacht und sind bekannt für ihre beinahe zynischen Kommentare zum Superheldengenre. Zunächst war „The Authority“ eine alternative (und kompromisslos brutale) Version verschiedener Superhelden-Archetypen. Darin erfanden sie den „Midnighter“, der ganz offensichtlich von Batman inspiriert wurde und mittlerweile im Mainstream-DC-Universum sein Dasein fristet. Später krempelten sie mit „The Ultimates“ die derzeit so beliebten Avengers drastisch um. Ebenso kompromisslos brutal und skrupellos zog diese Superheldenriege der 2000er in Marvels Ultimate Universum gegen das Böse zu Felde. Nicht nur die spannenden und innovativen Stories sorgten für den guten Namen des Duos, sondern auch Bryan Hitchs wunderbar detaillierte Zeichnungen.
Nun dürfen sie erstmals gemeinsam die Hand an Batman legen. Das Original. Punkto Radikalität ist bei DC so einiges möglich, dank des umfangreichen Multiversums, das immer Platz für alternative Realitäten bietet. Aber Pustekuchen. Ellis und Hitch begnügen sich hier mit dem destillierten Original. Keine kataklysmischen Ereignisse, keine ausufernden Gastauftritte. Einfach nur Batman in seiner Grundessenz als Detektiv und Rächer. Es beginnt, als der dunkle Ritter einem ignorierten Notruf nachgeht. In einem heruntergekommenen Wohngebäude findet er die grausam zugerichtete Leiche eines Mannes. Sein Gesicht wurde grässlich verstümmelt und an den Wänden finden sich zahllose Zeitungsschnipsel über Batman und seine Taten. Alarmiert analysiert Batman den Tatort und stößt alsbald auf eine beunruhigende Entdeckung. Doch auch ein anderer Fall fordert Bruce Wayne heraus: der auffällige Selbstmord eines korrupten Politikers. Stehen beide Fälle etwa im Zusammenhang? Batman wird tief im korrupten und hässlichen Unterbau der Stadt graben müssen.

Endlich lässt jemand Batman wieder das machen was er am besten kann: Detektivarbeit gepaart mit Martial Arts-Einlagen. Natürlich kann er jederzeit die Welt retten, aber sein Grundelement sind Gewaltverbrechen, die er minutiös aufklärt. Typisch wortkarg und fokussiert kommt der beliebteste unter den unsympathischen Superhelden rüber. Manchmal auch etwas giftig, mit bissigen Kommentaren die er während der Kämpfe fallen lässt. Dieser stellenweise trockene Sarkasmus ist ein Markenzeichen von Ellis. Nicht minder giftig ist diesmal Alfred. Während der getreue Butler meist als gute Seele und Vaterfigur von Bruce Wayne agiert und eher gedämpften Protest gegen Batmans Entscheidungen einlegt, lassen die beiden Briten ihren berühmten, fiktiven Landsmann scheinen. Alfred sagt was er denkt, auf höchst britische Art und er trinkt auch mal einen über den Durst. Dabei entgleiten ihm subversive Kommentare zu Batmans Situation, die eigentlich aus der Sicht von Fans oder der Autoren stammen könnten. Das ist durchaus sehr witzig und typisch für Ellis/Hitch-Werke. Alfred ist auch vorerst neben Gordon der einzige aus Batmans Umkreis der ihm zur Seite stehen darf. Ganz ohne Robin und Konsorten arbeitet sich Bruce diesmal durch die Fälle. Diese bestehen nicht nur aus umfangreichen Dialogen, sondern auch aus minutiös ausgearbeiteten Actionsequenzen. Seitenweise nimmt sich Bryan Hitch die Zeit Batman im Nahkampf gegen düster-groteske Psychos zu zeigen. Hier standen die Kampfsequenz aus „Batman vs. Superman“ oder die Arkham-Spiele Pate. In gezeichneter Form gibt es wenige Künstler die Hitch Paroli bieten können. Die Dynamik und Erzählkraft der Panels stehen dem Text in keinster Weise nach.
Man darf gespannt sein, wie es im zweiten Teil weitergeht.

Die Erwartungen sind groß, die Erwartungen sind erfüllt. Ellis und Hitch machen zwar keine Experimente mit Batman und lassen ihn auf zutiefst klassischen Pfaden laufen, verkneifen es sich aber auch nicht diese Legende süffisant durch den Briten Alfred zu kommentieren. Gewalttätig, düster, köstlich.

Details

  • Originaltitel:
    The Batman's Grave
  • Serie:
  • Band:
    1
  • Verlag:
  • Genre:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    10/2020
  • Umfang:
    164 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • EAN:
    419316601900201
  • ISBN 13:
    9783741620157
  • Preis:
    19 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gewalt:
  • Gefühl:
  • Illustration:

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