Doctor Who

Der neunte Schlüssel

von Mark Gatiss
Rezension von Stefan Cernohuby | 06. August 2018

Der neunte Schlüssel

Irgendwo gibt es immer eine verschlossene Tür, die man auf keinen Fall öffnen sollte. Das beschränkt sich aber nicht nur auf Märchen, Jugendromane, Fantasy oder Thriller. Denn auch in der Science-Fiction, auf unterschiedlichen Planeten und bei unterschiedlichen Völkern gibt es das gleiche Konzept. Man benötigt nur den richtigen Schlüssel, um die Tür zu öffnen, die nie geöffnet werden sollte. Damit bekommt es auch der dritte Doctor der Reihe „Doctor Who“ im Roman „Der neunte Schlüssel“ zu tun.

Jo Grant will sich gerade bei UNIT entspannen, was aber nicht so richtig gut funktioniert. Denn die Leute werden nervös. Der Doctor ist mitsamt seiner TARDIS verschwunden und vermutlich irgendwo im All unterwegs. Dabei gibt es ein Problem, um das er sich kümmern sollte. In einem kleinen Dorf namens Culverton wurde kürzlich der örtliche Flughafen, der seit dem letzten Weltkrieg immer sporadischer verwendet wurde, geschlossen. Sofort gibt es neue Besitzer, die offenbar sehr gute Connections in Politik und Wirtschaft haben. Legion International heißt die straff militärisch aufgezogene Organisation, welche sich mit schwarzen Uniformen und riesigen LKW-Trossen häuslich niederlässt. Dann beginnen Leute zu verschwinden, und das auch noch kurz vor dem Sommerfest! Zum Glück kehrt der Doctor rechtzeitig, wenngleich etwas angeschlagen, zurück, um mit Jo die Sache näher in Augenschein zu nehmen. Leider ist die Situation verworren, denn auch der Kontaktmann von Brigadier Lethbridge-Steward ist verschollen und der Verdacht erhärtet sich, dass hier Außerirdische die Hand mit im Spiel haben. Denn jemand ist auf der Suche nach einem neunten Schlüssel, um ein lange verschlossenes Tor endlich zu öffnen...

Spannend an diesem Roman ist vor allem der Autor, bei dem es sich um niemand geringeren als Mark Gatiss handelt, einen der engsten Vertrauten von Stephen Moffat und langjähriger Mitgestalter von „Sherlock“ und auch der neuen „Doctor Who“-Abenteuer seit 2005. Der Roman stammt allerdings noch aus der Zeit davor, als noch nicht abzusehen war, dass der altgediente Doctor wieder den Bildschrim erreicht. Gatiss zeichnet den dritten Doctor als sehr abenteuerlustig, sehr kämpferisch und risikofreudig. Auch seine Vorliebe für das Fliegen – in diesem Fall mit einer alten Spitfire – wird wieder thematisiert. Obwohl der Stimmungsaufbau zu Beginn gelingt, ist die außerirdische Bedrohung dann doch sehr konventionell. Hier hat man definitiv schon vielfältigere und seltsamere Gegner erlebt, denn jede Erscheinungsform im vorliegenden Roman ist schon einmal dagewesen und wird einigen Kennern einschlägiger Science-Fiction-Filme möglicherweise sogar übel aufstoßen. Insgesamt ist „Der neunte Schlüssel“ ein grundsolider aber nicht übertrieben spannender Roman. Er profitiert davon, im Vergleich zum rezensierten Vorgänger „Die dunklen Gezeiten“ einfach schlichtweg runder und besser konzipiert zu sein. Dennoch – Meisterwerk hat Gatiss hier auch keines abgeliefert. Und warum der Master in der Übersetzung seinen Schulfreund, den Doctor, siezt, ist auch nicht so ganz klar.

„Der neunte Schlüssel“ ist ein Roman über den dritten Doctor aus der Reihe „Doctor Who“ und stammt von Mark Gatiss, der sich mittlerweile sowohl als Drehbuchautor, als auch in mehreren Rollen an der Fernsehreihe beteiligt hat. Sein Roman aus dem Jahr 2000 ist solider Durchschnitt, auch wenn er einige Klischees bedient. Fans des dritten Doctors, von Jo Grant und dem Brigadier dürfen aber trotzdem gerne zugreifen. Sie bekommen das, was sie erwarten – wenn auch nicht mehr als das.

Details

Bewertung

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