Erhebung

von Stephen King
Rezension von Stefan Cernohuby | 31. Oktober 2019

Erhebung

Etwas Erhabenes klingt erhebend. Nach etwas, das zum Himmel aufsteigt. „Erhebung“ klingt allerdings irgendwie nach einer statistischen Datensammlung. In Fall von Stephen Kings Kurzroman „Elevation“ war es allerdings schwierig, eine deutschsprachige Entsprechung zu finden, was, ehrlich gesagt, ohnehin eine Seltenheit ist. Etwas was aber nichts an Handlung und Hintergrund des Werks ändert.

Scott Carey hat ein Problem, das er bereits einige Zeit mit sich herumträgt. Wobei herumtragen irgendwie das falsche Wort ist, denn das Problem wird leichter. Er selbst wird immer leichter. Als er sich seinem Freund Dr. Bob Ellis anvertraut, wirkt er immer noch wie ein Mann mit 110 Kilogramm, doch hat er bereits zwanzig Kilo weniger. Ein Prozess, der sich immer weiter fortsetzt, obwohl er optisch überhaupt nicht abnimmt. Dennoch versucht er seinen Alltag weiter zu bestreiten und stellt fest, dass seine jungen, lesbischen Nachbarinnen von der Gemeinde in Castle Rock nicht nur gemieden, sondern auch diskriminiert und beschimpft werden. Obwohl er selbst alles andere als einen guten Start mit den beiden hatte, versucht er sich für die Restaurantbesitzerinnen einzusetzen, was ebenfalls nicht gut ankommt. Etwas das er ändern will. Und er sieht seinen seltsamen Zustand als Chance dazu. Denn als ein Laufbewerb in der kleinen Stadt stattfindet, profitiert er – und gewinnt zwar nicht das Rennen, aber doch neue Freunde. Am Fortschreiten seines mysteriösen Gewichtsverlusts ändert das aber gar nichts. Und voller Angst erwartet Scott den Tag, an dem er keinerlei Gewicht mehr haben wird …

„Erhebung“ ist nicht der erste Roman, in dem Stephen King den unnatürlichen Gewichtsverlust eines Protagonisten thematisiert. Als Richard Bachmann schrieb er den Roman „Thinner“, der allerdings zumindest mit einem Fluch eine Erklärung für den Zustand lieferte. Etwas das man hier nicht vorfindet. Man erlebt einen Charakter, der das Beste aus seiner Situation macht, sich keinen Illusionen hingibt und trotzdem anderen hilft. Im Gegensatz zu frühen Werken strahlen die aktuelleren Romane des amerikanischen Kultautors eine Wärme und eine lebensbejahende Stimmung aus, die sehr gut zeigt, warum King mittlerweile nicht nur für seine Bücher, sondern auch für seine persönliche Einstellung und seine liberale Grundhaltung sehr geschätzt wird. Das Buch selbst ist leider sehr kurz, man liest es, leidet mit dem Protagonisten und seinen Freunden und hofft bis zum Ende, dass doch noch alles gut wird. Doch so altersmilde ist Stephen King dann doch noch nicht. Trotzdem ist das Werk ein Buch, das nicht in der Sammlung fehlen sollte.

„Erhebung“ ist ein nur etwa 140 Seiten langer Kurzroman von Stephen King, der sich mit dem mysteriösen Gewichtsschwund eines Protagonisten und der Gesellschaft, Respekt und Zusammenleben beschäftigt. Die Hauptbotschaft des Romans kann so aufgefasst werden, dass man selbst entscheiden muss, wie man damit umgeht, wenn das Entschweben in den Himmel abzusehen ist – wenn auch hier auf phantastische Art und Weise. Das Werk ist zwar kein Bestsellermaterial, aber trotzdem ein gutes Buch.

Details

  • Autor/-in:
  • Originaltitel:
    Elevation
  • Verlag:
  • Erschienen:
    11/2018
  • Umfang:
    144 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • ISBN 13:
    9783453272026
  • Preis:
    12,00 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gefühl:

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