Der Outsider

von Stephen King
Rezension von Stefan Cernohuby | 01. November 2018

Der Outsider

Es gibt Kriminalfälle, die laufen so eindeutig und klar ab, dass niemand mehr weitere Fragen stellt – nicht einmal die Geschworenen. Manchmal scheint es tatsächlich so, als hätte der Täter absichtlich so viele Spuren gelegt, um auch ganz sicher gefasst zu werden, nur um anschließend seine Unschuld zu beteuern. Von einem solchen Fall und seinen Implikationen schreibt Stephen King in seinem aktuellen Roman „Der Outsider“. Und dort geht nicht alles mit rechten Dingen zu.

Als die Polizei an einem Matchtag der Jugendbaseballmannschaft von Flint City das Spielfeld betritt und Coach Terry Maitland vor seiner Frau, seinen Kindern und allen Zuschauen in Handschellen abführt, hat Detective Ralph Anderson absolut keinen Zweifel, das richtige zu tun. Zu bestialisch, zu pervers war der Mord an einem elfjährigen Jungen im Stadtpark. Zu groß die Fluchtgefahr des Verdächtigen. Dass dieser dabei auch noch eiskalt bleibt und jegliche Verwicklung in das Verbrechen leugnet, obwohl die Zahl der Beweise erdrückend ist, sieht Ralph nur als weitere Bestätigung. Bis plötzlich ebenso überzeugende Beweise auftauchen, dass Maitland an fraglichem Tag hunderte Kilometer entfernt war, mit vielen Zeugen. Als er jedoch bei der Verhandlung vom Bruder des Mordopfers erschossen wird, wird das Verfahren eingestellt – und Terry Maitland wird von allen für schuldig gehalten. Bis auf Ralph Anderson, der immer mehr glaubt, einen großen Fehler begangen zu haben. Und so beginnt er Nachforschungen zu starten und bezieht auch Familie und Freunde Maitlands mit ein. Und um an Informationen in einem anderen Bundestaat heranzukommen, will er sich an einen alten Bekannten namens Bill Hodges wenden. Leider ist dieser mittlerweile verstorben, doch seine Partnerin Holly Gibney führt das Unternehmen „Finders, Keepers“ weiter. Durch ihre Ermittlungen kommt die Handlung um einen potentiellen „Outsider“ erst richtig in Fahrt.

Stephen King hat gerade zu Beginn des Romans ein äußerst beklemmendes Szenario erschaffen. Ein Mann, der seine Unschuld zweifelsfrei beweisen kann, ist unzähligen Indizien zufolge in einem abscheulichen Mordfall ebenso eindeutig schuldig. So wird er auch behandelt. Von Polizei, Gericht und letztendlich auch von seinen Freunden und seinem Umfeld. Lediglich sein Strafverteidiger setzt sich für ihn ein und letztendlich – als es für ihn selbst schon zu spät ist – auch der ermittelnde Detective. Bis zu diesem Zeitpunkt ist die Handlung spannend, unterhaltsam und zutiefst verstörend. Danach, insbesondere bei der Einbindung von Holly Gibney – bekannt aus der Reihe rund um „Mr. Mercedes“, kippt die Stimmung jedoch und wird zu einem düsteren Horror- und Phantastik-Roman. Was zwar bei Stephen King absolut nicht unterwartet oder unüblich ist, dem Buch selbst jedoch nicht unbedingt guttut. So flacht die Handlung gerade im letzten Drittel ab und auch die Auflösung der Ereignisse kann – trotz der zahlreichen Entbehrungen und Verluste, die dieser vorangehen – nicht vollends überzeugen. Das ist schade, da das Werk davon abgesehen sicher das Zeug zu einem der besten Romane des Jahres gehabt hätte. So ist es insgesamt immer noch ein gutes Buch, aber auf das allgemeine Niveau von King gemünzt leider nur ein sehr durchschnittlicher Roman.

„Der Outsider“ beginnt als beklemmender Kriminal-Thriller und wird dann im Laufe des Werks zu einem düsteren Phantastikroman mit einigen Horror-Elementen. Leider geht diese Transformation nicht vor sich, ohne dabei an Niveau einzubüßen. Am Ende hat man dann einen guten Roman gelesen, aber leider nur einen durchschnittlichen Stephen King. Natürlich kann man sich dabei trotzdem sehr gut unterhalten und Fans werden ohnehin zugreifen. Aber das Potenzial des Romans wurde definitiv nicht ganz ausgeschöpft.

Details

  • Autor/-in:
  • Originaltitel:
    The Outsider
  • Verlag:
  • Erschienen:
    08/2018
  • Umfang:
    745 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • ISBN 13:
    9783453271845
  • Preis:
    26,00 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gewalt:
  • Gefühl: