Herz-Reihe

Herzfluch

von Andreas Gruber
Rezension von Stefan Cernohuby | 03. Januar 2026

Herzfluch

Wie viel Zeit zwischen zwei fiktionalen Werken vergeht, obliegt natürlich jener Person, die diese Werke erschafft. Die österreichische Thriller-Spezialist Andreas Gruber hat nach seinem Roman „Herzgrab“ viel Zeit vergehen lassen, bevor er die Reihe mit „Herzfluch“ fortgesetzt hat. In etwa so viel Zeit, wie in der Realität. Kann man beim Lesen nahtlos dort anknüpfen, wo der erste Band zu Ende gegangen ist?

Das Ehepaar Gerink hat wenig Zeit miteinander. Peter ist gerade mit seinem Kollegen Dino in Griechenland unterwegs, wo die beiden für das österreichische Bundeskriminalamt einen verschwundenen Jungen suchen – leider erfolglos. Als Elena nichts anderes übrigbleibt, als den gemeinsamen Hund Wallace einschläfern zu lassen, will Peter zu ihr. Doch seine Chefin hat ganz andere Pläne. Eine weitere junge Frau ist verschwunden, die zudem aus einflussreichen Kreisen stammt. Also müssen Dino und er sofort wieder nach Griechenland, wo sie mit turbulenten Nachforschungen beginnen und dabei mehrmals mit der Staatsanwaltschaft zusammenstoßen. Denn offenbar ist die Frau im Zuge einer Party verschwunden, wo mehrere Menschen ums Leben gekommen sind.
Währenddessen versucht Elena sich mit Arbeit von ihrer Trauer abzulenken. Da kommt es ihr ganz recht, dass sie von einem ehemaligen Bundesheer-Kommandanten angeworben wird. Sie soll nach vielen Jahren den Tod seiner Enkelin aufklären. Es gibt nur einen Verdächtigen, der seit damals verschwunden ist. Dessen Spur führt ebenfalls nach Griechenland. Und wie man beim Lesen schon ein wenig antizipieren kann, haben die beiden Fälle tatsächlich etwas miteinander zu tun…

Andreas Gruber hat mit „Herzfluch“ ein sehr ambitioniertes Projekt umgesetzt. Das ist sicherlich einer der Gründe, warum das Werk insgesamt über 600 Seiten lang geworden ist. Nicht nur, dass zwei komplett unterschiedliche Kriminalfälle behandelt werden, die mehr oder weniger zufällig an einer einzelnen Stelle einen Berührungspunkt haben, der Autor thematisiert in seinem Werk sehr viele andere Themen. Missbrauch innerhalb der Familie, eine sehr seltsame Kunstszene und Hinterlassenschaften von Nazis in anderen europäischen Ländern. Aber das ist längst nicht alles. Es geht um Rache, um Unfälle, um Katzen und Hunde, um Inzest, um Entführung, Grausamkeit und Folter. Diese Liste ließe sich noch fortsetzen, denn natürlich baut Andreas Gruber auch popkulturelle Anspielungen in seine Romane ein. Trotzdem werden die Themen insgesamt ein wenig zu viel. Zumal es bei der im Rahmen der Geschichte eine sehr gruslige Galerie zu sehen gibt, bei der man beim Lesen das Gefühl hat, dass der Autor etwas übers Ziel hinausgeschossen sein könnte. Fakt ist, man erhält hier einen Thriller mit mehreren Ebenen. Es könnte allerdings sein, dass dies zu viele sind und manche davon auch mit ziemlichem Schock- und Ekelfaktor. Das führt dazu, dass das Werk nicht so rund erscheint, wie die meisten Romane der Rache- oder Todes-Reihe.

„Herzfluch“ ist ein neuer Roman von Thriller-Bestsellerautor Andreas Gruber, mit dem er sein Werk „Herzgrab“ fortsetzt. Trotz Dauerspannung wird man in dem Werk mit zwei sehr unterschiedlichen Fällen und einer Unzahl an Nebenthemen und -schauplätzen konfrontiert. Leider ist es in diesem Fall etwas zu viel des Guten, was den Roman insgesamt leider nur durchschnittlich erscheinen lässt.

Details

Bewertung

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