Cthulhu

Kreuzzüge - Ritter im Heiligen Land

von Heiko Gill
Rezension von Stefan Cernohuby | 04. Januar 2012

Kreuzzüge - Ritter im Heiligen Land

Schon immer hat der Mensch Probleme damit, seine Vergangenheit unvoreingenommen und in den richtigen Kontext gerückt zu betrachten. Manche der größten gescheiterten Vorhaben und etliche damit zusammenhängende Kriege werden heute durch die wohlwollende rosarote Brille Hollywoods an zahlendes Publikum zurückgeliefert. Doch gerade die heute als Kreuzzüge bezeichneten Pilgerfahrten im Mittelalter waren nicht nur abenteuerliche sondern auch schreckliche Raubzüge. Kein Wunder also, dass es auch in der Welt von "Cthulhu" eine Menge Material dafür gibt, das nun im gleichnamigen Band erschienen ist.

Wie kann man eine Zeit am Besten einschätzen? Indem man zuerst klarstellt, wie es zu selbiger gekommen ist. Aus diesen Gründen wird nach dem obligatorischen Vorwort zuerst in Kürze die Entwicklung Jerusalems als Pilgerziel und die Hintergründe der damaligen Machtblöcke im weiteren Umfeld erläutert. Während einige wichtige Fraktionen und Organisationen näher vorgestellt werden, sind auch gleich die ersten cthuloiden Anspielungen eingeflochten.
Mit dem ersten Kreuzzug beginn nun der Hauptteil des Ergänzungsbandes. Vom Konzil von Clermont über den Volkskreuzzug, der von Peter von Amiens gestartet wurde, bis hin zu den "offiziellen" Gruppierungen sowie wichtigen Persönlichkeiten findet man hier alles. So auch die wichtigsten Stationen und Schlachten. Belagerungen, Gegenbelagerungen und die erreichten Ziele des ersten Kreuzzuges stellen mehr oder weniger das Ende des Kapitels dar.
Daran schließt eine Zeit an, in der gefestigte Reiche in den "befreiten" oder eroberten Gebieten entstehen und sogar expandieren. Etwa 50 Jahre lang werden die Dinge im Heiligen Land sich selbst überlassen, bis 1146 der zweite Kreuzzug startet. Der ehemalige Zisterzienserabt Eugen III. ruft erneut auf, das Kreuz zu nehmen. Vor allem schafft er es aber durch die wirksame Werbung eines Verbündeten, die Franzosen und Deutschen dafür zu gewinnen. Es kommt die Zeit von Balduin III., der als König sogar von den Muselmannen respektiert wird, allerdings früh stirbt. Danach folgen mehrere Herrscher, die sich nicht der gleichen Beliebtheit rühmen können - und zudem beginnt der Aufstieg von Saladin, der schlussendlich gleichbedeutend mit dem Verlust Jerusalems für die Christenheit ist.
Eine Nachricht, die innerhalb kürzester Zeit zwei Päpste ins Grab bringt, wobei die größte Tat des zweiten der Aufruf zum dritten Kreuzzug ist. Dieser war nicht nur der Tod von Friedrich Barbarossa sondern beherbergte auch den großen Feldzug von Richard Löwenherz. Doch der militärische Erfolg hielt sich stark in Grenzen.
Der vierte Kreuzzug ist wohl hauptsächlich für den Kinderkreuzzug bekannt, der für seine Teilnehmer überwiegend in Tod oder Versklavung endet - ohne je das heilige Land zu erreichen.
Auch der fünfte Kreuzzug ähnelt lange Zeit eine Katz- und Mausspiel zwischen verschiedenen Parteien. Einerseits der Armeen im heiligen Land, andererseits zwischen dem Papst und Friedrich II., der seine Teilnahme am Kreuzzug immer wieder verschiebt, was unter anderem den zwischenzeitlichen Bann des deutschen Kaisers bewirkt. Militärisch auch dieser zu einem erneuten Desaster.
Der sechste Kreuzzug ist der Anfang vom Ende, während der siebte tatsächlich das Ende markiert.
Doch auch nach den Kreuzzügen selbst gibt es einige Details, die beleuchtet werden. Die Systeme, nach denen die Kreuzfahrerstaaten funktionierten, die Struktur der Muselmanischen Reiche und eine Kurzübersicht der wichtigsten Städte liefern viel Rahmeninformation. Neue Charakterklassen und Information zu Alltag und Kampf runden den Band vom rollenspieltechnischen Standpunkt ab.
Danach folgen einige Abenteuer. In "Gorgonenhaupt" werden die Charaktere in einen Strudel aus Intrigen um Geistliche, Politik und fremdartige Kreaturen hineingezogen. "Das Heer der Verfluchten". Es spielt zur Zeit des ersten Kreuzzugs und wird in drei Teilen von Antiocha bis nach Jerusalem geführt.

Wer Mittelalter sagt, der muss auch Kreuzzüge sagen. Und gerade eine mittelalterliche Welt voller Umwälzungen, dem Wiedererlangen alter Geheimnisse und Artefakte - egal ob echt oder gefälscht - passt perfekt auf das "Cthulhu"-Setting. Zudem ist der Ergänzungsband für das Rollenspiel eine ideale Gelegenheit das eigene Wissen um die Kreuzzüge aufzufrischen. Ja, da waren bestimmt drei, aber wie viele waren es wirklich? Schon allein die Zahl sieben wäre dem Verfasser dieser Kritik nicht in den Sinn gekommen. Zusätzlich zu den realen historischen Hintergründen sind direkt in eigenen Absätzen cthuloide Nebeninformationen und eigene Boxen mit Werten und Charakterinformationen integriert. Den einzigen Vorwurf, den man an dieser Stelle erheben könnte, ist, dass man nicht bei allen Textstellen sofort erkennt, ob es sich tatsächlich um Rollenspielinhalte oder tatsächliche Fakten handelt - zum Beispiel bei einer Stelle, die sich um Thomas von Aquin dreht. Doch man kann auch einfach davon ausgehen, dass ein guter Rollenspieler nicht einfach mit Halbwissen um sich wirft, ohne die Quellen vorher überprüft zu haben. Auch einige Karten mehr wären zwar wünschenswert gewesen, aber für die einzelnen relevanten Orte der Abenteuer - die übrigens auch hervorragend gelungen sind - hat man sehr gute Handouts zur Verfügung. Das alles zusammen macht den Band zwar nicht perfekt, aber dennoch zu einer mehr als brauchbaren Spielhilfe. Genauer gesagt, für alle Spielleiter von "Cthulhu Mittelalter" ist er ein Werk, das man unbedingt sein Eigen nennen sollte.

Der neueste Ergänzungsband für das Rollenspiel "Cthulhu" in seiner mittelalterlichen Ausprägung ist zwar nicht ganz perfekt, aber das muss er auch nicht sein. "Kreuzzüge - Ritter im Heiligen Land" ist eine Erweiterung, die jeder Spielleiter, der seine Charaktere durch das finstere Mittelalter geleitet, sich unbedingt besorgen sollte. Denn sonst entgehen ihm zahlreiche interessante Optionen, die der er sich besser nicht entgehen lassen sollte. Der Preis von knapp 35 Euro geht dafür völlig in Ordnung.

Details

  • Autor/-in:
  • Serie:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    11/2011
  • Umfang:
    283 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • ASIN:
    3941976354
  • ISBN 13:
    9783941976351
  • Preis:
    34,95 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
    Keine Bewertung
  • Anspruch:
  • Humor:
    Keine Bewertung
  • Spieltiefe:

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