Cthulhu

Deutschland - Blutige Kriege & goldene Jahre

von Jan Christoph Steines
Rezension von Stefan Cernohuby | 30. Dezember 2011

Deutschland - Blutige Kriege & goldene Jahre

Es gab und gibt Leute, denen geht Deutschland über alles. Andere leben tagein, tagaus in diesem Land und machen sich keine weiteren Gedanken darüber. Und dann gibt es noch andere, welche die Abgründe zwischen diesen beiden unterschiedlichen Möglichkeiten beleuchten. Von diesen handelt der "Cthulhu"-Quellenband "Deutschland - Blutige Kriege & Goldene Jahre", das nun in der zweiten Edition erschienen ist.

Nach einem Vorwort, das auch Teile der ersten Edition beinhaltet, wird dem Leser ein kurzer Geschichtlicher Überblick der Phase von direkt nach dem ersten Weltkrieg bis zu den politischen Umstürzen vor dem zweiten Weltkrieg geboten. Und mit Politik geht es auch weiter. Denn nach dem verlorenen ersten Weltkrieg und der nur teilweisen Entwaffnung der ehemaligen Soldaten gab es eine ganze Reihe an Organisationen, die diese Bewaffneten für ihre Zwecke nutzt. Eine davon ist bereits die NSDAP. Erst mehr als 10 Jahre nach dem Kriegsende kehrt etwas Ruhe ein. In diesem Zusammenhang werden auch die Parteien zur Zeit der Weimarer Republik näher betrachtet. Doch nicht nur die "offiziellen" Organe werden behandelt, auch militante Gruppierungen, die man zu großen Teilen - aber nicht nur - dem rechten Lager zuordnen kann, erhalten ihre verdiente Aufmerksamkeit.
Das normale Leben ist ein Begriff, der im Nachkriegsdeutschland ziemlich schwierig zu definieren ist. Die aktuelle Situation ist wie ein Schritt, mehrere Jahrhunderte zurück in der Zeit. Hygiene und Ernährung haben nichts mehr mit einem modernen Land zu tun, für das man sich hält. Vielleicht ist das der Grund, warum Kunst und Mode versuchen, diese Versäumnisse zu korrigieren. Doch auch Universitäten und Hochschulen erleben einen deutlichen Aufschwung.
Die Wirtschaft dagegen kommt nur stotternd in Gang. Hier werden die unterschiedlichen Phasen beschrieben. Vom Schwarzmarkt, der Zeit der großen Inflation, leichter Aufschwung und schließlich der große Zusammenbruch Ende der 1920er sind ebenso relevant wie die Entwicklung unterschiedlicher Verkehrsträger, bei denen Deutschland eine Vorreiterrolle einnimmt. Aber auch die Freizeit nimmt eine immer größere Rolle im Denken der Menschen ein. Wie und vor allem wo man sie verbringt, wird immer mehr Zeichen des gesellschaftlichen Status. Und nicht zuletzt das Kino, die Literatur und die bildende Kunst zeigen, wohin sich die deutsche Kunst entwickelt.
Doch vor allem sind es auch Wissenschaft und Technik, die immer rasantere Fortschritte machen - hier gibt es viele Beispiele von Wissenswertem und Erstaunlichem.
Das Kapitel "Kriminelles und Rechtliches" widmet sich gewissermaßen Verbrechen und ihrer Aufklärung - aber auch allgemeine Gesetze des Landes werden hier erläutert.
Etwa nach der Hälfte des Bandes widmet man sich erstmals dem Okkulten. Dabei wird neben Esoterik und klassischem Geisterglauben auch der "braune Mystizismus" behandelt. Doch auch für Legenden, Sagen und geheimnisvolle Orte ist Platz.
Es folgen noch weitere Zahlen, Daten und Fakten sowie berühmte Persönlichkeiten, bevor es zu den Abenteuern geht. Hier erzählt Thomas Finn in "Tempus fugit!" von verlorener Zeit und einem mächtigen Feind aus anderen Gefilden, sowie Orten jenseits des Raum-Zeit-Gefüges. "Gefrorene Angst" spielt mitten in der Zeit der großen Inflation. Während alles negativ erscheint, entfliehen viele der Realität im Kino. Und manche müssen sich jener anderen Realität stellen. Traumdeutung, Diagnose und visionäre Bilder sind hingegen Teil des Abenteuers "Bilderwahn". Abgerundet wird der Plan von einer Reisekarte Deutschlands aus dem Jahr 1927.

Man sagt oft, dass nur wenige wirklich Ahnung von der Geschichte ihres eigenen Landes haben - zumindest wenn es um spezielle Zeitperioden geht. Im Fall von Deutschland kann der Verfasser dieser Rezension zumindest behaupten, dass es nicht sein eigenes Heimatland ist, um das es sich hier handelt. Aber tatsächlich liefert das Regelwerk zu sehr großen Teilen einen detaillierten geschichtlichen Überblick. Denn auch wenn "Weimarer Republik" ein bekannter Begriff ist, handelt es sich doch "nur" um die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Und gerade diese werden im Geschichtsunterricht meist äußerst erschöpfend behandelt, auf die Zwischenperiode legt man nicht so viel Wert. Gerade der Wandel der Zeit, von der Hoffnungslosigkeit über einen zaghaften Aufschwung bis zum erneuten Niedergang ist hier sehr gut dargestellt, was darüber hinaus den Übergang zu cthuloiden Erlebnissen erleichtert. Doch obwohl diese gut ausgearbeitet sind, nehmen sie im Buch einen verhältnismäßig kleinen Teil ein. Verhältnismäßig im Vergleich zu anderen Regelwerken und Quellenbänden.
Dies soll jedoch keineswegs heißen, dass das Ergebnis der zweiten Auflage in irgendeiner Form nicht gelungen oder schlecht wäre. Der Fokus wurde nur anders gewählt. Und dies muss man akzeptieren, wenn man sich "Deutschland - Blutige Kriege und Goldene Jahre" kauft. Genauso wie den nicht unbeträchtlichen Preis von knapp 40 Euro.

Was vor etlichen Jahren eine Box war, wurde heute als hochqualitatives Hardcover neu aufgelegt und überarbeitet. "Deutschland - Blutige Kriege und Goldene Jahre" zeichnet ein Zwischenkriegsdeutschland für den Cthulhu-Spielleiter. Dieser hat hier die Möglichkeit sich endlich einmal mit den Schatten und Zwischenwelten in seiner unmittelbaren Umgebung auseinanderzusetzen und muss nicht mehr immer nach Übersee oder ins Ausland wechseln. Auch wenn der cthuloide Hintergrund im Vergleich zum historischen ein wenig mager ausfällt, kann man das Werk dennoch jedem Spielleiter des Rollenspiels "Cthulhu" empfehlen. Denn schlussendlich führen doch alle Wege vor den Berliner Reichstag - und sei es mit Feuer.

Details

  • Serie:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    10/2011
  • Umfang:
    384 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • ASIN:
    3941976346
  • ISBN 13:
    9783941976344
  • Preis:
    39,95 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
    Keine Bewertung
  • Anspruch:
  • Humor:
    Keine Bewertung
  • Spieltiefe:

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