Shadowrun

Arsenal 2070

von Rob Boyle
Rezension von Stefan Cernohuby | 11. Mai 2009

Arsenal 2070

Gewalt erzeugt Gegengewalt, das hat schon eine deutschsprachige Punkrockband vor einiger Zeit in Form eines Lieds festgehalten. Doch wenn man sich in eine Welt begibt, in der Gewalt sehr oft die einzig mögliche Lösung ist, muss man sowohl in der Lage sein auszuteilen, als auch der Gefahr auf andere Art und Weise aus dem Weg zu gehen. Für das Rollenspiel Shadowrun ist genau aus diesem Grund das "Arsenal 2070" erschienen, das erstmals für die vierte Edition eine Vervollständigung der Ausrüstung ermöglichen soll. Ein Werk, das wir uns gerne ansehen wollen.

Shadowrunner sind bekanntlich keine strahlenden Helden, die auf die breite Unterstützung der Bevölkerung zählen können, sondern meist etwas gestörte (Klein)Kriminelle, mit großen Ambitionen. Da man aber mit Ambitionen einen Wachmann weder ausschalten noch ausspionieren kann, muss man auf andere Quellen zurückgreifen.
Davon erzählt der erste kurze Abschnitt "Die Schattenwirtschaft". Hier wird über graue und schwarze Märkte, sowie empfohlene Verhaltensweisen gesprochen.
"Waffen" beinhaltet genau das, was der Kapitelname aussagt. Tötungs-, Immobilisierngs- und Vernichtungswerkzeuge in jeder Form. Von Nahkampfwaffen über Pfeil und Bogen, bis hin zu Raketenwerfen und Lasergewehren.
Da man aber auch mit den exotischsten Waffen allein nicht viele Chancen hat, geht es mit "Runnerausrüstung" weiter. Übliche Panzerung, Überlebensausrüstung, Elektronikzubehör, Spionagewerkzeug und die neuartige Manatech erwarten einen in diesem Abschnitt.
Ganz ohne Drogen geht es nicht, aber auch nicht ohne andere chemische Präparate. Daher wird im Kapitel "Chemie" auf alles eingegangen, was mit Drogen, magischen Drogen, Präparaten, Toxinen zu tun hat. Aber auch Sprengstoffe und erweiterte Regeln zum Umgang mit selbigen kommen nicht zu kurz.
Da man aber mit den bisher genannten Materialien nicht so richtig von einem Ort zum anderen kommt (außer im eigenen Verstand - siehe Drogen) werden auch Fahrzeuge und Drohnen näher vorgestellt. Hier kann man nachsehen, wenn es mal nicht um simple Autos, sondern um Schiffe oder Flugzeuge geht.
Sicherlich ist man - als Perfektionist - nicht ganz mit dem zufrieden, was man handelsüblich erkaufen oder ergaunern kann. Daher gibt es die Möglichkeit, Waffen, Fahrzeuge und ähnliches zu modifizieren. Hier gibt es sowohl allgemeine Modifikationsregeln, als auch eine Auflistung selbiger.
Als letzter Abschnitt ist "Schöner Sterben" zu nennen. Hier geht es vor allem darum, ein wenig mehr Realismus und Individualität ins Rollenspiel mit einzubringen. Das umfasst zum Beispiel die Spezialisierung von Kampfstilen, erweiterte Kampfregeln sowie die Wirkung verschiedener Umgebungen auf Personen und Ausrüstung.
Danach gibt es noch übersichtliche Tabellen für alle Themenblöcke mit Seitenverweisen, in denen auch die bereits im Grundregelwerk behandelten Waffen und Ausrüstungsgegenstände erwähnt werden.

Lange hat es gedauert, bis die Lizenz von Shaodowrun wieder übernommen wurde, aber dann ist es zumindest durch einen renommierten Verlag passiert. Pegasus, die schon seit geraumer Zeit mit anderen Rollenspielen erfolgreich sind, haben sich des Cyberpunk-Rollenspiels angenommen. "Arsenal 2070" ist nun die erste Erscheinung im neuen Verlag. Und abgesehen von einer Doppelseite Werbung am Ende des Buches scheint es kaum Änderungen im Vergleich zu früher zu geben. Die Redaktionsteams haben sich in ihrem Kern nicht verändert, das Layout von der amerikanischen Vorlage übernommen. Selbst die zusätzlichen deutschen Texte sind von den "üblichen Verdächtigen" verfasst worden. Der Inhalt ist wie gewohnt gut ausgearbeitet, auch wenn manche Waffen- und Fahrzeugfetischisten das eine oder andere Objekt aus dem "guten alten" 3.01er Shadowrun vermissen könnten. Doch in den meisten Fällen wurden selbige einfach durch neuere und modernere Modelle derselben Firma ersetzt. Man muss eben mit der Zeit gehen.
Die in den unterschiedlichen Kapiteln verteilten Zusatzregeln sind gut ausgearbeitet und an das neue System bestens angepasst. Viele Unausgeglichenheiten, die noch im Vorgängersystem enthalten waren, kann man hier in ähnlicher Form nicht wiederfinden. Als Pluspunkt sind auf jeden Fall auch das Kapitel "Schöner Sterben" und die beinahe schon klassischen "Shadowtalk"-Kommentare verschiedener Runner zu den unterschiedlichen Themen einzustufen - obwohl man irgendwie das Gefühl bekommt, dass letztere aufgrund des umfangreichen Inhalts nur sporadisch eingesetzt werden konnten.
Was die Illustrationen angeht, kann man geteilter Meinung sein. Einige sind sehr gut gelungen, andere erfüllen (gerade einmal) die Mindestanforderungen, die man als Leser stellt. Vor allem bei der Ausrüstung gibt es einige Darstellungen, über die man eher den Kopf schüttelt, als sie zu bewundern.
Nichtsdestotrotz ist das "Arsenal 2070" eine hervorragende Spielunterstützung für jeden Spielleiter und beherbergt genügend Material, um anspruchsvolle Charaktere im Jahr 2070+ vollständig auszurüsten.

Wer sich in der Welt von hadowrun als nicht ausreichend ausgerüstet betrachtet, sollte (mit dem Einverständnis seines Spielleiters) unbedingt im "Arsenal 2070" nachschlagen. Denn hier gibt es so gut wie alles, was das Runnerherz begehrt. Ein sehr gut gelungenes Regelwerk für ein Rollenspiel, das nun bei Pegasus ein neues Zuhause gefunden hat.

Details

  • Autor/-in:
  • Serie:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    10/2008
  • Umfang:
    206 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • ISBN 13:
    9783939794769
  • Preis:
    29,95 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
    Keine Bewertung
  • Anspruch:
    Keine Bewertung
  • Humor:
    Keine Bewertung
  • Spieltiefe:

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