Professionell Fotografieren Lernen


Kreativität, Handwerk und Business
von Dennis Savini
Rezension von Michael Seirer | 28. Oktober 2019

Professionell Fotografieren Lernen

„Professionell Fotografieren" - wer möchte das nicht? Doch was meint das Wort „professionell" eigentlich genau? Sind einfach handwerklich gute Bilder gemeint? Ist eine teure Ausrüstung notwendig, um „professionell" zu arbeiten? Oder ist damit gemeint, dass man seinen Lebensunterhalt damit verdient? Immerhin ist in Social-Media-Zeiten ja jeder mit einem Smartphone schon ein Fotograf und eine Fotografin.

Gleich der Klappentext geht auf das Wort „professionell" ein und was es für den Autor bedeutet: Es geht ihm um bewusstes Fotografieren mit einem kommunikativen Ziel. Er meint damit also nicht besonders gut oder beruflich zu fotografieren. Das Buch möchte sich an alle wenden, die ihre Fotografie dadurch auf die nächste Stufe heben wollen, indem sie sich mit der eignen Bildsprache und wie man diese weiter entwickelt beschäftigt. Doch der Autor führt weiter aus: Alleine kreativ sein, ist wohl zu wenig, um erfolgreich zu sein. Es benötige die drei Säulen visuelle, handwerkliche und kaufmännische Fähigkeiten. Nach diesen drei Bereichen ist das Buch auch strukturiert.
Durch die sehr unterschiedlichen Tätigkeiten zeigt das Buch, dass der Beruf „Fotograf" ausgesprochen vielseitiger ist, als vielleicht angenommen und besonders die Komponenen, die eine Selbständigkeit mit sich bringt, oft eine hohe Hürde darstellen. Das Buch wendet sich eher nicht an den Amateur, der seine fotografischen Kenntnisse erweitern möchte oder an „Fotografen", die glauben, dass ein Instagram-Account ausreicht, um als Influencer berühmt zu werden.



Die drei großen Abschnitte "Fotografisches Sehen lernen", "Das fotografische Handwerk" und "Das BackOffice organisieren" führen in die jeweils grundlegenden Tätigkeiten in diesem Bereich ein. Geht es beim fotografischen Sehen auf knapp 70 Seiten noch um Gestaltungsmittel der Fotografie und Kompositionsregeln, so beschäftigt sich der Handwerks-Teil mit Lichtquellen, Blitzlicht-Lichtformern, den fotografischen Bereichen wie Portrait, Food, Corporate usw. und der Organisation des eigenen Workflows (was passiert nach dem Shooting, wie und wo werden die Bilddateien gespeichert und bearbeitet). Im letzten Abschnitt werden dann noch Themen behandelt, mit denen man sich vielleicht am wenigsten beschäftigen möchte. Immerhin will man visuell tätig sein, mit Menschen kommunizieren und Ideen umsetzen. Wer freut sich da auf Kalkulation von Tagessätzen, Bild- und Personenrechten und die (notwendige) Selbstvermarktung via Webseite und Social Media Kanälen. Wer diese Themen ignoriert, wird jedoch auf Dauer nicht erfolgreich sein - das Buch behandelt diese Themen aber auf nur 30 Seiten.



Mit gerade einmal 200 Seiten Umfang bleibt der Autor notgedrungen bei allen Themen an der Oberfläche. Andererseits geht das Buch bei einigen Themen ins Detail, wo man es vielleicht nicht erwarten würde (beispielsweise Lichtformer und ihre Eigenschaften). Thematisch wurden einfach zu viele verschiedene Bereiche inkludiert. Als Ergebnis bleiben alle Kapitel oberflächlich, helfen dem Anfänger wohl kaum in seiner Orientierung und für den etwas fortgeschrittenen Leser bringen sie keinen Informationsgewinn. Was nutzt der Hinweis, man möge durch freie Arbeiten die eigene Bildsprache finden oder in Serien arbeiten, wenn dann keine weiterführenden Hinweise zu finden sind.  Das ist schade, denn man merkt dem Autor Dennis Salvini an, dass er aus der Praxis kommt und Erfahrung in unterschiedlichsten Bereichen vorweisen kann.
Ein Augenöffner für Beginner: Gelungen ist die leicht verständliche Darstellung der Kalkulation eines Tagessatzes: Diese zeigt schön, wie man schnell auf 1000 € oder mehr pro Tag kommt und damit trotzdem nicht reich wird
Die Formulierung „professionell" ist generell aussagelos und wird im Buch nicht konsistent verwendet. Schon klar, dass ein derartiger Titel potentielle Leser anzieht (siehe Einführung auf Seite ix).

Nach der Lektüre bleibt der Leser vermutlich ratlos zurück: Das Buch hat keinen eindeutigen Fokus und schwankt zwischen einem Buch für die Entwicklung des fotografischen Handwerkes und einem für jene Leser, die planen, mit der Fotografie ihr Einkommen zu bestreiten. Für beide kann es die Erwartungen wohl nicht erfüllen und der geneigte Leser ist mit zwei Büchern auf jeden Fall besser bedient. Immerhin gibt es jede Menge guter Fachbücher für beide Bereiche - selbst im gleichen Verlag ist hier die Konkurrenz groß.

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