Der walisische Autor Alastair Reynolds wurde mit seinem „Relevation Space“-Zyklus weltbekannt, konnte jedoch auch mit vielen seiner weiteren Werke überzeugen. Bei Heyne ist nun „Das Schiff der flüsternden Träume“ erschienen, das zumindest dem Cover nach ebenfalls ein Weltraum-Roman ist. Und irgendwie stimmt das auch. Doch in diesem Fall ist die Situation etwas komplizierter.
Als Ende des 19. Jahrhunderts das Forschungsschiff Demeter aufbricht, um den Gerüchten nach einem gewaltigen Bauwerk im Ewige Eis nachzugehen, ist das eine gefährliche Expedition, auch für zahlreiche Mitglieder der Besatzung. Deshalb ist auch der Doktor Silas Coade an Bord, der auch dem Sicherheitschef der Expedition mit einer riskanten Operation am Schädel das Leben retten kann. Doch als sie die Fission inmitten eines Eiskanals finden, hinter der das Bauwerk mutmaßlich liegt, geht alles schief. Ein Segelschiff ist nicht dafür gemacht, diesen Kanal zu durchqueren. Aber zum Glück haben sie ja ein Dampfschiff. Oder ist ein Luftschiff? Warum stoßen sie auf das Wrack eines anderen Schiffs namens Europa? Und was bedeuten die Erinnerungen an verschiedene Leben und Tode, die sowohl Doktor Coade als auch Sicherheitschef Ramos haben. Und wer ist die Reporterin (oder Gräfin?) Ada Cossile wirklich, die immer wieder auf Coade herumhackt und ihn einfach „Cody“ nennt? Die Sache ist wirklich um einiges komplizierter. Und das ist dann der Punkt, wo tatsächlich Raumschiffe ins Spiel kommen …
„Das Schiff der flüsternden Träume“ ist ein Roman auf mehreren Ebenen, der nicht vordergründig als Science Fiction beworben wird. Das ist auch nachvollziehbar, denn mehr als die Hälfte des Werks hat mit einer fernen Zukunft und Raumschiffen gar nichts zu tun. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – kann Alastair Reynolds seine großen Stärken als Erzähler ausspielen. Eine davon ist definitiv, die Lesenden mit dem Unerwarteten zu konfrontieren und sie zu überraschen. Zwar wird im Laufe des Buchs immer klarer, wo die Handlung hinsteuert, aber der Weg selbst ist eine Herausforderung und auch das Ende des Romans ist nicht wirklich vorhersehbar. All das zusammen ergibt einen wirklich spannenden Abenteuerroman, der auf mehreren Ebenen angesiedelt ist und sicherlich beim ersten Mal Lesen den meisten Spaß macht, wenn man die Auflösung der verschiedenen Handlungsstränge noch nicht kennt. Das Werk untermauert den Status des Autors als einer der kreativsten und produktivsten Autoren im Bereich der Science Fiction des 21. Jahrhunderts, auch wenn der Titel nichts mit dem englischen Original („Eversion“) zu tun hat.
„Das Schiff der flüsternden Träume“ ist ein neu in deutscher Sprache erschienener Roman von Alastair Reynolds, der sich dem Genre Science Fiction über hunderte Seiten erst annähert, bevor er komplett durchstartet. Es ist ein Werk mit mehreren Ebenen, das in der Lage ist, seine Leser*innen zu überraschen und bestens zu unterhalten. Das einzige Manko ist: Hat man es einmal gelesen, kann man von den Wendungen nicht mehr genauso verblüfft werden, wie beim ersten Mal.
Details
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Originaltitel:Eversion
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Übersetzer*in:Thomas Salter
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Erschienen:08/2025
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Umfang:368 Seiten
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Typ:Taschenbuch
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ISBN 13:9783453323803
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Preis (D):17,00 €
