Rache

von Alastair Reynolds
Rezension von Stefan Cernohuby | 06. März 2018

Rache

Es gibt einschneidende Erlebnisse im Leben, nach denen man einfach nicht mehr man selbst ist. Situationen, die einen dazu bringen, den bisherigen Lebenswandel über Bord zu werfen und nach einer neuen Maxime vorzugehen. Auch die Protagonistin des Romans „Rache“ von Alastair Reynolds hat nicht gerade die amüsantesten Bekanntschaften gemacht. Und wir wollten mit dabei sein, wenn der „Unendlichkeit“-Autor ein neues Kapitel seines Schaffens aufschlägt.

Wie ist es, wenn man sich in einer gut situierten Familie befindet, die vom eigenen Vater zugrunde gerichtet wird? Schwierig, vor allem für junge, rebellierende Töchter. Adrana überredet ihre noch minderjährige Schwester Fura, sich für ein halbes Jahr einem Raumschiffkapitän anzuschließen. Denn so glaubt sie, die Schulden ihrer Familie schnell abbezahlen zu können. Und tatsächlich finden sie einen Captain namens Rackamore und seine Crew, die bereit sind sie anzuheuern. Denn beide Mädchen zeigen ein Talent für die „Knochen“. Das sind alte Schädel, in die man sich mit Neurobrücken einstöpseln und so Kommunikation im All abhören kann. Das klingt zwar komisch, ist aber so. Der Kapitän und seine Crew sind so etwas wie Schatzsucher. Sie reisen von Blase zu Blase im Weltall, die verschiedene Welten enthalten und sich nur gelegentlich öffnen – und in dieser Zeit kann man die Schätze bergen. Doch dann geht alles schief. Mitten während eines großen Fischzuges wird die Monettas Weh von einem Piratenschiff überfallen. Beinahe die gesamte Besatzung wird von der grausamen Bosa getötet, Adrana wird entführt und Fura bleibt im Verborgenen zurück – gemeinsam nur mit der verhassten Prozor. Was bleiben Fura nun für Optionen?

In der Regel sind die Romane von Alastair Reynolds eher reguläre Science-Fiction. Das bedeutet, dass man zwar in die ferne Zukunft vordringt, jedoch Technik vorgesetzt bekommt, mit der man gewissermaßen „arbeiten“ kann. Man erhält eine mehr oder weniger realistische Beschreibung und kann sich den Rest denken. In „Rache“ (im englischen Original „Revenger“) ist das nicht wirklich der Fall. Weder wird wirklich auf die Blasen eingegangen, in welcher sich die unterschiedlichen Welten befinden, noch wartet der Autor mit auch nur irgendeiner Erklärung für die „Schädel“ auf, die auch nur im entferntesten Sinn macht. Hier muss man einfach die Tatsache akzeptieren, dass gewisse Dinge so sind wie sie sind, und das war‘s. Das nimmt dem Roman ein wenig von seiner Souveränität, an Spannung büßt er aber deshalb nicht ein. Denn es gibt nur wenige Situationen, in denen man Luft zum Durchatmen erhält. Schade ist jedoch, dass auf viele der angedeuteten Hintergründe nicht weiter eingegangen wird – zumindest nicht im Rahmen dieses Romans. Doch für 2019 wurde eine Fortsetzung angekündigt, die vielleicht erklärt, welche Aliens für die seltsamen technologischen Gegebenheiten verantwortlich sind und welche Rolle gewisse Roboter einst gespielt haben. Insofern lohnt es sich vielleicht doch am Ball zu bleiben, auch wenn „Rache“ insgesamt nur durchschnittlich ist.

„Rache“ ist ein Roman von Alastair Reynolds, in dem sich der amerikanische Autor etwas von seiner normalerweise erklärbaren Technologie entfernt. Einige seltsame Wendungen und mysteriöse Hintergründe stehen einer spannenden und actionreichen Handlung gegenüber. Das macht das Werk insgesamt zwar nicht herausragend, aber dennoch solide. Und vielleicht schafft es ja der angekündigte Folgeroman, jene Schwachstellen auszubügeln, die an „Rache“ noch etwas störend waren.

Details

  • Autor/-in:
  • Originaltitel:
    Revenger
  • Verlag:
  • Erschienen:
    01/2018
  • Umfang:
    560 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ISBN 13:
    9783453318953
  • Preis:
    10,99 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gewalt:
  • Gefühl:

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