Das Haus der Sonnen

von Alastair Reynolds
Rezension von Stefan Cernohuby | 10. Januar 2010

Das Haus der Sonnen

Die ferne Zukunft ist für uns immer noch ein Gegenstand unterschiedlichster und gegensätzlichster Spekulationen. Während die einen vermuten, dass die Menschheit über kurz oder lang an sich selbst zugrunde gehen wird, glauben andere an eine Expansion im All. Alistair Reynolds hat schon in früheren Romanen bewiesen, dass es keinen Grund gibt, diese beiden Mutmaßungen nicht miteinander zu verbinden. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sein neuestes Werk "Haus der Sonnen" diese Themen ebenfalls streift.

Vor Millionen von Jahren beschlossen einige große Häuser der Menschen, auf gewisse Art und Weise Unsterblichkeit zu erlangen. Jeweils tausend Klone werden quer durchs All geschickt, um neue Teile der Galaxis zu erforschen, um sich anschließend zu einer "Reunion" zusammenzufinden und alle ihre Erfahrungen miteinander zu teilen. Immer und immer wieder reisten so auch die Angehörigen des Hauses Gentian durchs All, zu dem auch die beiden Splitterlinge - so nennen sich die Klone der Ursprungsperson - Campion und Portula gehören. Als sie zu einem der Treffen allerdings mit erheblicher Verspätung kommen, müssen sie feststellen, dass etwas Schreckliches passiert ist. Jemand hat den kompletten Planeten zerstört und offensichtlich versucht, alle Splitterlinge der Familie zu töten. Doch knapp über 50 von 1000 haben überlebt und versuchen nun herauszufinden, wer ihnen Böses wollte. Mit Hilfe des geheimnisvollen Maschinenwesens Hesperus finden das Liebespaar Campion und Portula heraus, dass Verschwörung und Verrat offenbar auf einer Information aus dem letzten Treffen basieren. Wurde ein gewaltiges Verbrechen der Menschheit einfach vertuscht? Diese Möglichkeit bringt Implikationen mit sich, die nicht nur das Haus Gentian vernichten, sondern das bekannte Leben in der kompletten Galaxis bedrohen könnte.

Lange hatte sich Alastair Reynolds in sein "Relevation Space"-Universum verstrickt. Dies wäre an sich nicht problematisch gewesen, hätte er nicht noch Romane in selbem angesiedelt, nachdem er es eigentlich schon untergehen hatte lassen. Seine davon unabhängiger, hierzulande erschienener Roman "Himmelssturz" konnte ebenfalls nicht alle Konsumenten überzeugen. So ist man als Leser und Fan mehr als nur gespannt darauf, was der neue Roman zu bieten hat. Erfreulicherweise fällt das Ergebnis positiv aus. "Haus der Sonnen" bietet zwar einige Ingredienzien, die man von Reynolds bereits kennt, aber auch interessante neue Ideen. Besonders die Schöpfung der Splitterlinge bietet interessante Möglichkeiten, die in diesem Band allein noch bei weitem nicht ausgeschöpft werden. Die Geschichte selbst ist spannend erzählt, beantwortet zahlreiche Fragen, lässt aber noch einige weitere unbeantwortet. Auch das einigermaßen offene Ende stimmt den Leser nachdenklich. Hat Reynolds hier eine weitere Reihe geplant oder wollte er einfach nur einen etwas anderen Abschluss für sein Werk?
Eine Frage, die sich aktuell noch nicht beantworten lässt. Trotzdem bleibt der Gesamteindruck hervorragend. Nach nicht ganz so herausragenden Romanen weiß Alistair Reynolds mit "Haus der Sonnen" wieder zu punkten. Jeder Liebhaber von Science-Fiction und Space-Operas kann hier bedenkenlos zugreifen. Denn der Autor schafft es, Zukunft und Technik so beschreiben, dass sie beinahe real wirken.

Mit "Haus der Sonnen" hat Alistair Reynolds endlich wieder einen Roman verfasst, der hinter seinen Besten nicht zurückbleibt. Zudem hat er sich endlich von seinem "Relevation Space"-Universum gelöst und ist nun unterwegs zu neuen Ufern. Nicht nur Fans seiner früheren Werke, sondern auch Science-Ficion-Kennern kann der Kauf dieses Werks nur empfohlen werden.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    07/2009
  • Umfang:
    702 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ASIN:
    3453525698
  • ISBN 13:
    9783453525696
  • Preis:
    9,95 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gewalt:
  • Gefühl:
  • Erotik:

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