Deadly Ever After


Blut und Schnee
von Tom Orgel, Stephan Orgel
Rezension von Stefan Cernohuby | 14. März 2026

Deadly Ever After

Es gibt schon mehrere Romane, die sich mit der Thematik auseinandergesetzt hat, was eigentlich nach dem Ende von Märchen passiert. Bleiben die „Guten“ immer ihren Vorsätzen treu und was machen eigentlich die „Bösen“ am Ende der Geschichten? T. S. Orgel haben sich gleich mehreren dieser Fragen angenommen und thematisieren sie in ihrem Roman „Deadly Ever After – Blut und Schnee“.

Ein Königreich nach dem anderen fällt unter den Angriffen des Kaiserreichs. Doch es geht nicht vorrangig um die Herrschaft. Die weiße Kaiserin will jegliche Magie aus der Welt verbannen, beziehungsweise, selbige idealerweise für sich selbst haben. Auf Spindeln wird Magie wie ein Faden aus Menschen und Tieren gezogen. Dass ihnen dabei auch das Leben entsrissen wird, ist ein anderes Thema, das die Herrscherin aber nicht unbedingt kümmert. Tristan sieht das alles etwas anders. Aufgezogen von seim Onkel, dem Grafen Streich (ja, da war mal etwas mit Sieben auf einmal), entkommt der den Häschern (den Rotkappen) der Kaiserin gerade noch. Dank der alten Kneiss (einer Hexe, die sich für sie opfert), schafft er es gemeinsam mit einer alten Hündin und der Metzgerin Linde aus der Stadt hinaus. Sie haben den Auftrag, die Schwester der Hexe zu finden, die alte Hulda. Als sie während ihrer Flucht weiteren Wesen auf der Flucht begegnen, schließen diese sich ihnen an. Sie beginnen die Hoffnung zu hegen, dass die wild zusammengewürfelte Truppe, die alles andere als Helden sind, vielleicht die beste Chance darstellen, die Herrschaft der grausamen Kaiserin zu beenden. Doch selbst wenn man sich auf Tricks versteht und gerade wenn man sich mit Magie einlässt, muss einem klar sein – diese hat immer ihren Preis. Und manchmal kann dieser sehr hoch sein.

Tom und Stephan Orgel, das (Ge-)Brüderpaar hinter dem Pseudonym integrieren in ihrem Roman zahlreiche Charaktere, die man aus den Schriften des wohl berühmtesten deutschen Schriftsteller-Brüderpaares kennt. Aber auch wenn der Großteil der Welt Grimm’schen Märchen zu entsprungen scheint, stehen doch andere Punkte im Vordergrund. Motive von Chrakteren werden in Frage gestellt, die Entwicklung verschiedener Märchengestalten, denen man mehr als nur ein Abenteuer zuschreiben kann, näher beleuchtet. Warum sollte Hans aus „Hänsel und Gretel“ nicht auch „Hans im Glück“ gewesen sein? In wie vielen Märchen kommt ein Jäger vor – das war doch sicher auch immer der gleiche, oder? So gehen die verschiedenen Hauptcharaktere ihre eigenen Wege, die keineswegs geradlinig sind. Immer wieder stellt man sich die Frage, ob man ihren Verbündeten trauen kann oder ob ihre Feinde nicht die ehrlicheren Zeitgenossen sind. Mehr als einmal wird man im Buch überrascht, man findet Anspielungen auf Märchen, und wenn man sie erkennen möchte, auch aus Realität und Popkultur. Man wird beim Lesen gut unterhalten, genießt eine spannende Geschichte mit mehreren Wendungen – und am Ende bleibt noch genug unerzählt, dass ausreichend Stoff für weitere Romane da wäre. Aber ist das bei Märchen nicht immer so?

„Deadly Ever After – Blut und Schnee” ist der aktuellste Roman von T. S. Orgel, bei dem es sich diesmal um eine Märchenadaption handelt. Genauer gesagt um ein Werk, in dem viele Märchengestalten eine Rolle spielen. Interessante Rollenumkehr, ein spannender Plot und Charaktere, bei denen man erst im Laufe der Handlung herausfindest, wer sie sind, ergeben zusammen ein empfehlenswertes Buch, das insbesondere Fans von Märchenadaptionen zusagen wird.

Details

Bewertung

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