Der kreative Fotograf


Neue Impulse für außergewöhnliche Bilder
von Robert Mertens, Heidi Mertens
Rezension von Michael Seirer | 06. Juni 2018

Der kreative Fotograf

Kann man Kreativität lernen? Wie erweitertet man seinen fotografischen Horizont und bricht aus eingeübten Mustern und immer gleichen Fotomotiven aus, um neue und kreative Bildideen zu entwickeln und umzusetzen? Robert und und Heidi Mertens zeigen in ihrem neuen Buch wie man die eigene Kreativität hervorlocken kann und neue Wege beschreitet.

Gleich im Vorwort findet sich ein wichtiger Hinweis: Das vorliegende Buch sollte nicht von vorne bis hinten und in einem durch gelesen werden. Es hat keinen streng logischen Aufbau und man kann und sollte die einzelnen Kapitel nach Lust und Laune bearbeiten. Jedes Kapitel beinhaltet außerdem einen Workshop, der mit konkreten Anleitungen dazu anregt, den Text durch Übungen umzusetzen.

Das Buch beginnt mit dem Versuch, den eigenen Standpunkt zu (er-)kennen, um in weiterer Folge zu erarbeiten, wo die Reise hingehen soll. Reflektieren durch die Beantwortung einfacher Fragen. Dabei hilft auch das eigene Einordnen und Bewusstmachung in die Kategorien Dokumentarische, Ästhetische und Künstlerische Fotografie. Sodann nähern sich die Autoren in 22 Kapitel dem Thema Kreativität von den unterschiedlichsten Seiten. Nach einem einführenden Text zeigt ein Workshop, wie das Gelesene auch praktisch umgesetzt werden kann. Behandelt werden dabei beispielsweise Themen wie die “Schule des Sehens”, dem “Klauen” von anderen Kreativen, dem Arbeiten mit dem Zufall oder einem Skizzenbuch. Auch wenn manche der Themen im Grundthema einfach klingen, so versteht es das Autorenteam, durch Variationen und Erweiterungen immer spannende Aufgaben vorzugeben. Uns hat insbesondere die Anregung gefallen, wieder verstärkt “analog” zu arbeiten. Gemeint ist damit nicht nur das analoge Fotografieren, sondern ein ganzheitlicherer Zugang zur Fotografie: empfohlen wird das Durchblättern von Fotobüchern, Fotos auszudrucken und an die Wand hängen, eine Buchhandlung zu besuchen etc.

 

Erfrischend war die Tatsache, dass es ein durchaus praxisorientiertes Buch ist und nicht eines mit einer endlos langen Auflistung bekannter und weniger bekannter Kreativtechniken (wenn man von den Kapiteln über Brainstorming und dem Morphologischen Kasten absieht). Die Inhalte sind damit auch auf lange Sicht hilfreich, da man wohl einige Zeit brauchen wird, bis man alle Workshops durchgearbeitet hat. Zusätzlich sind viele dazu geeignet, mehrfach ausprobiert zu werden. In dem Fall ergeben sich garantiert immer wieder neue Ergebnisse. Themen wie Aufnahmetechnik oder Bildbearbeitung fehlen völlig - und das ist gut so.

Man sollte sich nach der Lektüre jedoch keinen Instant-Lerneffekt durch simples Regeln-Befolgen erwarten. Das Buch verlangt eine tiefergehende Beschäftigung mit dem Medium Fotografie und sich selbst und ist damit zeitaufwändig und vermutlich auch nicht für jedermann geeignet. Einfache Workshop-Themen wie zum Beispiel “Arbeiten mit Gegensätzen” wechseln sich mit Kapitel zur Achtsamkeit und der Suche nach dem eigenen inneren Ruhepol als Basis für ein neues Sehen und Fotografieren ab.

Die Bildbeispiele der beiden Autoren zu den Workshops sind vielleicht nicht nach dem Geschmack aller Leser, aber sie sind jedenfalls passend ausgewählt und ein willkommener kreativer Input beim Schmökern.

Wer sich selbst und seine Kreativität gerne besser verstehen und auf das nächste Level bringen möchte, dem sei das Buch von Robert und Heidi Mertens wärmstens empfohlen. Viele Workshops motivieren zum aktiven Ausprobieren und sind mehrfach anwendbar. Die praktischen Anleitungen zu sehr unterschiedlichen Themen stellen sicher, dass für jeden etwas dabei ist. Der Schlüssel zu neuen Bildideen liegt in einem selbst - und das Buch zeigt, wie man diese zu Tage bringt.

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