Der erste Kaffee am Morgen

von Diego Galdino
Rezension von Emilia Engel | 11. Februar 2020

Der erste Kaffee am Morgen

Der erste Kaffee am Morgen ist etwas ganz Besonderes. Wenn alles noch ruht und die Hektik des Tages noch nicht begonnen hat, gibt es nichts schöneres, als sich die Zeit zu nehmen, an einem frisch gebrühten Kaffee zu riechen und die erste Geschmacksexplosion des Tages zu erleben. Es ist ein sinnliches Erlebnis, das Geist und Körper weckt. Und mit wem, wenn nicht mit der Liebsten will man dieses Erlebnis teilen? Doch zuerst muss man diese erst für sich gewinnen. Das ist oftmals jedoch kein leichtes Unterfangen.

Kaffee ist etwas, das verbindet, ganz besonders in Italien. Der Kaffee ist dort beinahe etwas Heiliges. Ebenso in der Bar Tiberi, deren Eigentümer Massimo ist. Der Barista geht mit Leidenschaft seiner Arbeit nach. Mit großer Hingabe bereitet er sowohl einfachen Espresso zu, als auch diverse Kaffeespezialitäten und liest seinen Kunden jeden Wunsch von den Augen ab. Massimos Bar liegt in Trastevere, einem bekannten Touristenviertel in Rom. Seine Stammgäste sind schon beinahe wie eine Familie. Doch wie es so üblich ist, weiß sich die Familie nicht immer zu benehmen. So auch an jenem schicksalhaften Tag, als plötzlich eine junge Frau vor seiner heißgeliebten Gaggia-Kaffeemaschine steht. Grüne Augen blicken aus diesem Gesicht, das ihn verunsichert ansieht. Massimo ist sofort verzaubert von dieser bildhübschen, schüchternen jungen Frau. Doch seine verfluchten Stammgäste reißen schon ihre derben Scherze und Massimo selbst ist ganz unüblich wortlos angesichts dieses Erlebnisses. Und so flüchtet die junge Frau aus seiner Bar und Massimo ist am Boden zerstört. Doch der Zufall oder das Schicksal führt die beiden doch immer wieder zusammen. Die junge Frau, Geneviève, ist Französin, spricht nur wenig italienisch und zum großen Entsetzen aller trinkt sie nur Tee! Massimos Ehrgeiz ist geweckt und er bemüht sich um die junge Frau. Doch die Verliebtheit macht ihn auch zu einem unsicheren Mann. Kann er diese geheimnisvolle, zurückhaltende Frau für sich gewinnen? Kann Massimo Geneviève den Zauber des Kaffees nahebringen? 

Diego Galdino ist ein italienischer Schriftsteller, der schon einige Romane geschrieben hat. Der Autor ist aber auch Barista und führt eine eigene Bar abseits der üblichen Touristenpfade in Rom. So ist es keine Verwunderung, wie er die Leidenschaft zum Kaffee zu beschreiben weiß. Sein Protagonist Massimo liebt seine Arbeit, die ihn erfüllt. Von jedem seiner Stammkunden weiß er bestens, wie sie ihren Kaffee am liebsten trinken und es macht ihn nichts glücklicher,  als seinen Kunden den Kaffee, so wie sie ihn mögen, zu servieren bevor sie ihn bestellt haben. Massimo ist ein sympathischer Mann, der es liebt durch sein wunderschönes Rom - die ewige Stadt - zu spazieren und all die Schönheit wahrzunehmen.
Angesichts der zarten Geneviève, die ihm erst seltsam abweisend erscheint, aber doch sofort in den Bann zieht, fühlt er sich wie ein kleiner Junge. Ein eindeutiges Zeichen der Verliebtheit. Aber Massimo hat es nicht leicht, denn Geneviève ist eine komplizierte Frau und seine Stammgäste reißen ihren Mund immer so weit auf, dass sie die junge Frau in die Flucht schlagen. So wirklich fühlen kann man die Verliebtheit beim Lesen allerdings nicht,  zumindest am Anfang. Bei vielen Liebesromanen ist es so, dass das Herz des Lesers gleich mitschmilzt. Doch hier bleiben die Gefühle an der Oberfläche. Der Autor beschreibt zwar unmissverständlich wie verliebt Massimo ist, aber nicht so, dass es sich auf den Leser überträgt. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass die Geschichte aus Sicht eines Mannes geschrieben ist und die Verliebtheit nicht so recht damit zusammenpassen will, trotzdem ein “cooler” Mann zu sein. Die Beziehung des Protagonisten zu seiner Schwester Carlotta ist allerdings spürbar liebevoll und ganz besonders.
Sehr unterhaltsam sind die Stammgäste des Cafes, die auf den ersten Blick wie ziemliche Rüppel rüberkommen und sehr unsensibel scheinen. Doch ist die Feuerprobe erst mal bestanden, ist man schnell Teil der Familie. Hier gibt es einige Szenen, die den Leser zum Schmunzeln bringen.
Auch die Liebe zu Rom und dessen Schönheit muss man betonen. Dass man Lust bekommt sofort nach Italien aufzubrechen, lässt sich nicht leugnen.

Alles in allem ist “Der erste Kaffee am Morgen” ein unterhaltsamer Liebesroman. Einer, der auch für Männer ausgezeichnet passt. Die großen Leidenschaften des Buches “Kaffee” und “Rom” passen perfekt zueinander. Das Buch ist besonders jenen zu empfehlen, die leichte Lektüre suchen, die nicht allzu viel Tiefgang hat. Am Besten ist es mit einer schönen Tasse frisch gebrühten Kaffee zu lesen.

Details

  • Autor/-in:
  • Originaltitel:
    Il primo caffè del mattino
  • Band:
    1
  • Verlag:
  • Genre:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    06/2015
  • Umfang:
    320 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ISBN 13:
    9783492305877
  • Preis:
    11,00 €

Bewertung

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