Auf der Flucht

von Sonja Klein
Rezension von Stefan Cernohuby | 03. September 2012

Auf der Flucht

Verbrechen und Strafe wäre nicht nur die korrekte Übersetzung eines klassischen Romans von Dostojewski, es ist auch der übliche zeitliche Ablauf - denn selten erhält man die Strafe für ein Verbrechen vor seiner Durchführung. Dennoch haben die meisten Übeltäter nicht vor, sich für ihre Missetaten, darunter beispielsweise einen Raub, zur Rechenschaft ziehen zu lassen. Sie lassen dann die Beute verschwinden, ihre Komplizen zurück und fliehen. Dies ist auch das Thema von Sonja Kleins Krimi-Kartenspiel "Auf der Flucht", das im Gmeiner Verlag erschienen ist.

Bei besagtem Spiel handelt es sich um eine Freizeitbeschäftigung für zwei. Das könnte bedeuten, ein Spieler ist ein Ermittler, der andere der Verbrecher. Zum Glück ist dem nicht ganz so, denn um für mehr Abwechslung zu sorgen übernehmen beide Spieler beide Parts. Die Vorgeschichte lautet: Der Schurke wurde gefangen und wird aktuell verhört. Vorerst bekannt sind nur der Ort des Verbrechens sowie jener seiner Festnahme. Dazwischen hatte er allerdings die Möglichkeit, vier unterschiedliche Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit ebenso vielen unterschiedlichen Verkehrsmitteln zu besuchen. An einem der Orte ließ der Bösewicht seinen Komplizen zurück, an einem seine Beute.
Zuerst werden beide Fälle für den Gegner konstruiert, dann versucht man herauszufinden, wie dieser gereist ist.
Dabei gibt es eine gewisse Transportmittel-Logik zu beachten. So können Autos überall hinfahren, Züge jedoch nur in Städte mit Bahnhof, Schiffe nur in Städte mit Hafen und Flugzeuge nur in Städte mit Flughafen. Busse dagegen haben eine beschränkte Reichweite. Gespielt wird mit Hilfe einer in Segmente aufgeteilten Karte sowie Karten, die Städte und Verkehrsmittel symbolisieren. In der Vernehmung kann jeder Spieler seinem Gegner drei Fragen stellen, die allerdings stets nur mit "Ja" und "Nein" zu beantworten sind. Dadurch kann man die Orte, in denen der Gegner nicht war, einschränken und die richtigen Städte und Verkehrsmittel erraten. Hat man das einmal geschafft, wird die jeweilige Karte auf dem Tisch aufgedeckt und liefert einen Hinweis, wo sich Beute und Komplize befinden könnten.
Glaubt ein Spieler diese beiden Informationen zu haben, kann er das Rätsel auflösen und mit der richtigen Information das Spiel beenden.

Das aktuelle Spiel von Gmeiner hat mehrere Vorteile. Man kann es schnell spielen, es ist nach der ersten Partie völlig klar und man kann trotzdem viele unterschiedliche Kombinationen der Reise kreieren, sodass es einem nicht langweilig wird. Dennoch enthält "Auf der Flucht" einen großen Logikfehler, der vor allem Erstspielern auf den Kopf fallen könnten - weswegen sie ihre erste Partie verlieren. So steht zwar in den Regeln, dass man mit Flugzeug, Bahn und Schiff nur an Orte reisen darf, die über die notwendigen Einrichtungen verfügen, nicht die Rede ist allerdings vom Abreiseort. So nahm in unserer ersten Testpartie einer der beiden Testspieler (mit Recht) an, dass für eine Schiffs- und Flugreise ebenfalls Start-Hafen und Start-Flughafen nötig wären. Dadurch waren die Möglichkeiten für jenen Spieler stark beschränkt und er verlor die Partie. Tatsächlich ist es unlogisch, dass man in irgendeinem hinterwäldlerischen Kaff eine Boeing besteigen und nach Berlin fliegen oder aber mitten in der Pampa ein Schiff besteigen kann um damit quer über die Alpen zu schippern. Berücksichtigt man diesen Fauxpas, kann einem eine Partie viel Spaß machen - auch wenn eine Beschränkung auf zwei Spieler natürlich keine großen Spielrunden zulässt. Der Preis, rund 12 Euro, geht dafür allerdings völlig in Ordnung.

"Auf der Flucht" von Sonja Klein ist ein neues Krimi-Kartenspiel für zwei Personen aus dem Hause Gmeiner. Zwar mögen nicht alle Regeln zu einhundert Prozent logisch sein, doch das schmälert den Unterhaltungswert des Spiels nur unwesentlich. Durch den moderaten Preis und die vorhandene Langzeitmotivation kann man in jedem Fall für alle Liebhaber von Zweipersonenspiele eine Kaufempfehlung aussprechen.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    05/2012
  • Umfang:
    98 Spielkarten
  • Typ:
    Spiel
  • ASIN:
    B008218WY0
  • ISBN 13:
    4260220581529
  • Spieldauer:
    45 Minuten

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
    Keine Bewertung
  • Spieltiefe:

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