Die Adler Roms

Die Adler Roms - Band IV

von Enrico Marini
Rezension von Stefan Cernohuby | 22. April 2014

Die Adler Roms - Band IV

Wenn sich eine Wahrheit über die Jahrhunderte und Jahrtausende bestätigt hat, dann war es diese: Imperien wurden errichtet und zerfielen wieder. Der Aufstieg und Fall schlechthin betraf das Römische Imperium, das im Laufe der Jahrhunderte viele Veränderungen durchmachte. Der gebürtige Schweizer Enrico Marini, in Comickreisen hauptsächlich als Marini bekannt, hat sich mit seiner Reihe "Die Adler Roms" dieser Zeitperiode gewidmet, ohne sich allzu sehr durch die Geschichte einschränken zu lassen.

Genauso wie sich Reiche verändern, ändern sich auch die Gesinnungen der Menschen, die in ihnen leben. Gerade in einer Zeit, in der bereits der zweite Imperator Rom beherrscht und die Demokratie immer mehr zu einem Scheinkonstrukt wird, vergessen auch immer mehr die Werte, nach denen die Menschen, Bürger und Soldaten Roms einst gelebt haben. Vor allem in den Provinzen macht sich immer mehr Korruption, Arroganz und Willkür breit. Eine Tatsache, die Arminius, einem Cherusker, der in Rom aufgewachsen ist, zum einen übel aufstößt, zum anderen die Möglichkeit zur Reaktion bietet. Denn längst hat er die römische Besatzung satt und beginnt einen Aufstand anzuzetteln. Seine Bildung, die Kenntnis der römischen Strukturen und nicht zuletzt die blasierte Ignoranz des Stadthalters, ebenen ihm den Weg. Während sein Jugendfreund Marcus, der einzige der noch nach den wahren Idealen des alten Roms lebt, verraten wird, scheint der Fall der Adler Roms beinahe schon besiegelt...

Es ist immer schwierig, in einer Serie quer einzusteigen. Rekapitulierend hat der Antagonist, einst Freund des Protagonisten, nichts Geringeres vor, als das gesamte römische Reich zu Fall zu bringen. Durch die flächenmäßig gewaltige Ausbreitung ist die Fähigkeit, auf Bedrohungen flexibel und zeitnah zu reagieren beinahe nicht mehr vorhanden. Gräueltaten passieren auf beiden Seiten, gleichermaßen durch die Römer wie auch durch die Germanen, die nichts mehr zu verlieren, aber ihre Freiheit zu gewinnen haben - und dafür sind sie bereit, jedes Mittel einzusetzen. Doch trotz Verrats, den Anstrengungen für die eigenen Überzeugungen und den stimmungsvollen und blutigen Illustrationen kann man den Einblick, den man durch diesen Band gewinnt, leider nur als durchschnittlich bezeichnen. Vermutlich kann man diese Graphic Novel in einem größeren Kontext als gelungener sehen. Jedoch kann das als punktuelle Betrachtung leider nicht gelten.

Der vierte Band der Reihe "Die Adler Roms" ist eine düstere Graphic Novel während der Zeit von Kaiser Augustus. Doch die beginnende Rebellion in Germanien kann isoliert von der Gesamthandlung und den Vorgängerbänden trotz ambitionierten Charakterstudien und ausgiebigem Bluteinsatz nur als mittelprächtig bezeichnet werden. Im Gesamtkontext der Reihe macht das Werk vielleicht ein besseres Bild. In jedem Fall sind die Illustrationen stimmungsvoll und die Handlung in Ordnung. Liebhaber historischer Graphic Novels werden mit Sicherheit auf ihre Kosten kommen.


Rezension ermöglicht durch unsere Partnerschaft mit dem Carlsen Verlag

Details

  • Autor/-in:
  • Band:
    4
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    02/2014
  • Umfang:
    56 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ASIN:
    3551791937
  • ISBN 13:
    9783551791931
  • Preis:
    12 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gewalt:
  • Gefühl:
  • Erotik:
  • Illustration:

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