Die kleine Buchhandlung am Ufer der Themse

von Frida Skybäck
Rezension von Emilia Engel | 29. September 2019

Die kleine Buchhandlung am Ufer der Themse

Buchhandlungen sind ganz besondere Orte. Hier treffen Leute aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten und die dennoch die Liebe zur Literatur und zu Büchern verbindet. Nur wenige Buchhandlungen schaffen es, so eine heimische und familiäre Atmosphäre zu schaffen, wie der Riverside Bookshop. Doch der Riverside Bookshop ist noch mehr - es ist ein Ort der Heilung, schon über mehrere Jahrzehnte hinweg. Umso mehr ein Grund, das Geschäft wiederzubeleben und die Buchhandlung vor der Schließung zu retten.

Ganz unerwartet erbt Charlotte eine kleine Buchhandlung in London von ihrer Tante Sara, die sie nie kennengelernt hat. Die junge Witwe reist nur widerwillig an, um das Haus und die Buchhandlung darin, die sie ebenfalls geerbt hat, in Empfang zu nehmen und zu begutachten. Es ist Charlotte ein Rätsel, warum ihre unbekannte Tante ihr alles vererbt hat. Eigentlich hat sie kein Interesse daran, die Buchhandlung zu behalten. Doch schon beim ersten Anblick ist sie wie bezaubert von diesem magischen Ort.
Martinique, einer der beiden Angestellten, heißt sie auf herzlichste willkommen. Das ist Balsam für Charlottes verletzte Seele, die noch nicht mit den Verlusten in ihrem Leben zurechtkommt. Sam, die andere Angestellte, sieht Charlottes Ankunft skeptischer und macht Charlotte das Leben nicht gerade leicht. William, der Nachbar der verstorbenen Tante, ist Autor und sieht die Buchhandlung ebenfalls als sein Zuhause an. Allen ist gemein, dass sie gute Freunde von Charlottes Tante Sara waren und diese sehr geliebt haben. Ihr Tod ist ein schwerer Verlust, den das Auftauchen ihrer Nichte natürlich nicht wiedergutmachen kann. Doch es bedeutet auch einen Neubeginn, der, wenn er glückt, alles zum Besseren wenden kann.
Charlotte zieht in der Wohnung ihrer Tante über der Buchhandlung ein. Als sie durch die Unterlagen der Buchhandlung blättert, merkt sie erst, wie schlecht es um diese steht. Ihr Drang Probleme zu lösen und die Anziehung zu dieser Buchhandlung bringt sie dazu, sofort ein Rettungsprogramm zu starten. Ob sie die Buchhandlung behalten will, kann sie immer noch später entscheiden. Kann Charlotte ihr altes Leben hinter sich lassen? Wird der Charme vom Riverside Bookshop auch ihr Herz gewinnen? Können Charlotte und ihre neuen Freunde die Buchhandlung retten?

“Die kleine Buchhandlung am Ufer der Themse” ist ein Buch der schwedischen Autorin Frida Skybäck. Im Genre der Unterhaltungs bzw. Feelgood-Romane schafft es die Autorin eindeutig, sich mit diesem Buch hervorzutun. Oft sind Romane dieser Art eher oberflächlich gehalten und man ist enttäuscht darüber, dass es dem Buch an Tiefe fehlt. Doch mit seinen 541 Seiten Umfang ist es gut möglich, mehrere Erzählstränge einzubauen und dort dann sogar etwas in die Tiefe zu gehen.
Zum einen haben wir natürlich Charlottes Geschichte, die nach dem Tod ihres Mannes sehr zurückgezogen lebt. Da sie ein paar Jahre zuvor ihre Mutter verloren hat, gibt es mittlerweile keine Familie und sie steht alleine da. Das Erbe ihrer Tante Sara bringt die Gelegenheit, vielleicht mehr über ihre Familie in Erfahrung zu bringen.
Dann gibt es Martinique, die ihr Leben der Buchhandlung widmet. Saras Verlust trifft sie hart. Zudem kommen noch Probleme mit der Tochter und mit ihrer Schwester dazu.
Schließlich gibt es dann noch die Rückblenden in die 1980er Jahre, als Tante Sara und Charlottes Mutter Kristina Schweden verlassen haben, um in London ein neues Leben zu beginnen. Sara ist die extrovertierte Schwester und Kristina die, die sich nur schwer an das neue Leben gewöhnt. So viel Unbekanntes gibt es hier und dann geschieht auch noch etwas, das ihrer beider Leben vollends auf den Kopf stellt.
Die Geschichten dieser Protagonisten wechseln einander ab. Völlig verschiedene Menschen und doch erkennt man die eine oder andere Gemeinsamkeit.
Eigentlich ist es immer ein Balanceakt mehrere Erzählstränge in eine Geschichte einzubauen. Oft hat der Leser schnell eine Präferenz, welche er am liebsten liest. Doch in dieser Geschichte sind interessanterweise alle gleichsam spannend zu lesen.
Interessant sind auch die Buchhandels-Aspekte der Geschichte. Als totaler Neuling in der Branche hat Charlotte viel zu lernen und das ist natürlich auch für die bibliophilen Leser eine spannende Sache. Frida Skybäck präsentiert uns einen gelungen Einblick in die Welt des Buchhandels.
Wir haben hier ein Buch fürs Herz, das sehr gerne und flott gelesen wird.  Aber es ist kein Heile-Welt-Roman und es gibt einige tragische Vorkommnisse. So wie das echte Leben auch nicht immer toll und perfekt ist. Umso schöner ist es, dass die Protagonisten durch die Liebe der Bücher zusammenfinden - und das ist es, was zählt - sowohl in Büchern als auch im Leben.

“Die Buchhandlung am Ufer der Themse” ist eine perfekte Urlaubslektüre, die einem noch länger im Gedächtnis bleibt. Wer es nicht schafft die letzten Strahlen des Sommers zum gemütlichen Lesen in der Sonne zu nutzen, ist aber genauso gut damit beraten diesen wunderschönen Roman bei einer heißen Tasse Tee und regnerischem Wetter zu genießen. Eine herzliche Lese-Empfehlung!

Details

  • Autor/-in:
  • Originaltitel:
    Bokhandeln på Riverside Drive
  • Verlag:
  • Genre:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    09/2019
  • Umfang:
    543 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ISBN 13:
    9783458364405
  • Preis:
    10,95 €

Bewertung

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