Wenn man ein Leben lang um Anerkennung gekämpft hat, obwohl man ein Außenseiter war, ist es in der Regel befriedigend, wenn es einem letztendlich gelingt, seinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Auf drei Mitglieder der Gilde der Wortmagier hat das besonders zugetroffen, da sie in ihren Völkern beinahe so etwas wie Ausgestoßene waren, nun aber respektierte Mitglieder ihrer Gemeinschaften sind. Aber ist jetzt alles gut?
Natürlich nicht, denn obwohl Jaard nun Barbarenhäuptling ist, Elfenprinz Soo nun als Lehrer arbeitet und der einst verstoßene Zwerg Fardin nun derjenige sein soll, der über Nachfolge im Zwergenkönigreich entscheiden soll, gibt es immer wieder neue Probleme. Wären es nur die Unruhen in den eigenen Reihen, wäre das nur ein geringes Problem. Doch am Horizont braut sich neues, unbekanntes Übel zusammen. Als plötzlich mitten in den Nachfolgeverhandlungen der Zwerge eine große Menge menschlicher Flüchtlinge vor den Toren der Zwergenfeste auftauchen, muss sich Fardin entscheiden: Will er dem Willen seins eigenen Volkes nachgeben oder doch dafür sorgen, dass die hilflosen Menschen vor den Toren nicht verhungern oder erfrieren? So stellt derweil fest, dass er in der Lage ist, anderen mit Fragmenten des Flüstersteins große Kraft und Macht zu verleihen. Im Beststreben das Beste zu erreichen schießt er allerdings wieder einmal übers Ziel hinaus. Und auch Jaard hat einen steinigen Weg mit neuen Herausforderungen vor sich. Nicht nur, dass er sein Volk im Stich lässt (und die Herrschaft an eine geeignetere Frau übergibt), er muss sich auch mit wankelmütigen Göttern auseinandersetzen und wird letztendlich zum Schirmherrn für ein Volk, mit dem ihm eigentlich gar nichts verbindet. Aber was ist mit der Wortmagie was ist das für eine Geschichte von wegen einer Prophezeiung?
Der Roman fokussiert sich sehr auf die persönliche Entwicklung der drei Hauptpersonen. Sie alle sind nun (mehr oder weniger) respektierte Persönlichkeiten und könnten eigentlich normale Leben führen – und doch ist da noch immer die Wortmagie, die sich bei jedem der Drei in unterschiedlicher Form manifestiert, abgesehen von nicht immer gelungenen Reimen. Das und eine unbestimmte aber schicksalhafte Bestimmung, die dazu führt, stets inmitten jedes Umbruchs aller wichtigen Ereignisse zu sein. Lesenswert ist wieder, wie die Autoren ihre Charaktere mit den Widrigkeiten ihrer besonderen Existenz konfrontieren und wie sie damit umgehen. Insbesondere Fardin, der seine Wortmagie im Vorband verloren hat, macht eine erstaunliche Wandlung durch. Aber auch Jaard, der sogar Götter beleidigt (und damit ihren Respekt erringt) und Soo, der sich als Weichensteller für große Mächte und noch größere Veränderungen betrachtet, sind sehr spannend gelungen.
Zusammengefasst kann man in diesem Band neue Abenteuer erleben, benötigt vielleicht ein wenig länger, bis wahre Wortmagie im Buch gewirkt wird (von außen ist das ja ab Seite eins so) und weiß am Ende, dass die Geschichte der drei Helden noch nicht zu Ende erzählt ist. Etwas, was auch das gelungene Farbschnitt-Design des Buchs andeutet, wenn man die Geschichte liest und einen genaueren Blick darauf wirft.
„Die Gilde der Wortmagier II“ hat zwar keinen klingenden Untertitel, enthält aber trotzdem ein zweites Abenteuer der drei Protagonisten. Geschrieben von Peter Hohmann, Lew Marschall und Pascal Wokan dürfen Barbar Jaard, Frostelf Soo und Zwerg Fardin wieder einmal über das Schicksal aller Völker entscheiden. Und es wird knapper als gedacht.
Details
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Band:2
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Erschienen:03/2026
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Umfang:19,00
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ISBN 13:9783690286589
