Pearl, Königin der Meere

von Elisabeth Herrmann, Sabine Kabst (Illustrator*in)
Rezension von Janett Cernohuby | 11. Mai 2026

Pearl, Königin der Meere

Um einen herum das Rauschen des Meeres, über einem das Kreischen der Möwen und in der Luft der Geschmack von Salz und Abenteuer. Elisabeth Herrmann führt uns ins Jamaica der 1730-iger Jahre, wo Pearl dem Ruf des Meeres folgt.

Das Erbe der Piraten

Aufgewachsen als Waisenkind, hat Pearl schon früh gelernt, dass das Leben hart und rau ist. Ihre Mutter wurde wegen Piraterie verurteilt, sie selbst von einer Hand zur nächsten gereicht und wuchs so unter Bettlern und Tagelöhnern auf. Pearls größter Traum ist es, in ihre irische Heimat zurückzukehren. Da kommt ihr zu Ohren, dass ein spanischer Konvoy in See sticht, zu dem auch das Schiff von Oliver Morrison gehört. Einst selbst unter der Flagge der Piraten unterwegs, war er für Pearl eine Vaterfigur. Nun hofft sie, Oliver begleiten und so in ihre Heimat zurückkehren zu können. Doch Oliver war und ist Pirat und verfolgt ganz eigene Pläne, in denen für Pearl kein Platz ist. Bald schon gerät sie zwischen die Fronten und ihr Leben ist mehr als einmal in Gefahr…

Historischer Roman vor der Kulisse Jamaicas

Elisabeth Herrmann verwebt in ihrem Roman Historisches mit Fiktion, nicht ohne dabei eine kleine Liebesromanze zu vergessen. Sie führt die Leserschaft zu karibischen Schauplätzen, wo die Reichen sich mit Sklaven und Luxus umgeben und die Armen um ihr Überleben kämpfen. Der Rum fließt reichlich, Sklaven fliehen und finden Zuflucht in den Bergen, wo Rebellen sich zusammenrotten. Kolonialgeschichte, politische Machtspiele, Sklaverei, Krieg, Intrigen - vieles spielt sich hier ab. Mittendrin ein Mädchen, das geschützt von der Legende über ihre Mutter und durch die vermeintliche Fürsorge ihres Wohltäters heranwächst. Sie ist frech, aber auch clever und mutig. Ihr Haar trägt sie kurz, weswegen sie oft für einen Jungen gehalten wird. Das stört sie nicht, denn sie lässt sich nicht unterbuttern und sieht auch nicht ein, dass Männer ihr Grenzen setzen wollen.
Was Pearl allerdings nicht wird, ist eine Piratin. Und auch keine Königin der Meere. Zwar überlebt sie Olivers Verrat nur knapp, schafft es sich zu retten und ihre Geschichte so zu verkaufen, dass ihr keine Gefahr droht, dennoch wird kein Schiff ihre Heimat.
Die Handlung ist gut ausgearbeitet, wenngleich einem Pearl für ihre jungen Jahre manchmal zu reif erschient. Jugendlichen Leichtsinn sucht man bei ihr vergeblich, dafür handelt sie mitunter sehr vorausschauend. Nur wenn es um Oliver geht, hat das Mädchen Scheuklappen auf. Dennoch vermag die Handlung nicht vollständig zu fesseln. Es fehlt an einem Funken, der überspringt.
Sprecherin Simone Kabst führt durch die Ereignisse, lässt die Hörerschaft mitfiebern und gelegentlich mitzittern. Aber für große Spannung, fesselnde Momente, in denen man den Atem anhält, reicht die Handlung dann doch nicht aus. Man wartet die ganze Zeit darauf, wann Pearl endlich das Zepter als Königin der Meere in die Hand nimmt, nur um am Ende zu verstehen, dass sie sich lediglich aus dem Sumpf, in dem sie aufgewachsen ist, herausgekämpft hat.

Elisabeth Herrmann: Pearl, Königin der Meere

Karibik, Rum, Piraten und deren letzter Beutezug sowie eine junge, taffe Frau treffen wir in Elisabeth Herrmanns Roman „Pearl. Königin der Meere“, das von Simone Kabst als Hörbuch eingesprochen wurde. Es ist kein großes Kino, kein atemberaubendes Abenteuer, aber die Geschichte einer jungen Frau, die auf der Suche nach Freiheit ihren Weg geht.

Details

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