Die Känguru-Reihe

Die Känguru-Rebellion

von Marc-Uwe Kling (Sprecher*in)
Rezension von Stefan Cernohuby | 04. Mai 2026

Die Känguru-Rebellion

Es ist eine altbekannte Weisheit, dass die einzig wahren Trilogien zumindest fünf Bände haben. So hat es schon Douglas Adams gehalten und so tun es auch das Känguru und sein Mark-Uwe. Denn von jenem Mark-Uwe Kling ist nun der fünfte Band um das streitbare kommunistische Känguru erschienen. Doch vielleicht ist streitbar nicht der richtige Ausdruck, denn der Titel des aktuellen Werks lautet „Die Känguru-Rebellion“. Als Hörbuch natürlich wie immer eingesprochen vom Autor selbst

Wenn man nach dem Titel eines neuen Buchs sucht, das man über sein Lieblings-Beuteltier schreiben möchte, ist das keine einfache Aufgabe. Zumal das Känguru ja eigentlich erst wieder zurückkehren wollte, wenn es gebraucht würde. Aber das ist nun mal der Fall. Die Weltlage benötigt einen scharfen und kritischen Blick. Ob Kriegstreiberei, Neoliberalismus oder KI-befeuerte Ressourcenvergeudung – es gibt genug, über das man reden könnte. Aber irgendwann reicht es nicht mehr zu reden. Dann kann man nur noch rebellieren. Gegen die Zustände. Und danach gilt es, andere Leute davon zu überzeugen mitzumachen. Genau das tun das Känguru und Marc-Uwe. Angefangen mit Herta, die eigentlich nur darauf gewartet hat mit einer Rebellion loszulegen und sofort Podcasts organisiert. Als Pyramidenspiel aufgezogen soll jeder, der gegen die Zustände rebelliert, mindestens zwei weitere Personen überzeugen. Und egal ob man Nachrichten auf einem Bierdeckel an den Bundeskanzler schickt oder waschechte christlich-soziale Politiker dazu bringt, das Thema Rebellion in der Partei zu besprechen, es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Natürlich gibt es immer eine Menge Missverständnisse und Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Helden, aber sie haben ein gemeinsames Ziel. Gegen AFD, Großkonzerne, Neoliberalismus (man kann das gar nicht oft genug schreiben) und vor allem die Dummheit zu rebellieren.

Aller Anfang ist schwer, gibt es KI, gilt das umso mehr. Das reimt sich jetzt zwar absichtlich, kann aber trotzdem nicht ganz mit der KI-Realsatire mithalten, mit der das aktuelle Werk beginnt. Denn Urs Stängeli war bereits unmittelbar nach der Veröffentlichung des Werks in den Antworten aller gängiger Pseudo-Intelligenzen, wenn es um die Erfindung der Schnapspraline ging. Mittlerweile haben generative KI-Modelle zwar „gelernt“, dass es sich um einen Scherz auf ihre Kosten handelt, die Präsentation der Funktionsweise war jedoch trotzdem eindrucksvoll. Und irgendwie kann man den Autor und sein inneres (oder äußeres?) Känguru verstehen. Es gibt immer mehr Gründe zur Verzweiflung, da braucht man dann einfach eine paar Augenblicke, um tief durchzuatmen, sich wieder zu sammeln und dann weiter gegen die Umstände zu rebellieren. Zum Glück tun sie das und motivieren so auch die Leser*innen (bzw. Hörer*innen) dazu, Nachrichten zu hinterfragen und selbst dem Känguru selbst nicht ohne Vorbehalt zu glauben, denn manche seiner statistischen Beispiele sind zumindest etwas geschönt. Dennoch gibt es viele Anregungen, wie man kritische Kunst erschaffen und unter die Leute bringen kann. Wie man Informationen so aufbereitet, dass man zumindest eine Diskussion führt, auch wenn das Gegenüber eigentlich unbelehrbar ist. Und vor allem, wie man andere davon überzeugt, sich einer Rebellion gegen die Zustände anzuschließen. So wie auch hier dazu aufgerufen wird. Denn es ist wirklich Zeit mitzumachen. Und zwei weitere Menschen nach dem Lesen dieser Rezension mitzuteilen, dass man sich einerseits dem Känguru und seinem Marc-Uwe in Lektüre oder Hörbuch widmen sollte, um danach mitzumachen.

Ist „Die Känguru-Rebellion“ tatsächlich Literatur, die von Marc-Uwe Kling auf Seiten geschrieben und dann als Hörbuch vertont wurde? Oder handelt es sich vielmehr um das letzte Aufbäumen von Realität und Realsatire gegen Desinformation, politische Entwicklung und das immer sporadischere Verwenden des eigenen Gehirns. Letzten Endes bleibt einem das Lachen immer in der Kehle stecken. Und man versteht, dass es keine andere Wahl gibt, als mitzurebellieren. Genau wie kluge Leser*innen dieser Rezension. Und nicht vergessen, zwei weitere Personen müssen ebenso überzeugt werden.

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