Geschichten aus der Nightside

Die Braut in schwarzem Leder

von Simon R. Green
Rezension von Stefan Cernohuby | 03. Juli 2014

Die Braut in schwarzem Leder

Wie enden die meisten Märchen? Sie heirateten und lebten fortan glücklich bis an ihr Ende. Wenn dem Protagonisten einer Reihe dieses Schicksal bevorsteht, ist ihm natürlich auch klar, was danach passiert. Insofern bleibt ihn natürlich nur eines: Die Zeit bis zu seiner Hochzeit noch schnell mit einem allerletzten Abenteuer zu füllen. So auch im zwölften und mutmaßlich letzten Band der Reihe "Geschichten aus der Nightside" von Simon R. Green, das den Titel "Die Braut in schwarzem Leder" trägt.

Allerdings sollte natürlich im Vorhinein klar gestellt werden, dass die Nightside wohl die Verkörperung aller dunklen Märchen darstellt. Ein dunkler Teil Londons, in dem es immer drei Uhr Nachts ist, in dem Götter gegen Aliens Schach spielen und dabei von Dämonen bedient werden. Wo Nichts ist, wie es scheint, aber doppelt so verlockend. Dort ist John Taylor mittlerweile an der Spitze der Nahrungskette angelangt. Er ist der neue Walker, das Exekutivorgan der Autoritäten in der Nightside. Dank seiner Herkunft und seinen speziellen Fähigkeiten war er noch nie jemand, mit dem man sich gerne angelegt hat, aber nun haben die Leute nicht nur Angst vor ihm sondern auch Respekt - etwas, was man von einem zukünftigen Familienvater und Ehemann sogar erwarten kann. Doch da sein neuer Job keine Zeit mehr für das Detektivbüro lässt, soll dieses geschlossen werden - aber nicht ohne einen letzten, tödlichen Fall aufzuklären. Dazu kommt es dann auf dem Ball der Ewigkeit, als es einen unerwarteten Todesfall unter all jenen Unsterblichen gibt. Doch die Aufklärung desselben ist nur ein erster Schritt zu einem größeren Abenteuer. Denn ein aus den 70ern stammender Sonnenkönig" hat sich in den Kopf gesetzt, in der Nightside die Sonne aufgehen zu lassen, um alles Übel aus ihr zu tilgen. Und als dieser John Taylor einen Mord in die Schuhe schiebt, jagen ihn plötzlich all seine Freunde. Eddie Messer, Dead Boy und sogar seine zukünftige Braut Flinten-Suzie, die beste Kopfgeldjägerin von allen. Kann er es schaffen, seine Unschuld zu beweisen, Außerirdische vom Eindringen in die Welt abhalten und dann noch zu heiraten?

Wer die bisherigen Bände der Reihe kennt, weiß, John Taylor kann. Die Frage ist eher, wie er es diesmal anstellt. Und erfreulicherweise hat der Autor es geschafft, sich auf die besten Qualitäten der Reihe zu besinnen und noch einmal ein Feuerwerk an Gags abbrennen zu lassen, das sich gewaschen hat - wenngleich nicht unbedingt mit Weihwasser. Noch einmal wird die Vergangenheit verschiedener Charaktere beleuchtet und auch an einigen Beziehungen zueinander hin und her geschraubt. Das Endergebnis kann sich sehen lassen, auch wenn die finale Auflösung dann beinahe ein wenig zu einfach geht. Und sie lässt auch ein wenig Wehmut aufkommen, nun tatsächlich am Ende einer langen Reise angelangt zu sein. Obwohl man zugegeben zwischenzeitlich selbiges beinahe schon herbeigefleht hatte. Aber manche Autoren haben gelegentlich eine nicht ganz so überzeugende Phase, die Simon R. Green hier aber eindeutig überwunden hat, was seine künftigen Serienprojekte sehr interessant macht. Allen Kennern und anderen Lesern darf man den vorliegenden Band jedoch wärmstens ans Herz legen - wenn man satirische Urban Fantasy mag.

"Die Braut in schwarzem Leder" ist der zwölfte und letzte Band der Reihe "Geschichten aus der Nightside". Es handelt sich um ein Werk, das die Serie würdig abschließt. Man darf hoffen, dass es dabei auch bleibt, denn es gibt genug Möglichkeiten, um eine gelungene und eigentlich abgeschlossene Reihe doch noch zu zerstören. Alle Fans und Kenner sollten unbedingt zugreifen. Aber auch Liebhaber von amüsanter Fantasykost werden als Quereinsteiger auf ihre Kosten kommen.

Details

Bewertung

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    Keine Bewertung

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