So zeichnet man Superhelden

von Stan Lee
Rezension von Stefan Cernohuby | 31. August 2015

So zeichnet man Superhelden

Es gibt zu so gut wie jedem Hobby, jedem Sport und jeder beruflichen Tätigkeit ein Nachschlagewerk, das einem mitteilt, wie man das, was man tut, bestmöglich und „richtig“ macht. Das kann etwas verhältnismäßig einfaches wie Tischtennis sein, etwas Anspruchsvolleres wie Häkeln und Kochen oder etwas völlig esoterisches wie Auren zu lesen. Wenn aber Stan „The Man“ Lee, Miterfinder von Helden wie Spider-Man, Thor oder dem Hulk, einem erklärt wie man Superhelden erschafft und zeichnet, erregt das Interesse. In diesem Fall zumindest unseres.

Nach einer schwungvollen Einleitung, die wie immer mit dem Wort „Excelsior“ endet, beginnt der Autor … nein, nicht mit Zeichentipps. Er beginnt mit einer Art Geschichtsstunde, die Helden zu definieren und Beispiele aus der Menschheitsgeschichte und Literatur zu suchen. Dann findet er aber gleich den Übergang zu den ersten Pulp-Helden des 20. Jahrhunderts und zu den ersten Comichelden, die schon während des zweiten Weltkriegs populär wurden. Dann erst geht es zum Zeichnen.
Stan Lee macht natürlich schamlose Eigenwerbung für seine früheren Nachschlagewerke, erklärt aber nochmal in aller Kürze die Basics. Einfache Formen, die als Basis für Zeichnungen dienen, die speziellen Proportionen, denen Helden unterliegen und auch die Wichtigkeit von Körperformen und –haltung. So wird auch auf die Superhelden mit Kräften und jene mit Ausrüstung hingewiesen, und die Unterschiede die beiden richtig darzustellen. Ein eigenes Unterkapitel widmet sich den Frauen in der Superheldenszene. Und – naja – ein wenig Chauvinismus in Bezug auf die Darstellung kann man Stan schon andichten. Allerdings muss man berücksichtigen, dass er durchaus schon ein etwas älteres Baujahr vorzuweisen hat, nämlich 1922. Da kann man den einen oder anderen Ausrutscher akzeptieren, vor allem wenn er mit Witzen garniert ist. Neben Frauen spielen Sidekicks der Helden, Antagonisten (Schurken), Nebencharaktere und Monster große Rollen. Mit tierischen Helfern, den richtigen Fahrzeugen und letztlich dem Zusammentreffen mehrere Helden wird der Band abgerundet.

Man schlägt die letzte Seite des Bandes zu, hat alle Inhalte verinnerlicht, hat die ersten Ideen und überlegt… kann man nun bereits Superhelden zeichnen? Nein, natürlich nicht. Außer man hat bereits Vorkenntnisse beim Zeichnen von Menschen und anderen größtenteils humanoiden Wesen. Denn dann muss man sich nur auf die neuen Proportionen einstellen, sich ein paar Extras überlegen, idealerweise eine geniale Hintergrundgeschichte und ein ganzes Heldenuniversum mitbringen – und schon kann man als Comicautor durchstarten. Nein, auch das funktioniert nicht. Trotzdem ist Stan Lees Werk ein guter Ansatzpunkt, um sich der Materie anzunähern. Er versteht es, jene Mechanismen, die in so gut wie jedem Comicuniversum die gleichen sind, auf die Basisbestandteile herunterzubrechen. Das hilft dann natürlich, wenn man sich tatsächlich zum Ziel gesetzt hat, einen neuen Superhelden samt speziellen Kräften, außergewöhnlichem Assistenten, gefährlicher Gegner und einem einzigartigen Fahrzeug zu erschaffen. Der Verfasser dieser Rezension hat zuerst den Rat seines fünfjährigen Sohnes eingeholt und dann versucht, dessen Wünsche umzusetzen. Gar nicht so einfach, wie die Galerie unter der Rezension beweist. Vermutlich wird „Hedgehogman“ kein großer kommerzieller Erfolg werden. Dennoch hat es viel Spaß gemacht, sich der Materie auf diese Art und Weise anzunähern. Vielleicht werden wir eines Tages auch seinen ewigen Widersacher „Doktor Cyberboard“ skizzieren und die beiden aneinander geraten lassen. Dafür würden wir dann allerdings Stan Lee verantwortlich machen, dessen Werk wir auf diesem Weg allen, die irgendwann einmal mit dem Gedanken gespielt haben, Superhelden zu zeichnen, nur empfehlen können.

„So zeichnet man Superhelden“ von Stan „The Man“ Lee ist zwar nicht der ultimative Leitfaden, zum gefeierten Zeichner und Schöpfer neuer Helden und Schurken zu werden. Trotzdem erklärt der Schöpfer von Spider-Man die elementaren Mechanismen, die sowohl der Schöpfung von Superhelden als auch ihrer visuellen Realisierung zugrunde liegen. Als Ansatzpunkt und als Ideengeber ist das Buch sehr gut geeignet. Und auch Fans werden mit dem amüsanten Schreibstil des Marvel-Urgesteins viel Freude haben.

Bewegungsskizze

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Umrissskizze

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Vollbild

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Stacheln Schleudern

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Der Denker

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Eingeigelt

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Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    06/2015
  • Umfang:
    224 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ISBN 13:
    9783957982483
  • Preis:
    24,99 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Anspruch:
  • Erotik:
  • Illustration:
  • Extras:

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