Thanos: Der Infinity-Konflikt

von Jim Starlin, Alan Davis (Illustration)
Rezension von Stefan Cernohuby | 04. Juli 2019

Thanos: Der Infinity-Konflikt

Groß und Klein sind Konzepte, die man in einem expandierenden Universum nur schwer anwenden kann. Denn meist handelt es sich um verzerrende Perspektiven, die im Metakontext kaum mehr Relevanz besitzen. In „Der Infinity-Konflikt“ organisiert Jim Starlin ein weiteres Mal ein Aufeinandertreffen von zwei mächtigen Wesen im Marvel-Universum. Doch was Thanos und Adam Warlock diesmal antreibt, grenzt an Gigantomanie.

Alles beginnt relativ klein. Denn Adam Warlock vertraut Thanos einen der Infinity-Steine an, da dieser trotz seiner früheren Ambitionen weiß, welchen Schaden andere damit anrichten könnten. Doch dann geht etwas schief, Warlock spürt es. Als er Thanos zur Rede stellen will, tötet ihn dieser umgehend. Nichts, was Adam Warlock auf Dauer aufhält, aber ein unbequemer Zustand, zumal ihn Thanos offenbar immer wieder töten möchte. Während Adam Warlock indisponiert ist, versuchen Thanos Bruder Eros und der Troll Pip herauszufinden, was der wahnsinnige Titan diesmal plant. Und es ist erschreckend, versucht er tatsächlich sich jede Verkörperung galaktischer Entitäten einzuverleiben, um nicht nur Allmacht zu erlangen, sondern um zu allem zu werden, was existiert. Ein so wahnwitziges Vorhaben, dass es sogar Wesen auf den Plan ruft, die sonst außerhalb von allem stehen und die zumindest eine Möglichkeit sehen, das Drama aufzuhalten.

Größer, noch größer, alles was existiert. Das ist die Reihenfolge, in der „Der Infinitiy-Konflikt“ funktioniert. Die Protagonisten sind eigentlich keine, sondern sehen über die meiste Zeit hinweg hilflos zu, wie Thanos mächtiger und mächtiger wird. Also zumindest fast, denn es gibt eine letzte Option, die sich ein Wesen außerhalb der Realität offen hält und dafür Adam Warlock, Pip und Eros nutzen will. Wer ein Fan davon ist, immer größere Bedrohungen zu erzeugen, mit denen die regulären Helden es überhaupt nicht mehr aufnehmen können, kann sich diesem Band gerne widmen. Ansonsten ist das Werk wenig befriedigend, da der Antagonist defacto unaufhaltsam ist und der einzige Plan, wie man ihn doch stoppen könnte, bis zum Ende der Geschichte im Dunklen bleibt. Jim Starlin hin oder her, als Einzelband ist der vorliegende Comic nur dank der passenden Illustrationen von Alan Davis immerhin Durchschnitt. Zusammen mit dem Rest der Handlung mag das anders aussehen, aber das ist hier noch nicht zu ermessen.

„Thanos – Der Infinity-Konflikt“ ist ein Band, der eher nur eingefleischten Fans des verrückten Titanen vom Titan gefallen wird. Denn auch wenn er von Jim Starlin und Alan Davis stammt, ist der Comic ein Werk, der sich der Gigantomanie verschrieben hat – selbst wenn Thanos auch sonst nicht gerade kleine Ziele hat. Dabei schießt man hier über das Ziel hinaus und verpasst auch noch, die Handlung am Ende wenigstens zum Teil aufzulösen.

Details

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gewalt:
  • Gefühl:
  • Illustration:

Könnte Ihnen auch gefallen: