sleeper

Die Schlinge zieht sich zu

von Ed Brubaker
Rezension von Stefan Cernohuby | 23. Februar 2009

Die Schlinge zieht sich zu

Wenn man in einer gefährlichen Situation steckt, glaubt man oft, es kann nicht mehr schlimmer kommen. Dieser Glaube hält dann genau so lange an, bis es schlimmer kommt. Dem Doppelagenten Holden Carver in Ed Brubakers Reihe "Sleeper" geht es genauso. Nachdem seine einzige Kontaktperson, die von seiner Rolle wusste, im Koma liegt, schien sich seine Situation eigentlich kaum mehr verschlimmern zu können. Das war ein Irrtum, was im zweiten Teil, "Die Schlinge zieht sich zu" klar wird.

Undercover hat sich Holden Carver bis auf die zweithöchste Ebene der Verbrecherorganisation Taos hochgearbeitet. Sein bester Freund ist ein Massenmörder, seine Geliebte eine Frau, die nur durch böse Taten am Leben bleiben kann. Was seinen Boss angeht, hat sich allerdings relativ wenig geändert. Dieser ist genauso wie sein im Koma liegender Auftraggeber Jack Lynch überaus intelligent, gerissen und verfolgt Pläne, die außer ihm keiner durchschauen kann. Als plötzlich ein Agent aus dem Ruhestand auftaucht, um Carver zu retten, weiß dieser nicht mehr genau, was er tun soll. Doch die versuchte Extraktion geht schief, es gibt eine Menge Leichen. Nun gibt es keine einzige weitere Person, die ihm helfen kann und in Taos Organisation ist bekannt geworden, dass es einen Verräter gibt. Die Nachforschungen laufen und - wie der Titel des Comics lautet - die Schlinge zieht sich langsam um Holden Carver zu...

Ed Brubaker hat schon im Prolog der eigentlichen Geschichte "Point Blank" und mit dem Vorgänger "Das Schaf im Wolfspelz" bewiesen, dass er auch das Wildstorm-Universum problemlos als Vorlage für seine düsteren Geschichten verwenden kann. Er hat eine Handlung gewoben, die gar nicht hoffnungsloser sein könnte. In seiner Rolle muss Carver sowohl gute als auch böse Menschen töten, was seiner Tätigkeit im Geheimdienst sehr ähnelt. Langsam aber sicher verwischen sich die anfangs so klar scheinenden Trennlinien. Nachdem er einen Superhelden und einen anderen Doppelagenten getötet hat, glaubt ihm verständlicherweise keiner mehr, dass er selbst nicht für Tao arbeitet. Als Leser bekommt man aber auch das Gefühl, als würde der Protagonist auch gar nicht mehr wirklich versuchen, sich von seinen Kollegen zu distanzieren - obwohl Taos manipulativer Einfluss ihn nicht zu erreichen scheint. Das Ende des Comics ist diesbezüglich allerdings wie ein Schlag ins Gesicht. Sowohl auf der Seite der "Bösen" als auch der "Guten" geschieht etwas ziemlich Unerwartetes, was den folgenden dritten Teil sicherlich sehr interessant macht. Insgesamt weiß der Band sehr zu gefallen. Action, Spannung, Sex und Gewalt, aber vor allem die düstere Stimmung und das intensive Mitleiden mit Holden Carver machen "Sleeper" und somit auch "Die Schlinge zieht sich zu" zu einem Comicerlebnis der Extraklasse, unterstützt natürlich auch durch Sean Phillips stimmungsvolle Noir-Illustrationen. Es kann jedem Liebhaber düsterer Comics nur empfohlen werden.

Auch im zweiten Band der Serie "Sleeper", der den Titel "Die Schlinge zieht sich zu" trägt, beweist Ed Brubaker, dass er in der Lage ist, herausragende Comics zu schaffen. In Zusammenarbeit mit Zeichner Sean Phillips ist hier ein Werk entstanden, das sich vor Größen des Genres keineswegs verstecken muss.

Details

  • Autor/-in:
  • Serie:
  • Band:
    2
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    01/2009
  • Umfang:
    144 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • ASIN:
    3936480729
  • ISBN 13:
    9783936480726
  • Preis:
    19,8 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Gewalt:
  • Illustration:

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