Before Watchmen

Comedian

von Brian Azzarello
Rezension von Stefan Cernohuby | 02. August 2013

Comedian

Manche Seriencharaktere entwickeln ein seltsames Eigenleben. Sie werden zum Aushängeschild der gesamten Reihe, es geht um ihre Sichtweise, ihre Entscheidungen und ihre Interaktionen mit den anderen Charakteren - und das, obwohl sie zu dem Zeitpunkt, wo die Handlung startet, eigentlich schon tot sind. Dieser Kunstgriff wurde nicht von abendlichen Serien erfunden, sonden unter anderem auch schon von Alan Moore in "Watchmen" angewendet. Nun erscheint in der "Before Watchmen"-Reihe jener Band über den insgeheim wichtigsten Charakter, den Comedian.

Edward Blake alias Comedian ist zu Beginn des Bandes bereits ein gesetzter Mann. Zudem ist er sehr gut mit der Familie Kennedy vertraut, die er zwar nicht liebt, aber doch verehrt - seinen eigenen Worten zufolge. Er erledigt kleine Gefallen für sie, auch für Jackie, darunter die Beseitigung einer unerträglichen Blondine. Blake ist sehr verärgert, als er, anstatt John F. Kennedy nach Dallas zu begleiten, von Vorgesetzten losgeschickt wird um einen maskierten Kleinganoven wegen Drogendelikten festzunehmen. Doch nachdem er in üblicher Manier sich einen blutigen Weg zum Anführer der Bande gebahnt hat, findet er diesen vor einem Fernseher wieder, wo gerade eine Eilmeldung über das Kennedy-Attentat gebracht wird. Nachdem der Comedian erkennt, dass man ihn gezielt abgezogen hat, kommt ihm der Vietnamkrieg gerade recht, um sich abzureagieren. Sinnlose Brutalität, Drogen, pausenlose Kämpfe und eine Unzahl an Feinden sind nach seinem Geschmack. Ein kurzer Abstecher in die Heimat führt nur zu Frustration, da man ihn als Zerstörungswerkzeug verdammt und seine Arbeit keineswegs würdigt. Und auch die maskierten "Kollegen" sind in seinen Augen nur Abschaum. So ist es kein Wunder dass er in laufenden Rassenunruhen das Feuer eher schürt als es zu löschen. Sein Blutdurst entlädt sich schließlich in einem Massaker in einem kleinen vietnamesischen Dorf. Und diese Tat will nicht einmal sein Freund und zukünftiger Präsidentschaftskandidat Robert Kennedy decken. Was tut Blake also, als er von dem Plan erfährt, dass ein weiterer Kennedy getötet werden soll?

Man kann sich in einem Prequel einer Reihe an jener Vorlage eines Charakters orientieren, die der Originalautor geschaffen hat. Oder man begibt sich in eine andere Richtung, um dem Ganzen eine eigene Note zu verleihen. Brian Azzarello, unter anderem bekannt für seine "100 Bullets"-Reihe, hat versucht, den Charakter des Comedian ein wenig anders zu charakterisieren als im Original. In der Geschichte gelingt es ihm, das auch zu begründen, indem er Aussagen aus "Watchmen" einfach anders interpretiert - beispielsweise auf John F. Kennedy bezogen. Doch leider ist der Charakter, so ambvialent wie ihn Azzarello zeichnet, einfach nicht glaubwürdig. Er unterstützt Kennedy und seinen Bruder in ihre Politik, mit der sie unter anderem den Krieg beenden wollen, marschiert dann aber voller Freude in die Schlacht, um sinnlos Blut zu vergießen. Er soll den Charakter darstellen, der im Original ohne viel nachzudenken die Pläne des intelligentesten Mannes der Welt verstanden hat. Der seine Existenz, sein Dasein als Witz ausgerichtet hat, da er die Realität nur als solche ertragen kann. Es funktioniert nicht. Jener Blake in "Before Watchmen - The Comedian" versteht die großen Zusammenhänge nicht, er scheint nicht einmal interessiert daran. Und gerade hier scheitert der Band, beweist der Comedian in "Watchmen" den anderen Helden in deren Rückblicken doch durch einfache Kommentare, dass genau das sein wahres Talent ist, weswegen er einen Panzer aus Zynismus aufgebaut hat und alles nur als schlechten Scherz sieht. Auch die Tatsache, dass er sich laufend als "Superheld" bezeichnet und das klassische Smilie-Symbol erst am Ende des Werks auftaucht ist keineswegs der positiven Einstellung des Lesers zuträglich.
Das Werk selbst wäre nicht schlecht gelungen, würde es sich nicht um eine komplette Neupositionierung eines Kultcharakters handeln, die so betrachtet komplett versagt hat. Gerade wahren Fans kann man diesen Band absolut nicht empfehlen.

"Comedian" ist der dritte Band, der mittlerweile in der Reihe "Before Watchmen" erschienen ist. Leider kann die Erscheinungen in ihrer Reihenfolge nur mit folgenden Worten bedenken. Schwach, Schwächer, Sakrileg! Die alternative Darstellung des Charakters und lässt leider auch einige interessante Aspekte der Handlung komplett im Hintergrund verschwinden. Leider kann man diesen Comic niemandem empfehlen, der sich mit "Watchmen" eingehend beschäftigt hat.

Details

  • Autor/-in:
  • Band:
    3
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    07/2013
  • Umfang:
    144 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ASIN:
    3862014819
  • ISBN 13:
    9783862014811
  • Preis:
    16,99 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gewalt:
  • Gefühl:
  • Erotik:
  • Illustration:

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