Bobby Dollar

Spät dran am Jüngsten Tag

von Tad Williams
Rezension von Stefan Cernohuby | 22. Oktober 2015

Spät dran am Jüngsten Tag

Nach Ansicht unterschiedlicher Religionen wird die Erde ein relativ unerfreuliches Ende nehmen, da die Mächte des Guten und des Bösen ihre Endschlacht auf selbiger austragen werden. In der Bibel wird die sogenannte Apokalypse in der Offenbarung des Johannes behandelt. „Der jüngste Tag“, wie der exakte Zeitpunkt auch genannt wird, hat es auch in den Titel von Tad Williams dritten „Bobby Dollar“-Roman geschafft. Dieser heißt nämlich „Spät dran am Jüngsten Tag“.

Der Engel Doloriel, den meisten Lesern und Freunden bekannt als Bobby Dollar, hat es wirklich verbockt. Nachdem ein Geschäft mit dem Höllenfürsten Eligor komplett schiefgegangen ist, ist für ihn wieder der eintönige Joballtag eingekehrt. Doch er kann seine Freundin, die wieder in die Hölle zurückkehren musste, nicht vergessen, will sie nicht vergessen. Als er dann noch von einigen Mitgliedern der Schwarzen Sonne, einer Truppe an Übersinnlichem interessierter Rechtsnationaler Glatzköpfe, verprügelt wird, hat er genug. Er will herausfinden, wer seine Feinde sind. Und von denen gibt es eine Menge. Unterstützung erhält er von zwei kampfbereiten Ukrainerinnen, die einer uralten Amazonenbewegung angehören, und seinem jungen Assistenten Harrison alias Clarance. Leider stellt sich heraus, dass sein wahrer Gegner nicht die Hinterleute der rechtsradikalen Schläger sind, sondern eine waschechte Göttin, die eine Umschulung zum Engel gemacht hat. Und ihr monströser Plan, der an dieser Stelle noch nicht offenbart werden soll, beinhaltet nicht wirklich, dass man ihr in ihrem Tun auf die Schliche kommt und sie aufhält. So hat Bobby sehr geringe Chancen, sich gegen ein gottgleiches Wesen zu stellen, vor allem da er selbst im Himmel unter Anklage und Generalverdacht steht…

Manche Geschichten entwickeln sich, weil der Protagonist über ein düsteres Geheimnis stolpert und selbigem aus purer Heldenhaftigkeit nachgeht, um im vollen Bewusstsein stets das richtige zu tun, um die Welt oder gar das Universum zu retten. Im Fall von Bobby Dollar rettet derselbe zwar viele, doch seine Motivation ist eine andere. Er will einfach nur mit jener Frau zusammen sein, die er liebt. Wobei „Zusammensein“ vielleicht ein wenig verharmlost, was passiert wenn sich die beiden in einem Raum befinden, aber dennoch ist es ein einfacher Beweggrund und auch kein unbedingt edler. Für einen Engel ist Doloriel ohnehin nicht der sauberste Zeitgenosse. Von seinem Ausdruck, dem permanenten Sarkasmus, seinen Freunden in nicht gerade besten Kreisen, seinen eher halblegalen Aktionen und bewusstem Hinwegsetzen über ureigenste Gesetze des Himmels einmal ganz abgesehen. Die Handlung des Romans ist spannend, wenngleich nicht unbedingt tiefschürfend. Die Charaktere sind meist amüsant, besonders in Interaktion mit dem Protagonisten, und die Geschichte selbst kommt diesmal auch ohne größeren Ekelfaktor aus, was sehr erfreulich ist. Am Ende bleiben jedoch immer noch einige lose Enden zurück, besonders was die Vergangenheit von Bobby angeht, als er noch am Leben war. Insofern kann man sich vielleicht noch auf eine Fortsetzung freuen, die genau dieses Thema aufgreift.

„Spät dran am jüngsten Tag“ ist der dritte Band in der Reihe „Bobby Dollar“ von Tad Williams. Auch wenn es in diesem Roman nicht zur Apokalypse kommt, ist die Handlung gleichermaßen spannend wie unterhaltsam. Da auch der Humorfaktor nicht zu kurz kommt, können wir das Werk allen Fans von Tad Williams empfehlen. Wer in der Realität angesiedelte Phantastik mag, wird hiermit sicher keinen Fehlkauf tätigen.

Details

Bewertung

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  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gewalt:
  • Gefühl:
  • Erotik: