Schweig Still

von Mikaela Sandberg
Rezension von Stefan Cernohuby | 17. Januar 2017

Schweig Still

Wer an Schweden denkt, assoziiert damit meist einige spezielle Begriffe. Stockholm, Schwedische Krone(n) und Krimis. Genau, Schweden-Krimis haben sich zu einem ganz eigenen Genre entwickelt, dessen Fokus nicht nur auf der Ermittlung der Kriminalfälle, sondern auch sozialkritische Aspekte einbringen und dabei meist familiäre Abgründe aufdecken. Mit „Schweig still“ ist jetzt ein Schweden-Krimi erschienen, der zumindest in einer Hinsicht bemerkenswert ist, denn die Autorin ist Deutsche.

Alkohol im Blut und Blut auf dem Küchenboden. Damit beginnt ein Fall für Kommissarin Hannah Lundqvist, der sie vor einige Herausforderungen stellt. Und das obwohl sie ihn nur zugeteilt bekommt, weil der eigentliche Ermittler auf Urlaub ist. Der erste Verdacht, dass das junge Mädchen Nelli ihre Mutter im Streit und in alkoholisiertem Zustand ermordet hat, zerschlägt sich schnell. Auch das zweite Ermittlungsergebnis wirft zwar ein schlechtes Licht auf einen Kollegen, hilft aber keineswegs weiter. Es scheint in gewisser Hinsicht um einen Scheidungsvater, eine Ballettschule und einen Stalker zu gehen, aber die Suche nach der richtigen Person dauert an. Weder Nelli selbst, noch Frau Blom – die Chefin ihrer Mutter – sind wirklich eine große Hilfe bei den Ermittlungen. Erst langsam kristallisiert sich heraus, dass es um Fotos gegangen ist, die im Internet veröffentlicht worden sind. Ging es um Erpressung? Um Liebe? Oder gar um Beides? Es wartet noch eine ganze Menge an Arbeit auf die Ermittler Hannah und ihren Kollegen Gunnar Nyberg...

Eines der Markenzeichen von Schwedenkrimis ist, dass sie in ihrem eigenen Tempo vorgehen. Sie lassen sich nicht hetzen, beeinflussen oder gar schockieren. Action ist in dem Genre kein völliges Fremdwort, aber doch eher rar gesät. Mikaela Sandberg, ein Pseudonym der deutschen Autorin Michaela Stadelmann, hält sich eng am Stil typischer Schwedenkrimis. Das lässt natürlich keine großen Überraschungen zu. Die Handlung schraubt sich in ein gesellschaftliches Problemthema, viele persönliche Abgründe tun sich auf und zu guter Letzt fügt die Autorin dem ganzen Werk mit der Ballettschule noch eine gewisse persönliche Note hinzu. Denn Ballett war schon ein Thema in früheren ihrer Romane.
Die Handlung selbst macht zwar die eine oder andere Wendung und man kann auch nicht wirklich behaupten, dass man den Schurken des Romans von Anfang an erkannt hätte. Trotzdem muss man Schwedenkrimis wirklich mögen, damit einem das Buch gefällt. Die Spannungskurve ist gleichbleibend, die Charaktere werden nicht unbedingt sehr sympathisch und die wirklich großen Überraschungen bleiben aus.

„Schweig Still“ ist der Debütroman des Pseudonyms Mikaela Sandberg der deutschen Autorin Michaela Stadelmann. Das als Schweden-Krimi konzipierte Werk hält sich an die bereits häufig gegangenen Wege des Aufbaus, auch wenn die Autorin ihre eigene persönliche Note mit einbringt. Fans des Subgenres kann das Werk durchaus gefallen, wer jedoch mit dem generellen Vorgehensmodell und den Sozialstudien desselben nichts anfangen kann, wird wegen des Buchs trotzdem nicht in Begeisterungsstürme ausbrechen. Denn das Werk ist insgesamt nur solider Durchschnitt.

Details

Bewertung

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