Orks - Die ganze Saga

von Michael Peinkofer
Rezension von Stefan Cernohuby | 23. Oktober 2011

Orks - Die ganze Saga

Es gibt Rassen im Bereich der Fantasy-Literatur, die man selten mit Helden in Verbindung bringt. Eine davon sind definitiv die Orks. Nicht nur im "Herrn der Ringe" werden sie zu Tausenden dahingeschlachtet, auch in anderen Erzählungen stellen sie eher hirnlose und rein gewalttätige Kreaturen dar, die willige Diener für ihre dunklen Herren sind. Dass dies nicht immer der Fall sein muss, hat Michael Peinkofer in seiner Orks-Trilogie bewiesen. Diese ist im Piper Verlag noch einmal in einem Sammelband erschienen. Dieser trägt den Titel "Orks - Die komplette Saga".

Orks sind nicht gerade für ihren unerschütterlichen Mut und ihre Loyalität bekannt. Doch sind sie erst im Blutrausch, kämpfen sie bis zum letzten Ork - zumindest die meisten von ihnen. Rammar und Balbok sind Brüder, und obwohl Orks im Normalfall keine verwandtschaftlichen Beziehungen pflegen, sind sie immer gemeinsam anzutreffen. So ist Balbok ein vortrefflicher Kämpfer und tapfer bis zur Selbstaufgabe. Rammar dagegen ist zusätzlich zu seiner Fettleibigkeit auch noch ausgesprochen feige. Nur aus diesem Grund überleben die beiden einen Hinterhalt der Gnomen. Balbok, weil er jeden Feind erschlägt, Rammar, weil er sich in einer Felsspalte verkriecht. Als den beiden vorgeworfen wird, den Kopf ihres Anführers nicht zu ihrem Stamm zurückgebracht haben, werden sie mit genau dieser Mission losgeschickt. Es beginnt eine Odyssee, wie sie ihresgleichen sucht. Bereits im ersten Roman müssen sie sich mit Gnomen, Zwergen, Eisbarbaren, Elfen und bösen Zauberern herumschlagen. Nicht zuletzt helfen sie unbewusst einem Kopfgeldjäger dazu, einen Thron zu besteigen. All das unter andauernden Beschwerden Rammars und stetigen Beleidigungen in Richtung seines nur scheinbar so dummen Bruders.
Man sollte meinen, dass es genug Abenteuer bedeutet einen großen Schatz zu erbeuten und Herrscher eines Orkstamms zu werden. Doch nach einigen Monaten ununterbrochenen Feierns kommt es den beiden beinahe Recht, dass sie durch einen Boten von König Corwyn - des ehemaligen Kopfgeldjägers - dazu gezwungen werden, erneut in ein Abenteuer zu ziehen. Denn obwohl sie ein uraltes Übel bezwungen haben, gibt es ein entferntes Reich, das nicht einverstanden mit dem Gedanken von ewigem Frieden zu sein scheint. Sie sollen dieses ausspionieren und nach Möglichkeit das Übel beseitigen, das die freie Welt bedroht. Dafür verspricht man ihnen erneut einen großen Schatz. Diesen wollen sie sich nicht entgehen lassen... aber nicht jenen, der im Turm des Feindes versteckt wird. Verbietet man einem Ork, sich von einem Schatz zu bedienen, ist das mit Bestimmtheit die beste Möglichkeit, sie genau dorthin zu locken. Doch während Rammar und Balbok nur harmlose Plünderung im Sinn haben, öffnen sie dabei ein uraltes Portal. Dieses bringt einerseits Dunkelelfen zurück ins Reich der Menschen, andererseits befördert es die beiden Orks in die Fernen Gestade - zu jenem Ort, an den sich die Elfen seit Menschengedenken immer weiter zurückziehen. Doch dort geht nicht alles mit rechten Dingen zu, denn weder sind die Elfen dort freundlich, noch herrschen paradiesische Zustände. Im Gegenteil, die Orks müssen als Sklaven schuften und alle Elfen sind sadistische Mörder. Doch die beiden Hauptcharaktere würden nicht Rammar und Balbok heißen, wenn sie nicht einen Weg finden könnten, der tödlichen Situation zu entkommen. Und wenn sie dafür erst einmal Piraten werden und einen weiteren dunklen Herrscher stürzen müssen...

Oftmals ist es eine der schlechtesten Kritikformen, einen Fantasyroman mit den Werken von J. R. R. Tolkien zu vergleichen. Doch in diesem Fall ist zumindest eine Anmerkung angemessen. Denn Michael Peinkofer hat viele Inhalte absichtlich an den "Herrn der Ringe" angelehnt, und gewisse Ereignisse etwas anders ausgelegt. Was, wenn ein Thron jemandem zufällt, mit dem niemand gerechnet hätte? Was, wenn die Elfen mit ihren "Davonsegel"-Aktionen einen bitterbösen Fehler machen? Diese und viele weitere Sub-Themen sind mehr oder weniger subtil in die drei Romane eingeflochten. Und eines ist sicher, sie machen in der Neufassung definitiv mehr Spaß als im Original. Denn trotz aller Brutalität und tragischer Verlust ist immer ein Augenzwinkern des Autors zu bemerken, wenn Rammar der "(schrecklich) Rasende" und Balbok, der "(ungemein) Brutale" auf den Plan treten. Etliche Stunden bester Unterhaltung erwarten jeden Leser. So darf man beruhigt zugreifen, wenn man wieder einmal ein Fantasywerk genießen möchte, dass sich selbst nicht so furchtbar ernst nimmt. Und auch Liebhaber eines bekannten klassischen Comedyduos, bei dem ein Part dick und der andere nicht gerade schlau ist, werden auf ihre Kosten kommen.

"Orks - die komplette Saga" ist auf gewisse Art und Weise schwere Lektüre. Hauptsächlich liegt dies aber daran, dass das Buch drei Romane enthält und insgesamt fast 1.600 Seiten lang ist. Der Inhalt hingegen ist unkomplizierte humorvolle Fantasy, die nicht nur einige Anspielungen an bekannte phantastische Universen enthält, sondern auch zwei äußerst sympathisch-unsympathische Hauptpersonen. Jeder, der von Fantasy hauptsächlich gut unterhalten werden möchte, sollte hier auf jeden Fall zugreifen.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    09/2011
  • Umfang:
    1600 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ASIN:
    3492702392
  • ISBN 13:
    9783492702393
  • Preis:
    20 €

Bewertung

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    Keine Bewertung

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