Temperance Brennan

Hals über Kopf

von Kathy Reichs
Rezension von Janett Cernohuby | 26. Januar 2009

Hals über Kopf

Neun ist eine interessante Zahl. Sie gilt als Zahl der Vollkommenheit, da sie dreimal die in vielen Kulturen als "göttlich" angesehene Zahl Drei' enthält. Beethoven schrieb neun Sinfonien, in Tolkiens "Herr der Ringe" standen neun Gefährten neun Ringgeistern gegenüber. Auch Katzen werden neun Leben zugeschrieben.
Warum auf diese Zahl eingegangen wird? "Hals über Kopf" von Kathy Reichs ist der neunte Roman, der von ihrer autobiographisch angehauchten Heldin Temperance Brennan handelt. Somit muss man sich wohl einiges erwarten!

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Temperance Brennen übernimmt die Vertretung eines Kollegen und begleitet eine Studentengruppe auf Dewees Island vor der Küste South Carolinas um Ausgrabungen an einer alten indianischen Stätte durchzuführen. Bis auf dem Bauunternehmer Dickie Dupree, der in den Grabungen eine Gefahr für sein Bauprojekt sieht, verlaufen diese problemlos. Doch am vorletzten Tag des Projekts entdeckt die Gruppe in den Dünen ein Skelett, das offenbar erst vor einigen Jahren dort vergraben worden sein konnte. Kurz nachdem Tempe die Untersuchungen der Knochen abgeschlossen hat, wird eine weitere Leiche gefunden. Zusammen mit dem örtlichen Sheriff birgt Tempe diese in den Sümpfen auf dem Festland. Alles deutet auf Selbstmord durch Erhängen hin. Doch bei genaueren Untersuchungen der Knochen stößt Tempe auf Wirbelfrakturen, die nicht mit einem Freitod in Verbindung gebracht werden können. Hinzu kommt, dass es sich bei den Frakturen um die gleichen handelt, wie bei dem Skelett von Dewees Island. Tempe erzählt ihrem Noch-Ehemann und Anwalt Pete von den Fällen. Dieser ist an die Küste gekommen um die vermisste Tochter eines Klienten zu finden. Gemeinsam werden sie auf den Fernsehprediger Aubrey Herron und eine Klinik, die Herron finanziell unterstützt, aufmerksam. Ist Herron in die Mordfälle verwickelt? Und was verschweigt der Chefarzt dieser Klinik? Tempe und Petes Detektivduo erhält tatkräftige Unterstützung durch Andrew Ryan und zusammen kommen sie einer grausamen Organisation auf die Schliche. Doch dieser Frühling hält für Tempe noch einen weiteren harten Schicksalsschlag bereit.

Mit "Hals über Kopf" erschien nun endlich ein weiterer Roman, dessen Protagonistin die Anthropologin Temperance Brennan ist. Doch dieses Buch ist anders, denn die Autorin wich beim Schreiben von ihrer bisherigen Vorgehensweise ab. So lässt sie in die Geschichte nicht nur einen oder einige wenige Fälle aus ihrem Berufsleben einfließen, sondern bringt Elemente aus vielen unterschiedlichen Begegnungen mit ein. Da ist zum Beispiel die Ausgrabungsstätte, die sie zu Beginn ihrer Karriere untersuchte; oder das Ausgrabungsseminar, welches sie einmal für die Universität geleitet hat; da ist ein Coroner-Fall, der ihr einst in einer Plastikwanne übergeben wurde; da sind Schnittspuren und Wirbelbrüche, die sie für Mordermittlungen und Rekonstruktion von Unfällen analysierte; da ist der Selbstmörder, dessen Überreste an einem Baum hängend gefunden wurden. Doch eines hat auch dieser Roman mit seinen Vorgängern gemeinsam: die Geschichte basiert auf jahrelangen Erfahrungen aus Kathy Reichs Arbeit als forensische Anthropologin. Und auch den Erzählstil, dich Ich-Form, hält die Autorin bei.

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Der Plot ist gut wie immer, die Erzählweise flüssig und mitreißend, der Schluss überraschend wie so oft, aber dennoch wollte die Spannung, gerade im Vergleich zu ihrem letzten Buch "Totgeglaubte leben länger", nicht so recht aufkommen. Vielleicht bin ich auch nur mit zu hohen Erwartungen an das Buch herangetreten, denn verschlungen habe ich es allemal. Insgesamt ist es also ein weiterer großartiger Roman aus der Feder von Kathy Reichs.

Details

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gewalt:
  • Gefühl:
    Keine Bewertung
  • Erotik:
    Keine Bewertung

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