Temperance Brennan

Das Grab ist erst der Anfang

von Kathy Reichs
Rezension von Janett Cernohuby | 12. Januar 2010

Das Grab ist erst der Anfang

Nach zwei eher schwachen Romanen fällt es einem Leser schwer, noch einmal ein Buch desselben Autors zu kaufen. Bei Kathy Reichs verhält es sich ein wenig anders. Schließlich waren ihre ersten neun Werke überaus spannend und fesselnd. Daher hofft man als begeisterter Leser, dass sie ihre Leistungen wieder auf das gewohnte Niveau anhebt. Ob Kathy Reichs dies bei ihrem aktuellen Roman "Der Grab ist erst der Anfang" endlich wieder gelungen ist?

Verwirrt und desorientiert wacht Tempe Brennan in einer dunklen, engen Kammer auf. Sie ist an Händen und Füßen gefesselt, Schmerzen durchfahren ihre Knochen, als sie versucht, sich zu bewegen. Was ist passiert? Nur langsam und bruchstückhaft kehren die Erinnerungen zurück; führen Tempe zurück zu den Ereignissen der letzten Tage. Alles begann mit einer Einladung nach Chicago. Natürlich ging es dabei nicht um eine erfreuliche Veranstaltung, denn der forensischen Anthropologin wurde vorgeworfen, dass sie bei der Untersuchung eines Todesfalls unsauber gearbeitet und Beweise vertuscht habe. Eine Anschuldigung, die Temperance keineswegs auf sich sitzen lassen konnte. Doch die Verdächtigungen werden nicht weniger. In den nächsten Tagen kommt es auch in Quebec immer wieder zu Zwischenfällen, bei denen Beweismittel verschwinden, Knochen nicht genau untersucht werden und Spuren übersehen werden. Was ist los? Lässt Tempes Arbeitseifer tatsächlich nach oder ist hier ein Saboteur am Werk.
Dem nicht genug, ermittelt Tempe Brennan auch noch im Mordfall dreier älterer Damen. Auf den ersten Blick scheinen die Tode nichts miteinander zu tun zu haben. Doch je mehr Spuren Tempe nachgeht, desto mehr Licht kommt in die Sache. Doch schließlich versinkt alles wieder im Dunkel und Tempe findet sich in ihrem eigenen Grab wieder...

Bereits der Anfang des Romans entpuppt sich als völlig anderes, als man es bisher bei der amerikanischen Autorin gewohnt war. Es ist eine willkommene Neuerung, verspricht diese doch einen neuen, frischen Wind. Und tatsächlich knüpft Kathy Reichs im Verlauf der Handlung wieder an ihre alte Stärke an, wenn auch mit einigen Fehltritten. Freilich wird dem Leser rasch klar, was und wer hinter den Sabotageversuchen gegen die Protagonistin stecken. Zwar nimmt dies dem Roman ein wenig Spannung, jedoch erhält das Werk dadurch eine neue Wendung. Weg von der Selbstbemittleidung Tempe Brennans wegen ihrer gescheiterten Ehe und ihrer verkorksten Beziehung zu Andrew Ryan. Endlich rückt wieder die Arbeit der forensischen Anthropologin ins Rampenlicht, wenngleich die Tätigkeiten dem Leser schon längst vertraut sind. Doch zuviel Fachsimpelei würde den Lesefluss und den Spaß bremsen und so freut man sich, dass Kathy Reichs scheinbar endlich wieder zu ihrer gewohnten Stärke zurückfindet.
Sprachlich ist der Roman wie seine Vorgänger. Locker, flapsig, manchmal sogar gereizt, tauschen Tempe und Ryan ihre Gedanken miteinander aus. Freilich spürt man als Leser deutlich, dass Tempe noch immer unsicher und verletzt ist. Noch kann sie dem Polizisten nicht richtig vertrauen. Will er doch die Beziehung der beiden fortführen. Doch wen wunderts? Immerhin war er bereit für seine lange unbekannte Tochter sein bisheriges Glück aufzugeben. Wer weiß denn da, ob er sich doch nicht wieder gegen Tempe entscheidet. Dennoch kann man aufatmen, scheinen die beiden sich nun wieder aneinander anzunähern.

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Somit ist "Das Grab ist erst der Anfang" ein gelungener Roman, der hoffen lässt, dass die Autorin auch künftig wieder zurück zu ihrer alten Stärke findet. Den ersten Schritt hat sie auf jeden Fall getan und präsentiert den Lesern hiermit einen spannenden und fesselnden Roman, der die Qualität der beiden Vorgänger "Knochen zu Asche" und "Der Tod kommt wie gerufen" vergessen lässt. Hoffen wir, dass diese Steigerung anhält und wir mit dem nächsten Band wieder eine atemberaubende Geschichte der forensischen Anthropologin Temperance Brennan mitverfolgen dürfen.

Details

Bewertung

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    Keine Bewertung

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