Der wilde Planet

von John Scalzi
Rezension von Stefan Cernohuby | 30. Dezember 2011

Der wilde Planet

Im Weltall gibt es unzählige Sterne und dementsprechend vermutlich sogar noch "unzähligere" Himmelskörper, die um sie kreisen - erfüllen sie gewisse Kriterien, werden sie Planeten genannt. In Science-Fiction-Romanen spielen diese zwangsweise eine große Rolle, so auch im neuesten Roman von John Scalzi, der passenderweise den Titel "Der wilde Planet" trägt. Ob sich dies auf seine Bewohner oder auf die Umwelt bezieht, verrät einem die Lektüre.

Prospektor zu sein ist im Normalfall ein sehr harter Job. Doch Jack Holloway hat sich mit seiner Arbeit soweit arrangiert, dass er mit ihr und seinem Hund Charly eine Menge Spaß haben kann. Zum Beispiel wenn er diesen Sprengladungen auslösen lässt, um leicht illegale Bodenproben freizulegen. Zuerst scheint er bei seinen neuesten Untersuchungen eine ökologische Katastrophe ausgelöst zu haben, doch dann stellt sich heraus, dass er den größten Fund eines seltenen Minerals auf dem ganzen Planeten freigelegt hat. Ein Fund der ihn innerhalb kürzester Zeit zum reichsten Mann im ganzen Sektor machen würde. Doch leider macht er gleichzeitig eine Entdeckung, die seinen ersten Fund revidiert. Denn in seiner Wohnung - und somit auf dem ganzen Planeten - scheint es zumindest eine intelligente Rasse zu geben, die Fuzzys. Dies würde weitere Ausbeutung der natürlichen Ressourcen des Planeten augenblicklich unterbinden. Doch der Ex-Anwalt mit seiner Ex-Freundin der Biologin und dem provokanten Verhalten eines pubertierenden Teeangers hat einen Plan. Einen Plan der nicht nur planloses Vorgehen enthält, sondern einige Asse im Ärmel, eine Gerichtsverhandlung, Erpressungsversuche, Meineid, Mordanschläge und jede Menge unterschiedlicher Fuzzys.

Fuzzys? Ja, so heißen die kleinen, pelzigen, Katzen- und Affenähnlichen Wesen, die sich in Jack Holloways Wohnung eingenistet haben. Und falls jemand an dieser Stelle die Hand heben und anbringen möchte, dass ihm die Handlung im Groben und Ganzen bekannt vorkommt, der hat vermutlich Recht. Denn das Werk ist gewissermaßen eine Neuerzählung oder Neuinterpretation des Romans Der kleine "Fuzzy" von H. Beam Piper. Allerdings hat John Scalzi die Charaktere ganz anders angelegt, sie ausgebaut und auch die Geschichte mehr als doppelt so lang gestaltet. Eine Änderung, die dem Buch sichtlich guttut. Einzig und allein die Überlegenheit von Scalzis Protagonisten im Vergleich zu anderen Charakteren wirkt wieder etwas übertrieben. Denn Jack Holloway spielt nicht nur einen Schläger an die Wand, sondern auch dessen Auftraggeber. Im Kielwasser seiner Aktionen kommen unter anderem ein Prospektorchef, ein Anwalt, der Boss eines Billionen-Konzerns und schließlich und endlich der ganze Konzern gehörig ins Schwimmen. All dies gelingt ihm mit einigen gewieften Winkelzügen, Falschaussagen und dem allerletzten Trumpf, der dann nicht nur sticht, sondern gewissermaßen durchbohrt. Fans unterhaltsamer und vor allem humorvoller Science-Fiction können sich diesem Roman ohne Bedenken widmen. Er wird ganz bestimmt keine Enttäuschung sein. Für jene Leser, die eine Space-Opera wie in seiner "Krieg der Klone"-Reihe erwarten, sollten allerdings lieber zu einem anderen Werk greifen.

John Scalzi bleibt in "Der wilde Planet" - im englischen Original "Fuzzy Planet" - seinem typischen Rezept treu. Eine unterhaltsame Handlung, eine Menge Humor und ein Protagonist, der letztendlich alle anderen in die Tasche steckt und eine überraschende Wendung. Jeder, der die Romane des Autors bis jetzt mit Begeisterung verschlungen hat, kann auch hier ohne zu zögern zugreifen. Aber auch anderen Liebhabern humorvoller Science-Fiction kann dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt werden.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    09/2011
  • Umfang:
    384 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ASIN:
    3453533992
  • ISBN 13:
    9783453533998
  • Preis:
    8,99 €

Bewertung

  • Gesamt:
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  • Humor:
  • Gewalt:
  • Gefühl:
  • Erotik:
    Keine Bewertung

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