Krieg der Klone

Die letzte Kolonie

von John Scalzi
Rezension von Stefan Cernohuby | 10. Juli 2018

Die letzte Kolonie

An gewissen Zeitpunkten ist jedes Ereignis das letzte seiner Art. Meist ist man sich in diesem Moment dieser Tatsache noch nicht bewusst. Von einer ähnlichen Begebenheit weiß auch der Roman „Die letzte Kolonie“ von John Scalzi zu erzählen. In einem Universum, in dem sich die Menschen so ziemlich bei allen außerirdischen Rassen unbeliebt gemacht haben, scheint eine lange Glückssträhne schlussendlich abzureißen.

John Perry hatte eine Menge Glück. Als Elitesoldat in den Kolonialen Streitkräften der Menschen durfte er sich beweisen - siehe auch im Roman „Krieg der Klone“ - und hat als einer von wenigen überlebt. Nun hat er sich zur Ruhe gesetzt und gemeinsam mit Jane Sagan, einer ehemaligen Angehörigen der Spezialeinheit, eine Familie gegründet. Der Brückenschlag zum zweiten Roman „Geisterbrigaden“ gelingt dadurch, dass sie das Mädchen Zoë Boutin adoptiert haben. Zu dritt leben sie nun friedlich als Mitglieder einer Kolonie, bis ihnen von einem ehemaligen Militärkollegen ein Angebot gemacht wird. Sie sollen eine neue Kolonie von ihrer Gründung an kommandieren. Nach einigem Überlegen und genauso viel Nachdruck sagen die beiden zu. Doch sie haben nicht damit gerechnet, dass es sich hierbei um einen politischen Winkelzug handelt. Ein so genanntes „Konklave“ hat bestimmt, dass keine Rasse mehr ohne seine Zustimmung eine neue Kolonie gründen darf. Diese letzte Kolonie soll ein Zeichen für die Machtlosigkeit des Konklaves sein und wird völlig im Verborgenen gegründet - und zwar so gut wie völlig ohne technologische Unterstützung. So bleibt John keine andere Möglichkeit, als auf seinen Einfallsreichtum, seine naturgegebenen Fähigkeiten und eine gewaltige Portion Glück zu vertrauen.

Zum dritten Mal begibt sich John Scalzi in das Universum seines Romans „Krieg der Klone“. Diesmal ist das Thema allerdings weit familiärer als in den beiden bisherigen Romanen, obwohl es sich nur um eine Patchwork-Familie handelt. Pointiert und stets spannend schummelt sich John Perry durch die schwierigsten Situationen, ohne dabei jemals seinen Humor zu verlieren. So gibt es witzige Sprüche am laufenden Band, eine trotzdem interessante und unvorhersehbare Handlung mit einem gelungenen Schluss. Gut gezeichnet sind auch die Charaktere, denn obwohl sie eher humorvoll angelegt sind, hat jeder seine Probleme, dunkle Punkte in der Vergangenheit und persönliche Verluste zu beklagen. Gerade deshalb kommt man aber als Leser voll auf seine Kosten. Mehrere Male nimmt die Geschichte eine Wendung, mit der man eigentlich nicht rechnet, die aber trotzdem glaubwürdig erscheint. Etwas, was viele Romane desselben Genres oft vermissen lassen. Schlussendlich bleibt nur noch zu bemerken, dass John Scalzi seiner eigenen Beteuerung, vorerst nicht mehr in diesem Universum zu schreiben, bereits untreu geworden ist. Denn sein nächster Roman erzählt die gleiche Geschichte nochmals, aus der Sicht der jungen Zoë. Dennoch kann man ihm diese kleine Unaufrichtigkeit verzeihen. „Die letzte Kolonie“ ist jedem zu empfehlen, der eine Vorliebe für gute und witzige Science-Fiction hat.

John Scalzis Roman „Die letzte Kolonie“ ist ein spannender, unterhaltsamer und witziger Science-Fiction-Roman. Er kann jedem, dem die Vorgängerromane gefallen haben und auch all jenen, die Werke mit starken humoristischen Anteilen mögen, nur wärmstens empfohlen werden. Dennoch empfiehlt es sich, auch die vorherigen Romane zu lesen, da nur so das komplette von Scalzi geschaffene Universum erforscht werden kann.

Details

Bewertung

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