Das Syndrom

von John Scalzi
Rezension von Stefan Cernohuby | 25. Januar 2016

Das Syndrom

Zukunftsvisionen in denen gefährliche Krankheiten, virtuelle Realitäten und Roboter eine Rolle spielen, gibt es einige. In der Regel beschränkt sich ein Roman jedoch auf eine bestimmte der erwähnten Ausprägungen. John Scalzi hat nicht nur Joe Hill angekündigt, es tun zu wollen, er hat es tatsächlich getan. Er hat die erwähnten Elemente düsterer Zukunftsversionen miteinander vermengt. Herausgekommen ist der Roman „Das Syndrom“.

Ein Virus hält die Welt seit Jahren in seinem Bann. Er löst eine Menengitis aus, welche wiederum die Gehirne der Betroffenen verändert. Dabei handelt es sich um drastische Veränderungen, was für wenige Menschen positive Effekte gebracht hat, für einige Menschen keine und neben vielen Todesfällen bei zigtausenden zu einem sogenannten „Lock In“ geführt hat. Menschen stecken in ihrem Körper, können aber nicht mit der Umwelt interagieren. Um dies zu beheben, hat man sogenannte Threeps entwickelt. Dem Menschen nachempfundene Roboter, in welche die „Hadens“ ihren Geist transferieren können.
Ein solcher Haden ist auch Chris Shane, der an einem äußerst ungünstigen Tag den ersten Arbeitstag bei der Polizei hat. Denn nach einer Gesetzesänderung fallen gerade viele der Förderungen für Hadens weg und eine Welle von Streiks und Protesten schlägt über der Stadt zusammen. Doch es gibt kaum Handes, die Chris gleichen. Denn wessen Vater, namentlich Marcus Shane, einer der einflussreichsten und reichsten Männer von Amerika ist, der in Kürze für den Senat kandidieren soll, hat kaum Vergleichsmöglichkeiten. Als Chris und die neue Vorgesetzte Officer Vann an ihrem ersten gemeinsamen Fall arbeiten, erweist sich dieser als weit verzwickter als erwartet. Denn anscheinend versucht jemand andere Menschen „fernzusteuern“ und sie für Morde zu verwenden. Menschen, nicht Threeps.

Ohne zu viel von der eigentlichen Handlung vorwegnehmen zu wollen, die Geschichte ist von der ersten bis zur letzten Seite spanend, unterhaltsam und überaus fesselnd. Auch wenn nicht jede Logiklücke in der verwendeten Technologie geschlossen wird, fühlt man sich in einer gründlich durchdachten und überzeugenden Zukunftsversion wieder. Aus der Sicht des Protagonisten beginnt man zu verstehen, wie schwierig sowohl gesellschaftliche Akzeptanz, als auch nur ein einigermaßen normales Leben fallen müssen, wenn sich ein Gutteil der Bevölkerung in einem katatonischen Zustand befinden und auf entweder mechanische oder menschliche Hilfe angewiesen sind, um überhaupt kommunizieren zu können. Darüber hinaus hat der Autor es geschafft, einen Kunstgriff anzuwenden, der zumindest dem Verfasser dieser Kritik völlig unbekannt war. Er hat es im ganzen Roman vermieden, das Geschlecht des Protagonisten auch nur in irgendeiner Form zu nennen, weswegen am Ende eigentlich völlig unklar ist, ob „Chris“ nun ein Mann oder eine Frau ist. Selbst die Hautfarbe von Chris wird nur klar, weil Vater Marcus von sich an einer Stelle als „großem, wütenden, schwarzen Mann mit Schrotflinte“ spricht. Doch dieser Kunstgriff ist sehr einfach mit der Geschichte in Einklang zu bringen. Denn welche Rolle spielt es noch, ob man schwarz, männlich oder weiblich ist, wenn der eigene Körper ohnehin nur in einer Wiege liegt und medizinisch versorgt wird, während man in Standard-Körpern durch den Tag geht? Alle Fans von John Scalzi können auch diesmal wieder zugreifen, sie werden es nicht bereuen.

„Das Syndrom“ ist der neueste Roman des amerikanischen Bestsellerautors John Scalzi, dem es wieder einmal gelungen ist, einen Themenmix aufzubereiten, der zu gefallen weiß. Der typisch flapsige Tonfall des Protagonisten, die erschaffene Welt und auch die erzählte Geschichte vermögen zu überzeugen. Jeder, der gute und auch ein wenig ironische Science-Fiction mag sollte dieses Buch nicht verpassen.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Erschienen:
    07/2015
  • Umfang:
    400 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ISBN 13:
    9783453316607
  • Preis:
    9,99 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gewalt:
  • Gefühl:

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