Das Avalon Projekt

von Wolfgang Hohlbein
Rezension von Stefan Cernohuby | 29. Mai 2009

Das Avalon Projekt

Ölplattformen haben einen eher schlechten Ruf. Kaum eine Gruppierung mag sie, aber bis auf fanatische Umweltaktivisten nimmt jeder zähneknirschend ihre Existenz hin. Doch in Wolfgang Hohlbeins Roman "Das Avalon Projekt" ist eine solche Station mehr, als sie ursprünglich zu sein scheint. Etwas, was man durch die Reputation des Autors aber schon im Vorhinein erwarten konnte. Man darf gespannt sein, welche Geschichte er zu einem Thema spinnt, die schon durch den Titel das Abgleiten in die Artussage impliziert.

Als Versicherungsdetektiv Rudger Harm auf der Plattform "Avalon II" ankommt, ist ihm bekannt, dass dort mehrere Menschen verschwunden sind. Was er aber keineswegs erwartet, ist eine wilde Räuberparole über Zeitreisen und das Auftauchen von vierblättrigem Klee sowie einer jungen, schwerverletzten Frau. Als er diese inmitten eines Sturms ans Festland bringen will, taucht auch noch ein geheimnisvolles Schiff auf, das über tausend Jahre alt wirkt. Doch diese Begebenheiten sind erst der Beginn seines Abenteuers. Wunderheilungen, keltische Kultdolche, eine große Liebe und ein gefährlicher Auftrag von Arthur Spangler, dem Besitzer der Ölplattform und des zugehörigen Unternehmens, lassen ihn immer tiefer in Probleme abgleiten. Als dann noch Mordanschläge, gefährliche Profikiller und Elfen hinzukommen, weiß der eigentlich so rational denkende Versicherungsdetektiv nicht weiter. Mit Spanglers Tochter Jenny (eigentlich Guinevere) und seinem Sohn Lance (eigentlich Lancelot) versucht er das schlimmste zu verhindern, nämlich die Pläne einiger gewissenloser Mörder. Diese haben mit nichts anderem zu tun, als dem geheimnisvollen Reich Avalon. Doch ist Rudger dazu in der Lage oder geht die Aufgabe schlichtweg über seine Kräfte?

Wolfgang Hohlbein ist so etwas wie der Altmeister der deutschen Fantasy. Insofern wundert es den Leser kein bisschen, dass die Handlung nach einigem Vorgeplänkel ins Phantastische abgleitet. Genauso wenig sind dem geübten Hohlbein-Leser die vorkommenden Charaktere fremd. Der Held wider Willen, der zwischenzeitlich immer wieder verletzt wird, ist genauso eines seiner Markenzeichen wie geheimnisvolle Nebengestalten und die mehrfache Feststellung, dass einer der Charaktere etwas realitätsbezogen "völlig falsch" findet. Dies alles gehört wie schon erwähnt dazu und wird im Grunde auch vom Leser erwartet. Keineswegs ist man allerdings auf die unglaubliche Dummheit des Protagonisten gefasst, der zielsicher in jeder wichtigen Szene in ein Fettnäpfchen tritt, immer den falschen Leuten vertraut - und das noch mehrfach -, um zu schlechter Letzt seinem direkten Kontrahenten einen Gefallen nach dem anderen zu erweisen. Selbst für Hohlbein-Verhältnisse ist das ein wenig übertrieben. Abgesehen davon, weiß der Roman mit der üblichen Spannung aufzuwarten, die den Leser trotzdem weiterlesen lässt, auch wenn er sich an anderer Stelle über die Handlung ärgert. Insofern schafft der Autor es trotzdem, den Leser zu fesseln und schon allein deshalb lohnt es sich, den Roman trotz der Kritikpunkte zu erwerben. Alle Fans von Wolfgang Hohlbein werden an diesem Werk ohnehin nicht vorbeigehen können.

"Das Avalon Projekt" ist ein typischer Roman von Wolfgang Hohlbein. Er ist spannend, unterhaltsam und weist den üblichen rasanten Stil auf, dass man das Buch trotz einiger ärgerlicher Stellen nicht aus der Hand legen möchte. Fans des Autors und klassischer deutscher Fantasyliteratur kann es daher bedenkenlos empfohlen werden. An die besten Werke von Hohlbein kommt dieser Roman allerdings nicht heran.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    05/2009
  • Umfang:
    654 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ASIN:
    3492291899
  • ISBN 13:
    9783492291897
  • Preis:
    9,95 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gewalt:
  • Gefühl:
    Keine Bewertung
  • Erotik:
    Keine Bewertung

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