Von der Kunst, einfach anzufangen


Schreibblockaden überwinden lernen, Ziele erreichen, Prokrastination bekämpfen, Aufschieberitis besiegen dank Zeitmanagement und Selbstmotivation
von Philipp Barth
Rezension von Michael Seirer | 30. November 2017

Von der Kunst, einfach anzufangen

Wer kennt sie nicht: die verführerische innere Stimme, die vom Jogging im Regen abrät und lieber eine Partie auf der Spielkonsole vorschlägt? Sie arbeitet listig gegen die eigenen Ziele und hält einen so vom längst überfälligen Projekt ab, das man schon seit langem starten wollte. Das neue Buch von Philipp Barth will damit Schluss machen. Mit vielen leicht verständlichen Strategien geht es der Aufschieberitis an den Kragen und man beginnt jetzt und sofort seine Pläne in die Tat umzusetzen.

Gleich auf der ersten Seite wird man bei der Lektüre beglückwünscht: man habe soeben begonnen (das Buch zu lesen)! Das fühlt sich gut an und motiviert. Direkt anschließend wird dann mit einer Übung das Gefühl provoziert, das in Folge im Buch “Aufschieberitis” genannt wird. Erstaunlich wirksam wird man sich dabei erstmals bewusst, wie listig dieser Mechanismus vorgeht und wie man ihn erkennen kann. Richtig gestartet wird dann mit einem Kapitel zum Erforschen der eigenen Träume - der Basis dessen, was man eigentlich erreichen will. Nach einer Ableitung des Traumbildes zu einer Vision wird diese dann durch einen Orientierungs- und Handlungsplan konkretisiert. Die Themen werden dabei nicht trocken heruntergebetet, wie man das vielleicht von einem Betriebswirtschaftslehrebuch erwarten könnte, sondern durch viele Beispiele und Tipps praxistauglich beschrieben. Der Kern des Buches sind jedoch unzählige Strategien, wie man die eigene Aufschieberitis überlistet und stattdessen zügig zur Tat schreitet. Die Angst vor dem leeren Blatt und Tricks mit dieser umzugehen wird in einem eigenen Kapitel behandelt.

Nach der Lektüre des Buches (zumindest der ersten sieben Kapitel) fühlt man sich ziemlich mit Information überladen. Unzählige Strategien und Handlungsvorschläge beginnen, sich im Kopf zu vermischen und man überlegt, was man sich eigentlich gemerkt hat. Diese Situation scheint der Autor vorausgesehen zu haben. Denn er hat in Kapitel acht mit “In 10 Schritten zum Ziel” die bisherigen Inhalte nochmals in übersichtlicher Form zusammengefasst. Die in Kupferfarbe eingefassten Seiten machen dieses Kapitel auch optisch besonders. Zu guter Letzt wird auch auf den zweiten und dritten Schritt nicht vergessen: wie bleibt man am Ball, wenn man den ersten Schritt getan hat?

Das Buch verwendet wunderbar seidiges Papier und fällt durch ein modern wirkendes und durchgängiges Layout positiv auf. Es macht Freude, das Buch zur Hand zu nehmen.

Die vorgestellten Strategien und Übungen sind sehr vielfältig und werden anschaulich dargestellt. Zusammenfassende Listen helfen, das Wesentliche zu erkennen. Fast immer fehlt jedoch die Information, woher die Strategie stammt oder wo man weiterführende Informationen finden könnte. Literaturangaben wären hier wertvoll, da durch die große Anzahl der Strategien die Information pro Strategie nicht allzu umfassend ist.

Nach dem Kapitel zur (Eigen-)Motivation gibt es noch zwei bis drei kurze Seiten für den Fall, dass man sich eben nicht selbst motivieren kann. Hier wünschen sich bestimmt viele Leser eine tiefergehende Hilfestellung. Dafür sind manche Beispieldialoge doch sehr ausführlich und könnten gekürzt werden ohne die Kernbotschaft zu verlieren.

Das Buch will aber nicht nur zu blindem Aktionismus aufrufen und zeigen, wie man noch produktiver wird und noch mehr erledigt (indem man beginnt), sondern auch wie man analysiert, woher das “ich habe keine Zeit” Gefühl kommt und wie man lernt, den Augenblick wieder bewusster wahrzunehmen und damit intensiver lebt.

Aufschieberitis ist nicht unvermeidbar - das zeigt Philipp Barth in seinem Buch. Es hilft, endlich die ersten Schritte in die richtige Richtung zu setzen und zeigt jede Menge Tricks, wie man den listigen inneren Schweinehund nachhaltig überwinden kann. Unangenehme Gewissensbisse gehören nach einem Ausprobieren der verschiedensten Strategien damit wohl der Vergangenheit an.

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