Tribal Signs

von Arzo-Carina Renz
Rezension von Janett Cernohuby | 08. Mai 2009

Tribal Signs

Bauchtanz hat eine ebenso lange wie auch kurze Geschichte. Lang, da seine Ursprünge auf alte Fruchtbarkeits- und Gebärdentänze zurückgeführt werden können. Darin sind dann zahlreiche kulturelle Tänze aus dem alten Ägypten, aber auch der Zigeuner eingeflossen. Kurz, da der Bauchtanz, so wie wir ihn heute kennen, eigentlich erst im 19. Jahrhundert entstanden ist, wenn nicht sogar entwickelt wurde. So gibt es mittlerweile zahlreiche Stile und Variationen, die alle jedoch auf die gleichen Grundbewegungen zurückgreifen. Ein solcher Stil hat sich besonders in den letzten 20 Jahren sehr hervorgetan und findet immer mehr Anhänger: Tribal Style Dance. Im Verlag "Zauberfeder" erschien hierzu nun ein Werk mit dem viel versprechenden Titel "Tribal Signs".

Tribal Dance ist eine ganz besondere Form des Orientalischen Tanzes, dessen eigentliche Wesensart schon in dem kleinen Wort "Tribal" versteckt ist. Stammeszugehörig, übersetzt man es wörtlich. Und genau das symbolisiert der Tribal Dance. Seine Tänzerinnen bilden einen Stamm, der einer Führerin folgt, welche ihren Schwestern mitteilt, was getan werden soll. Tribal Dance verzichtet weitestgehend auf Choreographie und lebt von seinen Improvisationen. Dafür ist - wie es sich für einen Stamm gehört - nicht nur Disziplin wichtig, sondern auch eine Sprache, die alle Tänzerinnen des jeweiligen Stammes verstehen.
Doch wie kann eine Gruppe von mehreren Tänzerinnen improvisieren und dennoch ein einheitliches Tanzbild abgeben? Genau hier kommt die Sprache des Stammes zum Tragen. Jede Gruppe verfügt über ein Repertoire von Handzeichen, Armhaltungen oder -bewegungen. Alle Bewegungen stehen für eine andere Figur und zeigen somit an, was getanzt wird. Die Figuren werden selbstverständlich von der Führerin vorgegeben, welche der Gruppe voran steht. Diese Führungsposition wechselt freilich und wird von einer Tänzerin an die nächste abgegeben. Wann dies geschieht, entscheidet diese aber für sich. So ergeben sich für die Gruppe ein aktives Zusammenspiel und eine ganz besondere Dynamik. Für den Betrachter hingegen wird ein Tanz aufgeführt, der voller Energie und erdiger Figuren besteht.
Doch nicht nur die Art zu tanzen ist beim Tribal Dance speziell, sondern auch die Kleidung. Die Tänzerinnen verzichten auf die leichten, märchenhaft anmutenden Stoffe und Kostüme und gehen - wie es der Energie des Tanzes entspricht - zu traditionellen Elementen zurück. Lange Röcke, stoffreiche Oberteile, die nicht immer einen Blick auf den nackten Bauch gewähren, wenig filigraner Schmuck und auch sehr oft ein mit einem Turban verhülltes Haupt prägen das äußere Erscheinen der Tänzerinnen.
Dieser große Raum für die Entfaltung des eigenen Stammes, der eigenen Sprache, der eigenen Kostüme bietet natürlich wiederum die Möglichkeit, eine Vielzahl unterschiedlicher Stile innerhalb des Tribal Dance zu entwickeln. Dies ist auch geschehen, worüber das Buch sehr ausführlich berichtet.

Zwei Dinge fallen bereits beim ersten Durchblättern des Buches auf: Neben einer Vielzahl an Informationen über Tanz, Kostüme und natürlich die Variationen desselben verfügt der Band über fantastische Fotografien! Auch wenn man natürlich ein Buch grundsätzlich nicht nach seinem Äußeren beurteilen soll, kann man dies bei manchen Werken dennoch getrost tun. "Tribal Signs" gehört auf jeden Fall dazu. Denn seine Autorin verfasste hier ein einzigartiges Werk, wie es dem auf dem deutschen Buchmarkt bisher noch fehlte. Sehr ausführlich und umfassend geht sie auf die Geschichte des Orientalischen Tanzes und seine Weiterentwicklung in den Tribal Dance ein. Kostüme, Schmuck, Make-up, Requisiten werden ebenso ausführlich erläutert, wie die Bewegungen und die Formationen. Dabei geht die Autorin auf jedes wichtige Element ein, begonnen bei der Führung über die Handzeichen bis hin zu den Abläufen. Auch Soli, Duos, Trios und Quartette werden erwähnt, bilden sie doch die besondere Dynamik dieses Tanzes. Mit einer umfangreichen Darstellung der verschiedenen Stile innerhalb des Tribal Dances schließt das Buch ab.
Somit ist "Tribal Signs" wirklich ein Werk, welches alles Wichtige über diesen Tanz beinhaltet und an seine interessierten Leser abgibt. Eines kann und will das Buch aber nicht: Anfängern vermitteln, wie man Tribal Dance erlernt. Denn wie die Autorin sehr schön zu Beginn sagt, braucht man hierfür immer eine erfahrene Lehrerin. Vielmehr soll das Buch eine Orientierungshilfe darstellen und interessierten, wie auch begeisterten Tänzerinnen die Welt des Tribal Style näher bringen. Das ist der Autorin auch hervorragend gelungen und man hält hier ein hochwertiges und informatives Werk in den Händen.

Allen Tribal-Tänzerinnen und Lehrerinnen kann "Tribal Signs" nur empfohlen werden. Neben fantastischen Fotografien kann es vor allem durch seine Fülle an gut recherchierten Informationen überzeugen. Es bietet einen Blick auf Basics, aber auch auf die daraus entstandenen Weiterentwicklungen. Es ist ein fantastisches Werk, welches dem Buchmarkt bisher noch gefehlt hat und nun endlich vorliegt.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    11/2008
  • Umfang:
    400 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • ISBN 13:
    9783938922187
  • Preis:
    59,9 €

Bewertung

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  • Anspruch: