Island

von Fran Parnell
Rezension von Stefan Cernohuby | 09. Mai 2009

Island

Je überschaubarer die Reiseziele sind, umso genauer müssen Reiseführer sein, die sich selbigen widmen. Denn überschaubar bedeutet nicht immer gleichzeitig klein oder unbedeutend. So ist die Insel Island zwar arm an Menschen und finanzstarken Banken, aber reich an außergewöhnlicher Natur und Geographie nah am Polarkreis. Man darf gespannt sein, ob sich die deutschsprachige Ausgabe des Reiseführers "Island" von lonely planet als überzeugend erweist.

Zu Beginn, also wenn man das Buch zum ersten Mal in der Hand hält, sieht man sich mit einigen Isländern in Badeshorts konfrontiert, die an einem Betonpfeiler gemeinsam den Handstand üben. Ob es sich dabei um eine Nationalsportart oder einfach nur einen Gag handeln soll, ist zumindest auf den ersten Blick nicht ersichtlich.
Danach wirft man unweigerlich einen Blick auf den Inhalt. Nach einer ersten Kurzübersicht, die Preisspannen vergleicht, Telefonnummern bündelt, Abkürzungen erläutert und Wechselkurse auflistet, findet man eine erste Karte von Island, die einen Blick auf das Land bietet. Darauf folgen die typischen Hochglanzseiten mit verschiedensten Kurzimpressionen. Erst nach selbigen gelangt man zum Inhaltsverzeichnis und es geht wirklich los.
In der Einleitung gibt es einen kurzen Querschnitt durch Island, mit Infos über die beste Reisezeit, Preise und zusätzliche Internetlinks. Weiter geht es mit einem Überblick über die Bevölkerung, Geografie und der Geschichte Islands, die durchaus als bewegt bezeichnet werden kann - auch wenn die letzten Ereignisse zu den Banken noch fehlen. So erfährt man, dass sich die Isländer für Wikinger-Abkömmlinge halten und darauf auch sehr stolz sind. Ein Volk von nur 300.000 Menschen ist zudem auch sehr überschaubar, weswegen jeder irgendwie mit jedem verwandt ist.
Die wichtigsten Attraktionen in Island bestehen aber nicht in den zahlreichen Erzeugnissen der vielen Künstler, sondern in der ungezähmten Natur. Da Island genau an der Grenze zwischen der Nordamerikanischen und der Eurasischen Kontinentalplatte entstanden ist, hat es zahlreiche Besonderheiten, mit denen kein anderes Land der Welt aufwarten kann. Von Geysiren über Gletscher bis hin zu seltenen Tierarten findet man alles. So gibt es zahlreiche Gegenden, die man sich ansehen kann. Man kann in heißen Quellen baden und im Winter das Nordlicht bewundern.
Aber auch was Skilauf, Langlauf, Canyoning, Eiswandern, Eisklettern und Hundeschlittenfahren angeht, ist man in Island auf jeden Fall richtig. Vogel- und Walbeobachtungen gehören ebenfalls zu den großen Attraktionen.
Die klassische isländische Küche scheint eher gewöhnungsbedürftig zu sein, was aber durch die modernde Küche wieder aufgewogen wird - diese nimmt Anleihen aus Tradition und fernöstlicher Kochkunst. Essen scheint aber eine eher teure Angelegenheit zu sein.
In klassischer Manier wird von einem Abschnitt des Landes auf den nächsten eingegangen.
Zwischendurch findet man noch einige Fotos, um abschließend auf Verkehrswege und ihre Kosten, Gesundheit und Sprache einzugehen.

Wer einen Reiseführer sucht, der jede Sehenswürdigkeit von A - Z auflistet, der ist bei lonely planet nicht ganz an der richtigen Adresse. In gewohnter Vorgehensweise nähert man sich der Materie des zu besuchenden Landes von verschiedenen Richtungen aus an. Geschichte, Kultur, Geographie, Übernachtungsmöglichkeiten, Kosten...
Alles wird zuerst behandelt, bevor detailliert auf die einzelnen Orte eingegangen wird. Auch wenn dadurch oft mit Seitenverweisen gearbeitet wird, ändert das nichts an der Grundstimmung des Reiseführers, der nämlich von Reisenden für Reisende entwickelt wurde. Das was man am ehesten bemängeln muss, ist noch das Titelbild. Für eine Frau vielleicht attraktiv, sind sechs halbnackte Männer auf dem Cover nicht unbedingt ein Anblick, der einen zu lautem Jubel motiviert. Ansonsten kann man viele Eindrücke vorab gewinnen und sich vergewissern, ob Island tatsächlich ein Land ist, das man gerne besuchen möchte. Klar ist, dass man das nötige Kleingeld besitzen muss, wenn man sich auf diese einzigartige Insel wagen will. Denn wenn man sich nicht tagelang nur von Fast Food ernähren will, nimmt dies einiges an Geld in Anspruch. Auch ein eigenes Fahrzeug ist relativ kostenintensiv. Doch wen das nicht abschrecken kann oder sich davon nicht einschüchtern lässt, erhält mit dem Reiseführer Island aus der Reihe lonely planet in der deutschen Ausgabe eine tolle Möglichkeit sich auf eine einzigartige Insel einzustellen und seine Reise zu planen. Auch wenn das Werk nicht hundertprozentig strukturiert erscheinen mag, kann es jedem potentiellen Island-Reisenden mit gutem Gewissen empfohlen werden. Obwohl man richtige Landkarten und große Übersichtskarten lieber noch extra erwerben sollte, kann man mit diesem Werk einiges anfangen.

Somit erweist sich der Reisführer Island von lonely planet beinahe erwartungsgemäß als gelungenes Werk, das zwar nicht alle Details von Island abbilden kann, einem Reisenden jedoch das vermittelt, was für selbigen notwendig ist, um sich auf dem einzigartigen Eiland zurecht zu finden. Jedem potentiellen Urlauber ist das Buch sehr zu empfehlen.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    12/2007
  • Umfang:
    388 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ISBN 13:
    9783829715942
  • Preis:
    19,95 €

Bewertung

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