Splitter

von Sebastian Fitzek
Rezension von Janett Cernohuby | 19. Juli 2009

Splitter

Mit seinem Roman "Der Seelenbrecher" stellte der erfolgreiche Thrillerautor Sebastian Fitzek ein Experiment vor, an dem sogar die Leser teilnahmen. Wie bei vielen Experimenten konnte man jedoch jederzeit aussteigen. Wer dies tat, der brauchte nur eine e-Mail an eine spezielle Adresse schicken. Tat man dies, waren die Verantwortlichen sicherlich traurig, jedoch trugen sie es dem Leser nicht nach. Vielmehr schickten sie ihm dann, einige Monate später, eine Einladung zu einem neuen Experiment. Über dieses kann man sich nun in Sebastian Fitzeks neuem Roman "Splitter" informieren.

Marc Lucas glaubt, verrückt zu werden. Vor sechs Wochen ereignete sich in seinem Leben eine schreckliche Tragödie. Bei einem von ihm verschuldeten Unfall kamen seine Frau und sein ungeborenes Kind ums Leben. Seither wird Marc von schweren Zweifeln geplagt. Eines Tages liest er im Spiegel von einem Experiment, bei welchem versucht wird, traumatische Erinnerungen der Probanten zu löschen. Marc, am Ende seiner Kräfte, greift nach dem Strohhalm und meldet sich in der besagten Klinik an. Doch einige Wochen später gerät seine Entscheidung ins Schwanken. Trotzdem nimmt er an einem Informationsgespräch mit den Verantwortlichen teil und lässt sich den komplizierten Vorgang erklären. Als er Stunden später die Klinik verlässt, gerät sein Leben aus den Fugen. In seiner Wohnung lebt ein junges Ehepaar, in dessen Frau er seine verstorbene Gattin wieder zu erkennen glaubt. Doch diese gibt vor, ihn nicht zu erkennen. Entsetzt muss Marc feststellen, dass aus seinem Handy alle Nummern gelöscht wurden, er eine völlig neue Nummer besitzt und unter der alten sich ein anderer Marc Lucas meldet. Marc kehrt zurück zur Klinik - zumindest versucht er es, doch unter der angegebenen Adresse findet er nur eine Baustelle. Dort wartet jedoch eine Frau auf ihn, die ihm erzählt, dass er an einem Amnesie-Experiment teilgenommen hat. Allerdings ging es dabei nicht nur um das Vergessen des tragischen Unfalls, sondern um viel mehr. Marc glaubt ihr anfangs nicht, doch je mehr er versucht herauszufinden, was geschehen ist, desto mehr scheint die Aussage der Unbekannten der Wahrheit zu entsprechen. Doch kann Marc ihr glauben? Welche Rolle spielt dabei sein Schwiegervater? Was hat sein Bruder vor ihm zu verbergen? Und ist seine verunglückte Frau vielleicht doch noch am Leben? Für Marc beginnt eine Suche nach Erinnerungen, die ihn letztendlich zu einer erschreckenden Wahrheit führt.

"Splitter" ist ein Roman, der den Leser von einem Extrem ins nächste führt. Worauf will der Autor hinaus? Was ist geschehen? Wem kann der Protagonist trauen und wem nicht? Und wer ist der Protagonist selbst? Jedes Mal wenn der Leser glaubt, endlich einen Hintergrund erahnen zu können, gelingt es Sebastian Fitzek eine Wendung einzubringen, die alle bisherigen Informationen als ein großes Puzzle erscheinen zu lassen, dessen Teile überhaupt nicht zusammenpassen. Dadurch schafft der Autor es, dem Buch eine Spannung zu verleihen, die einem Psychothriller alle Ehre macht. Der Leser wird in einen Teil des Lebens Marc Lucas hineingeworfen, ist dabei aber genauso hilflos wie der Protagonist selbst. Und genauso wie er, beginnt man immer wieder daran zu zweifeln, ob Marc überhaupt noch bei klarem Verstand ist.
Dieses hohe Niveau zieht der Autor gleichmäßig durch sein Werk und lässt es in einem fantastischen Höhepunkt enden. Sebastian Fitzek präsentiert seinen Lesern dabei ein Ende, mit dem man nicht gerechnet hat. Sehr gut ist es ihm dabei gelungen, dieses auch passend zu der vorangegangenen Story passen zu lassen, ohne es lächerlich oder gar enttäuschend wirken zu lassen.
Das Buch ist also ein Thriller der besonderen Art. So gestaltet der Autor dieses auch stilistisch. Denn auf den klassischen Epilog wird der Leser vergeblich warten. Vielmehr lässt er die Ereignisse mittels (fiktiven) Zeitungsausschnitten enden, die auch die letzten Fragen der Leser klären.
Lediglich eine Frage bleibt: Gibt es wirklich diese Experimente zur Manipulation der Erinnerungen? Ist man vielleicht selber Proband eines solchen Experiments geworden? Leser, die sich darüber nicht sicher sind, sollten vielleicht auf der am Ende des Romans angeführten Website vorbeischauen.

Zusammengefasst ist "Splitter" ein Roman, der wahren Thrillerfans mehr als nur gefallen wird. Er besitzt eine mehr als spannende Handlung, die alles andere als vorhersehbar ist, den Leser vollständig überzeugt und beweist, dass Sebastian Fitzek sein Handwerk versteht.
Ein absoluter Lesetipp.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    06/2009
  • Umfang:
    400 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • ISBN 13:
    9783426198476
  • Preis:
    16,95 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Gewalt:
  • Gefühl:

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