Zombie Zone Germany

Elegie

von Janika Rehak
Rezension von Stefan Cernohuby | 11. April 2024

Elegie

Realität und Fiktion klaffen meist weit auseinander. Dennoch kann man aus dem Tagesgeschehen gewisse „What if?“-Szenarien ableiten. Zum Beispiel, was wenn die Corona-Pendemie in Wahrheit die Zombie-Apokalypse gewesen wäre? Eine Situation, die ohnehin schon realitätsscheue Zeitgenossen absolut an ihre Grenzen bringt. Darüber schreibt Janika Rehak in ihrem Roman „Elegie“, der thematisch zur Zombie Zone Germany gehört.

Leon Yoshio Maibach, meist kurz „Yosh“ genannt, ist Starpianist. Mit einem Nummer-2-Album (hinter „dem koreanischen Jungen“) hat er für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Neben Klassik und Moderne ist er auch für seine Eigenkompositionen bekannt. So wie ein Stück, dessen Partitur seit gefühlt einer Ewigkeit auf seinem Klavier – pardon – seinem Flügel liegt. „Elegie“ heißt das Stück, das wohl unvollendet bleiben wird. Yosh hat sich in seinem abgelegenen Haus in der Lüneburger Heide isoliert und lebt dort mit seiner Stiefschwester zurückgezogen, begleitet von Angst, Geistern aus Vergangenheit und Geschichten sowie viel zu viel Wein. Paradoxerweise ist es sein eigenes Abschiedskonzert, welches eigentlich die Untoten anlocken sollte, das andere Überlebende zu ihm führt. Und plötzlich muss er sich mit all dem herumschlagen, was er bisher versucht hatte zu verdrängen. Pläne zu schmieden, die weiterführen als bis zum Abend des gleichen Tages, dysfunktionale Beziehungen verfolgen. Eine Sterbende beherbergen. Ein Kind mit Talent für Musik erkennen. Und nicht zuletzt sich an den eigenen besten Freund erinnern, der wegen Yosh von den Zombies erwischt wurde und an seine Frau, die irgendwo ist … vermutlich tot.

Zombie-Schocker oder Splatter gibt es viele, sowohl in Buchform als auch in Filmen oder Serien. Die Frage, was die Situation mit den Überlebenden macht, ist allerdings psychologisch weit interessanter. Möglicherweise ist sie nun auch besser nachzuvollziehen, da die Angst nach draußen zu gehen und sich dabei mit einer potenziell gefährlichen Krankheit zu infizieren nun in der Gesellschaft angekommen ist. Natürlich kommt es zu dem einen oder anderen Angriff von Zombies im Buch, genauso wie auch mehrere verzweifelte postapokalyptische Beziehungen. Darunter auch solche, die selbst in einer aufgeklärten Gesellschaft nicht akzeptiert würden. Doch eine Zombie-Apokalypse erschafft ihre eigenen Regeln. Und so begleitet man als Lesende den Protagonisten durch viele Rückblicke auf sein früheres Leben, durch seine Gedanken, in denen die Musik kreist, aber ansonsten schlummern muss. Und man erhält einen eigenen Soundtrack des Niedergangs, von Bach über Brahms, Beethoven, Debussy, Mussorgski und vor allem Schumann. Es ist ein Werk zu dem es einen zweiten Teil gibt. Das bedeutet, hier wird er noch nicht erreicht, „the day, the music died“. Es ist ein Roman, der nicht versucht durch Schockeffekte zu punkten, sondern stattdessen Charaktere, ihre Gedanken und ihre Eigenheiten in den Mittelpunkt stellt. Etwas, was funktioniert.

„Elegie“ ist nicht nur ein Gedicht oder eine wehmütige Klage, sondern auch ein Roman von Janika Rehak. Dieser ist in der Zombie Zone Germany angesiedelt und begleitet einen Pianisten, seine Stiefschwester und unerwartete Gäste in seinem abgeschiedenen Domizil inmitten der Apokalypse. Es ist ein Werk, in dem Ängste, Geister und Musik Schwerpunkte bilden, in einem literarischen Konstrukt, das innerhalb des Szenarios funktioniert. Wer Horror lieber von einer psychologischen Seite her genießt und weniger aufgrund der Schockeffekte, ist mit diesem Roman gut beraten.

Details

Bewertung

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