Das Schwarze Auge

Eiswolf

von Linda Budinger
Rezension von Stefan Cernohuby | 10. Januar 2010

Eiswolf

Viele phantastische Erzählungen handeln von grünen Auen, hohen Bergen und grusligen Sümpfen. Nur selten verschlägt es den Helden eines Romans in die Polarregion der entsprechenden Welt. Linda Budinger wollte dieses Versäumnis offenbar aus der Welt schaffen. Ob ihr dies mit ihrem Roman "Eiswolf" gelungen ist, der in der Welt von "Das Schwarze Auge" angesiedelt ist, ist allerdings eine berechtigte Frage.

Tjulf Ressken ist ein einfacher Heiler, zumindest denkt er so von sich. Doch obwohl er viel für die Leute tut, ist ihm keineswegs jeder in seinem Wohnort wohlgesonnen. So kommt es beinahe zur rechten Zeit, dass sich der Knochenflicker einer Expedition verletzt und er für ihn in die Bresche springen muss. Doch die Reise entwickelt sich mehr als nur geheimnisvoll. Zum einen handelt es sich bei der Leiterin derselben um eine Hesinde-Geweihte mit Namen Jettjala, die alles finanziert, zum anderen ist die Truppe wild zusammengewürfelt und sieht keineswegs nach einer offiziellen Mission aus. Des Weiteren ist das Ziel der Suche ein überaus mächtiges Artefakt, nämlich das legendäre erste "Schwarze Auge". Und zu schlechter Letzt gibt es noch zahlreiche Probleme, die mit jeder Menge an Fällen, darunter Todesfällen, Unfällen und geheimnisvollen Vorfällen zusammenhängen. Doch als man es inmitten einer tückischen Eiswüste nicht nur mit einem geheimnisvollen Gegner und ortsansässigen Firnelfen zu tun bekommt, sondern auch über die eigene Vergangenheit nachzuforschen beginnt, stellt Tjulf fest, dass es einige dunkle Punkte in letzterer gibt. Steckt möglicherweise doch mehr in ihm, als das Auge sehen kann?


Die meisten Romane in der Welt des Rollenspiels "Das Schwarze Auge" spielen entweder in einer gemäßigten Zone oder einer urbanen Umgebung. Insofern war Linda Budingers Intention, auch einmal in andere Regionen der Welt Dere vorzudringen, verständlich. Auch die Wichtigkeit des Auffinden des schwarzen Auges leuchtet ein, ist das Artefakt doch einst Teil der Allwissenheit des Gottdachen Pyrdacor gewesen - soweit die Legende. Doch wieso die Geweihte mit größtenteils unzuverlässigen Charakteren auf eine solche Mission aufbricht ist zwar auf einer Metaebene nachvollziehbar, in der Geschichte aber nicht völlig transparent dargestellt. Offenbar steht der Geweihten genügend Geld zur Verfügung, um eine Truppe zu finanzieren, gleichzeitig dürfte es sich um keine offizielle Expedition handeln. Warum also diese streitlustige Vagabundenbande? Nur, um Spannung aufrecht zu erhalten, wodurch Verrat im Zuge des Ablaufes nachvollziehbarer wird? Auch den Frostelfen in der Geschichte kann man Inkonsequenz anlasten. So hatten sie bereits eine frühere Konfrontation mit dem späteren Widersacher der Expeditionstruppe, es aber verabsäumt, den Bösewicht endgültig aus dem Verkehr zu ziehen. Somit ist die Handlung zwar spannend, aber nicht wirklich "rund", da einerseits so manche Frage unbeantwortet bleibt und andererseits einige Stellen sich etwas aufgesetzt lesen. Zudem rückt das eigentliche Ziel der Expedition ab einer bestimmten Stelle völlig in den Hintergrund, was zwar durch die Handlung nachvollziehbar ist, aber trotzdem ein wenig unbefriedigend. Insgesamt ist das Buch daher zwar unterhaltsam und spannend, unter den zahlreichen Romane zu "Das Schwarze Auge" aber nicht wirklich herausragend.

Der Roman "Eiswolf" von Linda Budinger, der in der Reihe "Das Schwarze Auge" erschienen ist, beinhaltet Licht und Schatten. Ein interessantes Setting und eine spannende Geschichte stehen einigen unbeantworteten Fragen und etwas aufgesetzt wirkenden Situationen gegenüber. So kann das Werk insgesamt leider nur als durchschnittlich bezeichnet werden.

Details

  • Autor/-in:
  • Band:
    111
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    10/2009
  • Umfang:
    352 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ASIN:
    3890642489
  • ISBN 13:
    9783890642482
  • Preis:
    9 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gewalt:
  • Gefühl:
  • Erotik:

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