Du bist noch nicht tot

von Dan Wells
Rezension von Stefan Cernohuby | 08. Dezember 2014

Du bist noch nicht tot

Wenn man viele Male mit Gefahr konfrontiert wird und es nur mit Müh und Not und sehr viel Glück schafft, am Leben zu bleiben, dann betrügt man im Grunde die Statistik. Und dann wäre es im Grunde kein Wunder, wenn eines Tages jemand zu einem sagt: "Du bist noch nicht tot!" Möglicherweise in ungläubigem Tonfall. Das hat sich vermutlich auch der Übersetzer von Dan Wells gedacht, als er dem neuen Roman den deutschen Titel verpasst hat.

Das einzig Gute daran, ein Soziopath zu sein, ist, dass man keine Gefühle hat. Das ist im Fall von John Wayne Cleaver wirklich von Vorteil. Denn nachdem seine Mutter und seine Freundin von dämonischen Wesen in Besitz genommen und dann getötet wurden, hat er so gut wie niemanden mehr, der ihm nahe steht. Bis auf eine andere Freundin namens Brook, die ebenfalls von einer Dämonin namens Niemand übernommen wurde und dank der Erinnerungen aus Jahrhunderten geistig völlig verstört ist. Er selbst hat sich einer Spezialtruppe des FBI angeschlossen, die jene dämonischen Wesen, mit denen er sich bereits so oft auseinandersetzen musste, jagt und tötet. Die Verwelkten, wie sie von den anderen genannt werden, haben alle bestimmte Fähigkeiten und bestimmte Schwächen. Sie müssen sich von besonderen Dingen ernähren und sind allesamt schwer zu töten.
Doch John findet mit der Zeit, und der Hilfe von Brook heraus, dass es noch mehrere unterschiedliche Verwelkte gibt. Manche, die nicht unbedingt etwas Böses tun. Und andere, die sich selbst gar als Gott sehen und ihn selbst von ihrer Sache und Seite überzeugen wollen. Kann John in einem aussichtlos scheinenden Kampf gegen Jahrtausende alte Gegner bestehen ohne den Rest dessen zu verlieren, was ihn menschlich macht?

Erwachsen zu werden ist oft ein schmerzhafter Prozess. Im Fall von John Cleaver, dem Protagonisten von Dan Wells` Reihe, ist er sogar schmerzhafter als bei den meisten. Obwohl es immer um Dämonen und Mörder gegangen ist, hat in den ersten Romanen der Reihe immer noch ein einigermaßen amüsierter und kindlicher Ton vorgeherrscht. Warum? Nun, der Hauptcharakter war eigentlich selbst sein größter Gegner und am Ende der Romane war trotz aller schrecklichen Erlebnisse und Ereignisse immer wieder alles so, wie es am Anfang war - möglicherweise mit Abstrichen. Nach dem Vorgängerband hat sich jedoch alles geändert. Es gibt keine kindliche oder jugendliche Unschuld mehr. Es gibt noch den Alltag eines seltsamen 17jährigen, der seine Regeln hat - und immer noch versucht nicht selbst zum Serienmörder zu werden. Das Erwachsensein bekommt dem Roman nicht schlecht. Die Stimmung ist jedoch von Anfang bis Ende drückend und könnte möglicherweise der ursprünglichen Leserschaft der Reihe nicht mehr so gut gefallen wie die anderen Romane. Nichtsdestotrotz ist "Du bist noch nicht tot", im englischen Original "The Devil´s Only Friend", spannend, unterhaltsam und beherbergt durchaus einige interessante Wendungen und Überraschungen. Man sollte dem Roman also eine Chance geben.

"Du bist noch nicht tot" von Dan Wells ist mittlerweile der vierte Roman rund um den jungen Soziopathen John Wayne Cleaver, der nun dabei ist, seine Dämonen mit Hilfe des FBI zu jagen. Das ganze Szenario ist weit düsterer und drückender als die Vorgänger, weswegen die Erwartungen mancher Leser möglicherweise nicht ganz erfüllt werden könnte. Doch dem zu trotz ist das Werk spannend, unterhaltsam und gelungen - wenngleich der Ton erwachsener ist. Und, so viel können wir schon einmal vorwegnehmen, es ist bestimmt nicht das letzte Buch der Reihe.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    11/2014
  • Umfang:
    352 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ASIN:
    3492269958
  • ISBN 13:
    9783492269957
  • Preis:
    12 €

Bewertung

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    Keine Bewertung

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