Dornenthron

von Boris Koch
Rezension von Stefan Cernohuby | 27. März 2020

Dornenthron

Märchen scheinen nur für uns festzustehen und ewig die gleiche Form zu haben. Tatsächlich haben sich über die Jahrhunderte immer weiter verändert, bis sie in einer Version niedergeschrieben wurden, die heute den meisten bekannt ist. Manche werden noch immer weiter verändert, um sie für die Kinder von heute zeitgemäß zu gestalten. Boris Koch hat mit „Dornenthron“ jedoch einen Roman geschrieben, der sich weder an Kinder richtet, noch sklavisch an jene Ereignisse hält, die aus bestimmten Märchen gemeinhin bekannt sind. Und daraus wird dann etwas völlig Eigenständiges.

Nicht jedes Geschäft mag Menschen zu allen Zeiten nachvollziehbar sein. Vor allem die Angebote jener seltsamen Gesellen, die einen Gefallen nur im Tausch gegen das Versprechen eines Erstgeborenen tun, bleiben mysteriös und nehmen öfter ein tragisches Schicksal. So beginnt auch die Geschichte von Tyra, die einst Schöpferin der besten Parfüms der bekannten Welt war. Ein Unbekannter dringt in ihr Haus ein und entführt ihren Sohn Dario. Mit nur einer Münze als Anhaltspunkt macht sie sich auf die Suche nach ihm.
Einen ganz anderen Grund für seinen Aufbruch hat Ukalion. Als Bastard des Königs war er ohnehin nie bei allen beliebt. Doch nun hat ihm der legitime Sohn des Königs nicht nur die große Liebe genommen, er hat ihm auch die Schuld für ihre Hinrichtung in die Schuhe geschoben. Daher folgt er einer alten Legende, um selbst Kaiser zu werden - so wie auch die Schwester eines gehenkten Räubers, die sich eine bessere Zukunft wünscht und vom Schreiber Inrico begleitet wird. Doch im Angesicht der gewaltigen Hecke, die über die einstige Burg gewachsen ist, gibt es zuerst andere Probleme zu lösen, als in sie vorzudringen. Waren es wirklich Hexen, die einst das Kaiserreich gestürzt hatten und die Hecke wachsen ließen? Das könnte man beinahe annehmen, nachdem Perle mit ihrem Bruder Ion von zuhause flieht – ihr Vater hat sie beim Spielen verloren – und mitten im Wald auf eine alte Frau trifft. Diese will sie vor eine Wahl stellen, die alles verändert …

Natürlich könnte man für einen Roman auch nur ein Märchen heranziehen, das in einer realistischeren Welt natürlich viel erschreckender wirkt, als in einer beschränkten Märchenerzählung. Doch Boris Koch belässt es nicht bei einem. An dieser Stelle soll nicht zu viel verraten werden, aber der Leser kann sich darauf verlassen, dass er die meisten Fragmente wiedererkennen wird. Es gibt eine nicht unbeträchtliche Anzahl an Charakteren, die sich entwickeln und eigene Ziele verfolgen. Nicht alle von ihnen schaffen es, am Leben zu bleiben. Es geht mysteriös zu, magisch, gefährlich und mitunter auch tödlich. Und dass es nicht das Ende vom Lied ist, dafür sorgt die Handlung, welche gar nicht zulässt, dass die Charaktere ihr Hauptziel erreichen können. So wird es wohl noch zumindest einen zweiten Roman geben, der sich mit Märchen, mit dem Wunsch zur Veränderung, der Überwindung gesellschaftlichen Stillstands und mit dunkler Magie beschäftigen wird. Man darf gespannt darauf sein, denn auch wenn man als Leser keinen ganz runden Abschluss erhält, gibt es viele Ansätze, auf die man sich in einem möglichen zweiten Band freuen kann. Boris Koch beweist einmal mehr, dass der Spagat zwischen Jugendbuchautor und Erwachsenenautor gelingen kann.

„Dornenthron“ ist ein neuer Erwachsenenroman von Boris Koch, in dem man nicht nur mit realen Märchen konfrontiert wird. In dem Werk gibt es zahlreiche Schicksale, denen man gespannt folgt und von denen viele ein Ende nehmen – mache zum Guten, manche zum Schlechten. Doch die Geschichte ist noch nicht zu Ende erzählt und so wird es wohl eine Fortsetzung geben, auf die man sehr gespannt sein darf. Denn es gibt noch zahlreiche Märchen, die in einer Dornenhecke hängenbleiben könnten.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Genre:
  • Erschienen:
    04/2020
  • Umfang:
    432 Seiten
  • Typ:
    Taschenbuch
  • ISBN 13:
    9783426524947
  • Preis:
    14,99 €

Bewertung

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