Der Geschmack der Tollkirsche

von Beate Sauer
Rezension von Janett Cernohuby | 08. Februar 2009

Der Geschmack der Tollkirsche

Die Tollkirsche ist eine gefährliche Pflanze, auf die viele Frauen aus vergangenen Zeiten nicht verzichten wollten. Die Frucht, gegessen oder ihr Saft in die Augen geträufelt, weitete die Pupillen, was damals, besonders in Kombination mit weißer Haut, als Schönheitsideal galt. Doch die Tollkirsche ist auch tückisch. Zu viel von ihr kann Wahnvorstellungen oder Halluzinationen hervorrufen und sogar zum Tod führen. So ist es nicht unwahrscheinlich, dass der eine oder andere sich dieser Frucht bemächtigte, um einen unliebsamen Mitmenschen aus dem Weg zu räumen - oder aber, um den Mordverdacht einer dritten, unbeteiligten Person in die Schuhe zu schieben.

So auch in Beate Sauers neuem Roman "Der Geschmack der Tollkirsche". Die junge Köchin Arria wird auf das Landgut des Tribuns Claudius gerufen. Dieser plant anlässlich seiner Amtseinführung bei der Legio XIV Martia Victrix ein großes Fest, welches Arria ausrichten soll. Doch es kommt zu einer schweren Tragödie. Der Finanzprokurator Cassius wird tot aufgefunden; vergiftet durch die Zugabe von Tollkirschen in seiner Mahlzeit. Sofort fällt der Verdacht auf die junge Köchin. Durch unbekannte Hilfe gelingt Arria die Flucht. Sie weißt, dass sie nur eine Chance hat, ihre Unschuld zu beweisen: Sie muss den wahren Mörder Cassius finden. Immer auf der Hut, beginnt sie Nachforschungen anzustellen. Dabei erfährt sie, dass ein feindlicher germanischer Stamm unweit des Landgutes des Ermordeten gesichtet wurde. Bevor Arria dieser neuen Spur nachgehen kann, wird sie von ihrem Verfolger Valerian eingeholt. Dieser, ein ehemaliger Zenturio, der wegen einer Verletzung frühzeitig die Armee verlassen musste, ist anfangs von Arrias Schuld überzeugt. Doch nachdem er einem Überfall eben jenes feindlichen Stamms nur knapp entgehen konnte, ändert er seine Meinung und hilft der jungen Köchin, ihren Ruf reinzuwaschen. Dabei stoßen sie auf eine groß angelegte Verschwörung, deren Auswirkungen bis nach Rom spürbar sind...

Nach "Der Heilige in deiner Mitte" und "Die Buchmalerin" veröffentlichte Beate Sauer nun mit "Der Geschmack der Tollkirsche" einen weiteren Erfolg versprechenden Roman. Spannend und fesselnd erzählt, entführt die Autorin die Leser in das römische Reich, genauer gesagt in die Germania Superior des Jahres 95 nach Christus. Hier wird die junge Köchin Arria des Mordes verdächtigt. Zusammen mit dem ehemaligen Zenturio Valerian begibt sie sich auf die Suche nach dem wahren Täter und deckt dabei einen großangelegte Verschwörung auf.
Von Anfang an hat der Leser das Gefühl, dass es sich um mehr als nur einen einfachen Mord an einem römischen Beamten handeln muss. In diesem Gefühl wird er letztendlich auch bestätigt. Der Autorin ist es hervorragend gelungen, einen Roman zu schreiben und den Leser immer nur häppchenweise mit Informationen zu versorgen. So baut sich die Geschichte allmählich auf, hält aber die Auflösung bis zum Schluss verborgen. Die Ereignisse sind keineswegs vorhersehbar und die Autorin lässt durch keine versteckten Andeutungen den Ausgang der Geschichte erkennen. Genau dies halten Spannung und Neugier beim Leser bis zum Ende aufrecht.
Auch die Personen des Romans sind hervorragend durchdacht und ausgearbeitet. Da ist die junge Köchin Arria, hitzköpfig, stur, leicht reizbar, aber auch hilfsbereit und fürsorglich. Viel zu früh wurde ihr Mann von feindlichen germanischen Stämmen getötet, weswegen sie nun allein für ihren Lebensunterhalt aufkommen muss. Ihr gegenüber steht der junge Zenturio Valerian, der wegen einer Kriegsverletzung frühzeitig die Armee verlassen musste. Ein Umstand, der ihn trübsinnig und verbittert werden ließ. Valerian ist nicht minder hitzköpfig und stur als Arria und somit kommt es immer wieder zu Streitereien zwischen den beiden Protagonisten. Schließlich gibt es noch Titus, den langjährigen Diener Valerians. Er vermittelt oft zwischen den beiden, wodurch Arria und Valerian lernen, einander zu respektieren. Titus stellt somit den ruhigen Punkt dieses Dreiergespanns dar.
Auch die übrigen Charaktere sind hervorragend ausgearbeitet und führen die Geschichte durch ihr Tun und Handeln voran. Trotz der vielen Nebencharaktere, die dem Leser im Verlauf des Buches begegnen, verliert man keinesfalls die Übersicht. Beate Sauer ist es gelungen, alle Charaktere klar und deutlich zu beschreiben, um Verwirrung oder Unklarheiten vorzubeugen.
Erwähnenswert sind auch die zusätzlichen Informationen, die diesem Roman beigefügt wurden. So findet der Leser gleich zu Beginn eine Landkarte, die das Gebiet, in welchem die Geschichte spielt, darstellt. Auch das vorangestellte Personenverzeichnis verschafft einen ersten Überblick und bietet immer die Möglichkeit nachzusehen, welche Bedeutung die einzelnen Personen in der Geschichte haben. Dies ist allerdings nicht notwendig, da es der Autorin, wie bereits erwähnt, sehr gut gelungen ist, die Charaktere übersichtlich einzubinden. Am Ende des Buches findet sich noch ein Glossar, in dem alle wichtigen Begriffe und Ausdrücke des römischen Reiches erklärt werden.

'

Mit "Der Geschmack der Tollkirsche" ist Beate Sauer ein weiterer brillanter Roman gelungen, der Freunden historischer Krimanalgeschichten sehr zu empfehlen ist. Spannend und mitreißend erzählt, gelingt es der Autorin, das längst verblichene römische Reich wieder lebendig werden zu lassen.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    02/2007
  • Umfang:
    477 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • ISBN 13:
    9783894256043
  • Preis:
    18,9 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
  • Gewalt:
  • Gefühl:
  • Erotik: