Tanztee


Das neue geheime Tagebuch des Hendrik Groen. 85 Jahre
von Hendrik Groen, Felix von Manteuffel (Sprecher/-in)
Rezension von Janett Cernohuby | 03. Mai 2017

Tanztee

Hendrik Groen ist wieder an seinen Computer zurückgekehrt schreibt wieder fleißig Tagebuch. Damit hatte er ja nach dem Tod seiner Freundin Eefje aufgehört. Doch 2015 beschloss er, wieder fleißig zu sein und (fast) täglich seine Memoiren festzuhalten. Herausgekommen ist erneut ein großartiger Roman, der in seiner Hörbuchfassung von Felix von Manteuffel gelesen wird.

Hendrik schreibt wieder

Nach einem Jahr Pause beschließt der rüstige Rentner, wieder mit dem Tagebuchschreiben zu beginnen. Weniger weil er so viel erlebt, das er nicht vergessen möchte, sondern eher, um sich selbst dazu zu bringen mit wachen Augen und offenen Ohren durch das Altenheim zu gehen und seinen Geist fit zu halten. Zumindest beschert das uns Hörern wieder jede Menge zu Schmunzeln. Schon kurz nach Neujahr erschüttert eine geheimnisvolle Platzierung von Obst das Seniorenheim. Irgendjemand macht sich einen Spaß daraus, willkürlich und ohne erkennbaren Sinn Obst im Altenheim abzulegen. Doch der Alanito-Club - der Alt-aber-nicht-tot-Club - ist aufmerksam und beobachtet alles sehr genau. Übrigens nicht nur das, auch ist er nach wie vor sehr aktiv und plant zahlreiche Ausflüge der unterschiedlichsten Art. Doch je weiter das Jahr auf die Hälfte zugeht, desto größer wird ein Schatten, der sich auf Alanito legt - oder besser gesagt auf eines der Mitglieder. Denn Evert, der sympathische Querulant der Runde, erkrankt schwer und hat vermutlich nicht mehr lange zu leben. Da müssen natürlich vorher noch einige Dinge geregelt werden, vor allem sollen die ewigen Nörgler und Meckerer des Seniorenheims zum Schweigen gebracht werden.

Komisch und bitter zugleich

So gehen witzige Begebenheiten, sarkastische und zynische Äußerungen einher mit tragischen Momenten und kritischen Betrachtungen sowie Zustandsbeschreibungen des Altenheims. Der rüstige und humorvolle Rentner Hendrik Groen lebt zwar in einem solchen, lässt sich aber trotz kleinerer körperlicher Gebrechen noch lange nicht aufs Abstellgleis schieben. So ist es auch nicht verwunderlich, dass er von Zeit zu Zeit der Heimleitung durch geschickt gestellte Fragen auf den Zahn fühlt und sie in Erklärungsnöte bringt. Zwar haben in seinen Augen alte Menschen mit Kindern so manches gemeinsam, dennoch ist ihm weitgehende Selbstbestimmung unglaublich wichtig. Diese versuchen er und die Mitglieder des Alanito-Clubs sich auch zu bewahren.
Trotz seiner humorvollen Erzählweise hat das Buch auch kritische Ansätze. So manches Mal versteckt sich hinter einer witzigen Äußerung auch ein tiefgründiger Gedanke. Themen wie Demenz, das hohe Alter, Krankheit und Tod werden nicht ausgelassen, nur eben anders aufgegriffen. Hier wird nicht gejammert oder genörgelt, hier wird höchstens gewitzelt. Das ist auch das Motto von Hendrik und dem Alanito-Club.
Wenngleich es sich bei "Tanztee" um einen zweiten Band, ein neues Tagebuch handelt, muss man das erste, "Eierlikörtage" nicht gelesen haben. Der Leser oder Hörer wird sich trotzdem großartig amüsieren, nachdenklich den Kopf schütteln und über die Lebensfreude des Alanito-Clubs staunen. Von dem einen oder anderen Gebrechen, die das Alter nun mal mit sich bringt, lassen diese Senioren sich noch lange nicht aufhalten, sondern sie wollen nach wie vor Teil des Lebens sein und dieses in vollen Zügen genießen.

"Tanztee - Das neue geheime Tagebuch des Hendrik Groen" zeigt uns einmal mehr, wie rüstig Rentner sein können, egal ob sie im Seniorenheim leben oder nicht. Alanito hat sich jedenfalls zum Ziel gesetzt, das Leben bis zum letzten Moment voll auszukosten und sich nicht durch Krankheit oder regelliebenden Heimleiterinnen einengen zu lassen. Dieser zweite Streich nach "Eierlikörtage" ist großartig gelungen und sehr empfehlenswert.

Details

Bewertung

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