Edition Klein-Kleckersdorf

Unter der Linde

von Carsten Zehm
Rezension von Stefan Cernohuby | 27. Mai 2026

Unter der Linde

Es gibt Brunnen vor Toren, über die man singt. Aber tatsächlich nur, weil dort ein bestimmter Baum steht. Eine Linde, unter der man so manchen süßen Traum hatte. „Unter der Linde“ von Carsten Zehm führt beim Lesen erneut in den Ort Klein-Kleckersdorf, an dem es nur selten Veränderungen gibt, besonders, wenn diese von außen herbeigeführt werden sollen. Doch diesmal scheint dies unvermeidlich.

Denn es gibt Budget vom Landkreis für Verbesserungen im Ort. Die Pflanzung neuer Bäume, das Installieren von WLAN in Parkbänken. Aber für die Obrigkeit ist eines klar: Wenn etwas Neues kommen soll, muss etwas Altes weichen. So wie die alte Linde, die nun aufgrund ihrer Lage verschiedene Attribute zugeschrieben bekommt. So wie „verkehrsgefährdend“ und „risikobehaftet“. So schnell möchten sich weder Oma Hempel noch die anderen Bewohner*innen des Dorfs von der Linde trennen und so lassen sie eine Untersuchung durch den Förster durchführen. Das Ergebnis ist uneindeutig. Ja, die Linde ist alt, besitzt Hohlräume im Stamm, ist aber ansonsten soweit gesund. Man müsste sie also keinesfalls fällen. Was ist also wichtiger? Das Budget des Landkreises und die Meinung externer Verantwortlicher? Oder die Bindung an einen Baum, der selbst ein Zeuge längst vergangener Tage ist? Und was sagt die Polizei dazu?

 

Der zweite Ausflug nach Klein-Kleckersdorf ist kein Kriminalfall, obwohl es durchaus darum geht, dass jemand „umgelegt“ werden soll. Doch das mögliche Opfer ist kein Fall für die Polizei, sondern für den Förster. Es geht um eine alte Linde im Dorf, die durch Fortschritt ersetzt werden soll – wobei die Frage, ob das tatsächlich ein Schritt in die richtige Richtung ist, zumindest bezweifelt werden kann. Etwas, das auch die Dorfgemeinschaft rund um Oma Hempel tut. Und so wie die Geschichte verläuft, kann man schon im Vorfeld ziemlich sicher sein, dass sich eine Lösung abzeichnet, die für die Dorfgemeinschaft typisch. ist. Man darf auf das Ergebnis also durchaus gespannt sein.

„Unter der Linde“ ist eine entschleunigte Geschichte darüber, ob etwas Altes durch etwas Neues, Besseres ersetzt werden soll und wie die Dorfgemeinschaft von Klein-Kleckersdorf darauf reagiert. Carsten Zehm zeichnet wieder auf, wie er die Welt um sich herum sieht und nimmt nur kleine Änderungen vor. Das ergibt in diesem Fall eine ruhige Lektüre mit positivem Ende.

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