Edition Klein-Kleckersdorf
Da willste nich tot übern Zaun hängen
von Carsten Zehm
Rezension von Stefan Cernohuby
| 14. Mai 2026
Es gibt Ortschaften, in denen scheint die Zeit stehengeblieben zu sein, so wenig hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Kleine Städte und Dörfer, in denen man Veränderungen nur dann gutheißt, wenn sie aus dem Ort selbst heraus entstehen. So wie Klein-Kleckersdorf, über das Carsten Zehm in einem seiner neuen Werke schreibt. „Da willste nich tot übern Zaun hängen“.
Tot über einen Zaun zu hängen ist generll kein erstrebenswerter Zustand. Von den Spitzen eines Zauns augespießt in selbigem zu hängen ist vermutlich noch weniger attraktiv. Dennoch hat man Dr. Klaus Kindervater genau so gefunden. Metall und sein Körper in Wechselwirkung, am Zaun eines alten Herrenhauses. Und nun muss Komissarin Judith Rademacher dem ganzen nachgehen. War alles ein überaus bizarrer Unfall? Oder war es doch Mord? Die Schlüsselfigur scheint – wie alle Ereignisse in diesem Dorf – etwas mit Oma Hempel zu tun zu haben. Und so folgt man der Geschichte wie einer Einladung zu einem „Deep Dive“ (wenn das Wort nicht viel zu modern wäre) in die verschworene Gemeinschft eines Dorfes, das eigentlich alles hat, was es braucht. Und das Veränderung von außen gegenüber alles andere als aufgeschlossen ist.
Das Buch ist als „Edition Klein-Kleckersdorf“ erschienen, was suggeriert, dass da noch weitere Geschichten folgen könnten. Geschichten, in deren Zentrum wie eine Statue oder ein Fixpunkt in Raum und Zeit Oma Hempel steht. Oma Hempel, die weiß, kennt und versteht. Etwas, was man nicht von allen Charakteren behaupten kann. Denn diese lassen sich durchaus von den Ereignissen, Enthüllungen und der generellen Gesamtsituation einschüchtern und beeinflussen. Ob die Moral von der Geschichte gut ist? Fair? Der Situation angemessen? Das muss man beim Lesen für sich selbst beantworten. Aber man erhält auf jeden Fall den Eindruck, als wäre zu Klein-Kleckersdorf noch nicht das letzte Wort gesprochen.
„Da willste nich tot übern Zaun hängen“ ist eine Kurzgeschichte in der „Edition Klein-Kleckersdorf“ von Carsten Zehm. Sie erzählt nicht von Heldentum, im Gegenteil. Es geht um Menschen und ihren Wunsch ihr Leben so führen zu können, wie sie möchten. Und wenn jemand anderer das in Gefahr bringt, kann das widerum gefährlich werden. Eine kurzweilige Geschichte, die allerdings moralische Fallstricke offenbart.
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