Das Schwarze Auge

Schwarze Perle

von André Wiesler
Rezension von Stefan Cernohuby | 09. Dezember 2012

Schwarze Perle

Wenn es darum geht neue Länder zu entdecken, ist der Hintergedanke selten reiner Forscherdrang. Meist geht es darum, neue Märkte zu erschließen, Rohstoffe auszubeuten und vor allem der erste zu sein, der eine solche Möglichkeit nutzt. Auch in André Wieslers neuem Roman "Schwarze Perle", der in der Welt von "Das Schwarze Auge" angesiedelt ist, kann man nur sehr wenige Idealisten antreffen.

Wie schafft man es, zumindest theoretisch als erster eine Expedition zu einem anderen Kontinent zu senden? Man bereitet heimlich eine Flotte vor, gibt vor, dass diese ein völlig anderes Ziel hat, und lässt sie dann ins Ungewisse segeln.
Dass dies allerdings nicht im Sinne aller Beteiligten sein kann, die sich mit völlig unbekannten und unberechenbaren Gefahren auseinandersetzen müssen, liegt in der Natur der Sache. Allen voran Karas, der als verschwenderischer Sohn aus reichem Haus in Al` Anfa plötzlich ein Himmelfahrtskommando begleiten soll - dabei liegt ihm viel mehr daran zu feiern und dabei die Freuden beider Geschlechter zu genießen. Alric, genannt Blutsäufer, hat damit schon viel weniger Probleme. Der ehemalige Gladiator ist es gewohnt, um sein Überleben zu kämpfen. Und auf dieser Reise kann er damit sogar noch Gewinn machen, zumindest falls er zurückkehrt. Doch auch weitere, sehr unterschiedliche Charaktere begleiten die Reise. Die Moha-Skavin Wahelahe ist äußerst wichtig für die Reise, besonders für das Überleben des tollpatschigen Gelehrtens Marfan. Und da ist nicht zuletzt noch der geheimnisvolle alte Treusorg, der alles andere als ein harmloser alter Mann ist. Sie der Rest der Besatzung der Stolz des Raben müssen mit Angriffen, der Langeweile der Reise und nicht zuletzt Saboteuren fertig werden, die sich inmitten der Besatzung befinden.

Wie bekommt man in einem Roman, der sich um eine Reise zum geheimnisvollen Kontinent Uthuria dreht, alle Charaktere mit an Bord? André Wiesler geht dabei mit relativ wenige Umwegen. Da ist eine Adelige, die so weit wie möglich von ihrer Familie weg will, ein anderer, den man besonders weit vom Rest der Familie entfernen will...
Bis auf einen noch immer recht mysteriösen Charakter hat jeder einen handfesten Grund, die Reise anzutreten. Sei es auf Befehl, aus Sabotagegründen oder einfach nur aus Geldgier. Leider hat "Schwarze Perle" ein Problem, an dem viele Bände von Mehrteilern in bereits bestehenden Universen laborieren. Es dauert relativ lang, bis alle handelnden Charaktere, die auch für die weiteren Teile relevant sind, ausreichend eingeführt sind. Die weitere Handlung leidet dann darunter. Zwar schafft es André Wiesler noch etliche bedrohliche und fatale Szenen für Nebencharaktere und Flotte im Buch unterzubringen, aber bis nach Uthuria schaffen es die Helden nicht. Das Ziel wird wohl erst im zweiten Band erreicht. Somit ist der Roman zwar ein solider Einstieg für die neue Reihe, jedoch kein geniales für sich stehendes Werk. Stammleser der DSA-Romane werden jedoch sicher auf ihre Kosten kommen.

Als Beginn einer neuen Mini-Serie mit dem Titel "Die Rose der Unsterblichkeit" hat der Roman "Schwarze Perle" von André Wiesler die schwierige Aufgabe, den Weg für die weiteren Bände zu bereiten. Dies gelingt ihm leidlich gut, so werden alle Charaktere ausgiebig behandelt, leider geht dies aber zu Lasten der weiteren Handlung. Somit ist das Werk zwar ein grundsolider erster Band der Reihe, leider jedoch kein herausragender. Kenner der Welt rund um "Das Schwarze Auge" werden aber trotzdem kaum einen Grund haben, sich zu beschweren - denn der wilde Charaktermix macht wieder einiges wett.

Details

Bewertung

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    Keine Bewertung

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