Wie passen Nostalgie und die Gegenwart zusammen. Bei Romanen ist das mitunter genauso schwierig wie in der Realität. Wenn bekannte Autor*innen versuchen, die Geister der Vergangenheit heraufzubeschwören, muss das in einem Rahmen stattfinden, der glaubwürdig ist. Nach einem etwas fragwürdigen Versuch von R.A. Salvatore geht das Schicksal der Drachenlanze von Margaret Weis und Tracy Hickman mit „Drachen der Ewigkeit“ in die letzte Runde.
Zeitreisen scheinen in phantastischer Literatur eine formidable Lösung für alle Kontinuitätsprobleme zu sein. Sie sind gleichzeitig aber auch einer der größten Verursacher der selben Problematik. Das müssen die Charaktere feststellen, als sie in einer Zukunft ankommen, in der die dunkle Göttin gewonnen hat. Trotzdem tragen sie eine Kraft bei sich, um die Zeit für immer zu verändern. Während sie eine alte Gruppe an Freunden wieder zusammenbringen, die zur Hälfte die Erinnerungen an ein ganzes Leben in der Zukunft besitzt, gibt es nur wenig Hoffnung. Sie benötigen eine neue Möglichkeit, um erneut in die Vergangenheit zu gelangen und müssen ihre uralte Widersacherin von ihrem Tun ablenken. Also fassen Raistlin, Tanis, Sturm und Tolpan einen waghalsigen Plan, in dem die Verursacherin aller Probleme auch miteingebunden wird. Und Destina Rosendorn hat nun mehr als das Schuldgefühl für den angerichteten Schaden, das sie antreibt. Denn sie hat in der Zwischenzeit ihre wahre Liebe gefunden.
Die Handlung des mutmaßlich letzten Teils der Drachenlanze-Saga rund um Raistlin, Tanis und Tolpan ist ein wenig ambivalent geworden. Warum? Weil der Spagat nicht so gut gelingt wie in den beiden vorherigen Romanen. Im ersten war die nominelle Protagonistin die Auslöserin für die Handlung und wurde gut eingebunden, auch wenn ab einem gewissen Zeitpunkt die „alten Helden“ wieder ins Zentrum rückten. Im zweiten Band kam das Treffen mit den ursprünglichen Helden des ganzen Universums zustande, wobei Destina immer noch passend miteingebunden wurde – schließlich konnte sie allein unter Rittern keine Großtaten vollbringen, war aber immer noch wichtig für die Handlung. Im dritten Band der Reihe klafft eine große Lücke zwischen dem, was die Helden tun und dem, was sie selbst unternimmt und was ihr (liebestechnisch) widerfährt. Es sind zwei Handlungen, die weder wirklich zusammenpassen, noch emotional vereinbar sind. Und auch wenn es ein Wohlfühl-Ende gibt und es (wie so meist in der Drachenlanze) letztendlich einen Charakter gibt, der sich an alles Geschehene erinnert, gelingt es der Geschichte nicht, die Lesenden emotional so abzuholen wie der Vorgängerband. Alles wird hervorragend aufgelöst und man weiß, die Kontinuität der Welt hat keinen Schaden erlitten – dennoch bleibt ein wenig Bedauern zurück. Es wäre noch mehr möglich gewesen. Auch wenn das Jammern auf sehr hohem Niveau ist, denn das Buch ist immer noch gelungen.
„Drachen der Ewigkeit“ ist der Abschluss der Reihe „Das Schicksal der Drachenlanze“ von Margaret Weis und Tracy Hickman und potenziell der Letzte Drachenlanze-Roman der beiden um ihre klassischen Helden. Leider laufen hier die beiden Haupthandlungen ein wenig zu sehr auseinander, was den Lesegenuss schmälert. Fans werden trotzdem feuchte Augen bekommen, auch wenn einige Situationen nicht ganz zu überzeugen wissen.
Details
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Originaltitel:Dragons of Eternity
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Übersetzer*in:Michelle Gyo
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Band:3
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Erschienen:12/2025
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Umfang:528 Seiten
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Typ:Taschenbuch
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ISBN 13:9783734162787
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Preis (D):16,00 €
