Mr. Mercedes

von Stephen King
Rezension von Stefan Cernohuby | 17. Januar 2015

Mr. Mercedes

Ein Auto ist oft mehr als nur ein Fortbewegungsmittel. Für viele ist es auch ein Statussymbol und Vorzeigeobjekt, was besonders für manche deutsche Automarken gilt. Dass ein Auto jedoch zu etwas gänzlich anderem werden kann, wie einer Mordwaffe, ist eher ein Gedankenexperiment. Nicht jedoch für Stephen King, dessen aktueller Roman den Namen "Mr. Mercedes" trägt. Und in diesem Werk geht es nicht um einen Autoverkäufer.

Wenn ein Polizist in Rente geht, muss er meist auf eine ganze Menge an nicht vollendeter Arbeit zurückblicken. So auch Detective Bill Hodges, der nun im Ruhestand keinerlei geistige Herausforderung mehr hat. Seine Frau hat ihn vor geraumer Zeit verlassen, er verbringt seine Zeit damit, schlechte Fernsehsendungen anzusehen und zu viel zu essen - auch spielt er immer wieder mit seiner alten Pistole, die für ihn immer freundlicher auszusehen scheint. Bis zu jenem Tag, an dem sich einer seiner ungelösten Fälle persönlich bei ihm meldet. Nämlich der sogenannte Mercedes-Killer. Offenbar ist es dem Mann, der mit einem massiven Mercedes-Benz zwölf Menschen überfahren hat, nicht genug mit seiner Tat ungestraft davongekommen zu sein. Nein, er möchte nun auch noch Hodges in den Selbstmord treiben. So wie zuvor schon die Besitzerin des Mercedes, wie Hodges herausfindet. Denn dem Mörder ist langweilig, seine Gewaltfantasien sind mannigfaltig und zu allem Überfluss lebt er noch bei seiner Mutter. Seine beiden Jobs halten ihn zwar beschäftigt, ermöglichen ihm aber auch, seine potenziellen Opfer zu beobachten. Und während Hodges zum Ärger des Verbrechers die Schwester der Besitzerin des Wagens kennenlernt und mit ihr weitere Nachforschungen anstellt, plant Mr. Mercedes seinen letzten großen Coup...

Eines der Hauptmerkmale von Stephen Kings neueren Romanen ist, dass sie sich immer mehr von den phantastischen Inhalten der Frühwerke wegentwickeln, hin zu Geschichten, die sich um echte Monster drehen - Menschen. In "Mr. Mercedes" geht es um die Taten eines einzelnen, mutmaßlich geistig gestörten Mannes, der gar nicht das ultimativ Böse oder ein übernatürliches Monster sein muss, um furchteinflößend oder gar tödlich gefährlich zu sein. Gerade die Besinnung auf jene Details, sowie die kontinuierliche Einbringung aktueller Technologien und moderner Methoden der Investigation machen den Roman überzeugend und authentisch. Die Charaktere selbst sind ebenfalls gelungen und wachsen dem Leser durchaus ans Herz. Dennoch zeigt Stephen King keinerlei Skrupel, einige von ihnen ums Leben kommen zu lassen, was beweist, dass er keineswegs weniger konsequent ist als früher. Auch wenn dem Buch ein wenig das Epische fehlt, wie zuletzt bei "Joyland" oder "Der Anschlag", ist das vorliegende Werk sehr gut gelungen. Jeder Kenner von Stephen King wird diesen Roman ohnehin kaufen, aber in diesem Fall können auch Fans konventioneller Thriller bedenkenlos zugreifen. Denn auch von diesem Standpunkt aus ist das Werk sehr gut geglückt.

Auch wenn "Mr. Mercedes" nicht so viel mysteriöse Stimmung verbreitet wie viele frühere Romane von Stephen King, hat das Buch doch einige Vorzüge. Durch die Tatsache, dass es lediglich von Menschen und ihren Taten handelt, wird er intensiver, glaubwürdiger und teilweise auch beängstigender. Obwohl es sich im Grunde um einen konventionellen Thriller handelt, ist es doch ein Werk von Stephen King. Und allein das ist eigentlich schon einen Kauf wert. Und wer immer noch skeptisch ist, dem kann man versichern, dass es hier keinerlei Monster oder übernatürliche Wesen gibt. Nur Menschen und ihre Taten.

Details

  • Autor/-in:
  • Verlag:
  • Sprache:
    Deutsch
  • Erschienen:
    09/2014
  • Umfang:
    592 Seiten
  • Typ:
    Hardcover
  • ASIN:
    3453269411
  • ISBN 13:
    9783453269415
  • Preis:
    22,99 €

Bewertung

  • Gesamt:
  • Spannung:
  • Anspruch:
  • Humor:
    Keine Bewertung
  • Gewalt:
  • Gefühl:
    Keine Bewertung
  • Erotik:

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